Neue Serie von Geldautomaten-Sprengungen alarmiert Banken

Hann. Münden - Sie kommen nachts und sprengen mit Hilfe von Gas Geldautomaten in die Luft. Dann sammeln sie die Scheine ein und verschwinden. Nach längerer Pause schlagen die Täter in Niedersachsen jetzt wieder vermehrt zu.

- Nach längerer Pause werden in Niedersachsen derzeit wieder vermehrt Geldautomaten gesprengt. Nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) in Hannover wurden in den vergangenen Wochen sechs Taten registriert, zuletzt in Hann. Münden bei Göttingen und im Kreis Verden, hinzu kommt ein weiterer Fall in Bremen.

Im vergangenen Jahr hatte es in Niedersachsen knapp drei Dutzend Geldautomaten-Sprengungen gegeben. Für die jüngste Serie macht das LKA polnische Banden verantwortlich. Bei den Taten wurden zum Teil hohe Geldbeträge erbeutet, in allen Fällen entstand erheblicher Sachschaden.

Im vergangenen Jahr wurden bundesweit mehr als 250 Geldautomaten gesprengt, davon in Niedersachsen rund drei Dutzend. Nach einer Winterpause zu Beginn des Jahres schlagen die Täter jetzt wieder zu. Tatorte in Niedersachsen waren zuletzt auch Katlenburg-Lindau im Kreis Northeim, Rhade bei Bremervörde und Hannover.

"Wir gehen davon, dass für die aktuelle Serie polnische Täter-Gruppen verantwortlich sind", sagte LKA-Sprecher Frank Federau. Es gebe entsprechende Anhaltspunkte. Für die Sprengungen von Geldautomaten im nordwestlichen Niedersachsen in den vergangenen Jahren werden dagegen vorwiegend Täter verantwortlich gemacht, die aus Holland einreisen.

Die niederländische Polizei hatte zuletzt Erfolg im Kampf gegen die Panzerknacker. Anfang April nahm sie in Utrecht einen 28-Jährigen fest, der 2016 zusammen mit Komplizen drei Bankautomaten in Niedersachsen und ein Dutzend weitere Geräte in Nordrhein-Westfalen gesprengt haben soll. Auch in Brandenburg konnten die Ermittler vor einigen Wochen eine Bande fassen. Um die Explosionen herbeizuführen, leiten die Kriminellen Gas in die Automaten ein, dann sprengen sie per Fernzündung.

Bisweilen halten die Geldautomaten den Explosion stand. "Es gab auch Sprengungen, bei denen das Geld vernichtet wurde", sagte Federau. Das sei aber eher selten. Wie viel Geld die Panzerknacker erbeuten, teilt die Polizei nicht mit. Nach Sprengungen in der Vergangenheit wurde aber bekannt, dass es in Einzelfällen mehr als 50 000 Euro waren.

Viele Geldinstitute haben inzwischen auf die Gas-Attacken reagiert. "Wir investieren gezielt in Sicherheit", sagte zum Beispiel die Sprecherin des Sparkassenverbandes Niedersachsen, Julia Kittler. Die gesamte deutsche Kreditwirtschaft arbeite in enger Abstimmung mit der Polizei an geeigneten Sicherheitsmaßnahmen.

Bekannt ist, dass Banken in ihren Automaten inzwischen Farbkartuschen installieren. Sie sollen dafür sorgen, dass die Geldscheine bei einer Sprengung eingefärbt werden. Zudem werden Sensoren eingebaut, die erkennen, wenn Gas in die Automaten geleitet wird. Diese Sensoren sorgen selbstständig für Entlüftung und lösen zugleich Alarm aus.

Nach wie vor setzen Panzerknacker allerdings nicht nur auf Sprengungen. Manche Täter gehen weiterhin ganz konventionell vor und versuchen, Geldautomaten aufzubrechen. Immer wieder haben sie auch damit Erfolg, so wie im Februar in Volpriehausen im Solling, im März in Leer oder Anfang April in Osterholz-Scharmbeck.

Sachschaden verursachte auch die Attacke auf einen Bankautomaten in Barßel im Kreis Cloppenburg. Ende März schleuderte ein Unbekannter eine überreife Banane gegen das Gerät, Teile gelangten in den Automaten und setzten ihn außer Betrieb. Ähnliches bewirkte ein Mann, der in einer Bankfiliale in Celle urinierte. Er traf allerdings keinen Geldautomaten, sondern einen Kontoauszugsdrucker - das Gerät wurde so stark beschädigt, dass es ausgetauscht werden musste.

dpa

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