Geldgeber einig: Glaeseker-Engagement für Sponsoring irrelevant

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Partymanager Manfred Schmidt steht im Glaeseker-Prozess vor Gericht. 

Hannover - Das dubiose Engagement des Ex-Sprechers von Ex-Bundespräsident Christian Wulff, Olaf Glaeseker, bei der Sponsorensuche für den „Nord-Süd-Dialog“ war laut einiger Geldgeber gar nicht so umstritten. Denn ihr Geld wäre ohne Glaesekers Zutun genauso üppig geflossen.

Das Werben des ehemaligen Sprechers von Ex-Bundespräsident Christian Wulff, Olaf Glaeseker, hatte nach Aussage mehrerer Geldgeber der Promifeier „Nord-Süd-Dialog“ keinen Einfluss auf die Höhe ihres Sponsorings. Für ein Unternehmen sei einzig die Güterabwägung zwischen Kosten und Gegenleistung und entscheidend für oder gegen ein Sponsoring, sagte am Dienstag ein Zeuge im Korruptionsprozess gegen Glaeseker am Landgericht Hannover.

„Da ist es relativ egal, ob die Anfrage von Olaf Glaeseker kommt“, sagte der 49-jährige Mitarbeiter eines in Düsseldorf ansässigen Handelskonzerns. Er betonte, es sei ohnehin das „normalste der Welt“, wenn sich der Regierungssprecher bei einer Veranstaltung, die für das Land wichtig sei, entsprechend einbringe.

Auch ein für Sponsoring zuständiger Mitarbeiter des Autobauers Volkswagen - immerhin bei allen drei Promifeiern von 2007 bis 2009 Hauptsponsor mit je 75 000 Euro - erklärte, Glaeseker habe zwar mit ihm über die Veranstaltung gesprochen, seine Person habe aber nicht dazu geführt, sich für ein Sponsoring zu entscheiden.

Mit Blick auf ein dubioses Sponsoren-Treffen in den Räumen der Nord-LB in Hannover betonte der dritte Zeuge - ein leitender Mitarbeiter der Landesbank - dass es dort weder von Wulff noch von Glaeseker eine direkte Ansprache an Sponsoren, also eine aktive Werbung gegeben habe. Das war jedoch bisweilen in der Öffentlichkeit behauptet worden. Vielmehr sei es aber ein freundschaftliches Treffen von den Sponsoren gewesen, die bereits ihre Verträge unterschrieben hatten, so der Zeuge.

Bei der Organisationsstruktur der Veranstaltung gingen dagegen die Meinungen der Zeugen auseinander. Während etwa ein leitender Mitarbeiter von Siemens erklärte: „Für mich war klar, das ist eine Veranstaltung der Landesregierung“, betonten andere, es sei klar gewesen, dass das Land nur die Schirmherrschaft innehatte.

Die Anklage wirft Glaeseker vor, er habe sich für sein Engagement bei der Party mit Reisen bestechen lassen. Er soll dem Veranstalter, dem mitangeklagten Partymanager Manfred Schmidt, bei der Sponsorensuche geholfen und für dessen finanziellen Gewinn gesorgt haben. Die Verteidigung bestreitet es und rechtfertigt das Engagement bei der Sponsorensuche mit dem Landesinteresse und die Reise mit der persönlichen Freundschaft der Angeklagten.

Laut Verteidigung von Schmidt profitierte dieser ohnehin nicht direkt von dem werbenden Einsatz seines Freundes Olaf. Als Beleg beantragte sie die Vernehmung von weiteren Zeugen, einem Wirtschaftsprüfer und einem Steuerberater. Ihre Aussagen sollen unter anderem beweisen, dass Schmidt monatlich pauschal vergütet wurde. Ob die Anträge zugelassen werden, entscheidet das Gericht in der kommenden Woche.

dpa

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