Skrupellose Täter

Geldautomaten-Sprengungen: Bande aus Niederlanden ist „große Bedrohung für Europa“

Geldautomat gesprengt.
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Immer häufiger gefährden Geldautomaten-Sprengungen Anwohner und deren Häuser.

Die Herangehensweise ist skrupellos und die Tat dauert meistens nur wenige Minuten. Geldautomaten-Sprengungen sind ein immer größer werdendes Problem.

Osnabrück - Immer häufiger kommt es im Norden, aber auch in ganz Europa zu Geldautomaten-Sprengungen. Dabei handelt es sich längst nicht nur um Vandalismus mit Diebstahl, immer häufiger legen Täter keinen Wert auf unbeteiligtes Menschenleben. Die Kriminalität sei gut organisiert und vernetzt. Eine Statistik des Bundeskriminalamtes zeigt: 17,1 Millionen Euro wurden alleine 2020 in Deutschland durch Sprengungen von Geldautomaten erbeutet. Das sind 12,5 Prozent mehr als noch 2019.

StadtOsnabrück
Einwohner164.748
Fläche119,8 km²
Höhe63 m

Das Tatmuster ist immer wieder gleich. Innerhalb von wenigen Minuten schaffen es Täter Hunderttausende Euro durch Automaten-Sprengungen zu erbeuten. Sie kommen am Tatort an, sprengen den Automaten, sammeln die Geldkassetten ein und verschwinden wieder. So passierte es kürzlich erst in Sandkrug im Landkreis Oldenburg. In vielen Bank-Filialen ist die Polizei dann bestenfalls informiert, oftmals seien die Täter jedoch so schnell, dass ein Eingreifen kaum möglich sei.

Automatensprengungen: Auch Sprengstoff mittlerweile Tatmittel

„Das sind Täter ohne jeden Skrupel“, sagt der Osnabrücker Polizeipräsident Michael Maßmann. Vor einigen Jahren hätten die Täter demnach fast ausschließlich mit Gas Automaten gesprengt. Das sei zwar auch nicht ungefährlich und führte in einigen Fällen ebenfalls zu ernsthaften Personen oder Gebäudeschäden, jedoch sei die Gefahr von damals nicht mit der heutigen zu vergleichen. Mittlerweile sei es auch üblich auf gefährlichen Sprengstoff zurückzugreifen. Dabei werde nicht selten unbeteiligtes Menschenleben gefährdet. Auch ein Schock ist bei Unbeteiligten nicht selten, wie ein Fall in Bremen zeigte.

Und auch die Flucht ist meistens spektakulär, aber hochgradig gefährlich. Autobahnen scheinen laut Polizei die beliebtesten Fluchtwege zu sein, oftmals fahren die Täter bei ihrem Versuch unbemerkt davon zu kommen mit einer Geschwindigkeit von fast 300 Stundenkilometern. Auch das Licht bleibt dabei mitten in der Nacht aus. Unter solchen Bedingungen sei es in vielen Fällen keine Option für die Polizei, eine Verfolgungsjagd aufzunehmen.

Zwei Drittel aller Täter aus den Niederlanden

Zwei Drittel aller identifizierten Täter würden nach Angaben von Europol aus den Niederlanden kommen. „Automatensprenger aus den Niederlanden sind eine große Bedrohung für das gesamte westliche Europa“, sagt Michael Will, Leiter der Abteilung Eigentumskriminalität bei Europol. Auch im Landkreis Verden kommt es immer wieder zu Automaten-Sprengungen. In Hannover verwüsteten die Täter eine Bankfiliale regelrecht.

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Es handle es sich demnach meistens um junge Männer in „losen Netzwerken“. Mafiöse Strukturen würden demnach nicht dahinter stecken. „Es ist schwer, diese Gruppen zu infiltrieren, schwer, Informationen aus diesen Gruppen heraus zu bekommen“, berichtet Will. Etwa 500 Personen ist die Tätergruppe nach Schätzungen von Europol groß.

Niederlande: Niedrige Geld-Obergrenzen für Automaten

Dass die Täter nicht in den Niederlanden aktiv sind, scheint an den Präventionsmaßnahmen der Niederlande zu leben. Dort gibt es immer weniger außenhängende Geldautomaten, zudem wurde ein Höchstbetrag für Automaten festgelegt, der deutlich über dem Wert in Deutschland liegt: „Warum soll ich in den Niederlanden einen Automaten mit 20 000 Euro sprengen, wenn ich in Deutschland bis zu 500 000 Euro erbeuten kann?“, so Will.

Erst vor kurzem sei der Polizei Osnabrück ein Schlag gegen diese Form der Kriminalität gelungen. In Amsterdam, Utrecht und Den Haag kamen neun Tatverdächtige in Untersuchungshaft und 23 mutmaßliche Täter konnten ermittelt werden. Drei Tatverdächtige sollen demnach sogar nach Deutschland ausgeliefert werden. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück will diese vor Gericht bringen.* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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