„Es geht auch mit Poesie“

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Colonel Joe in der Manege des „Circus Krone“. Zurschaustellung oder würdevolle Präsentation? „Die Menschen wollen das sehen“, sagt Sprecher Frank Keller.

Hannover - Von Michael Krüger - Ein ausgewachsener Löwe reitet auf einem Pferd – eine Sensation! Zumindest Ende des 19. Jahrhunderts, als Europas größter Zirkus, der „Circus Krone“, ins Leben gerufen wurde. Der Beweis war erbracht: artfremdes Verhalten lässt sich antrainieren, selbst bei wildesten Tieren.

„Die Menschen wollen das sehen“, sagt Frank Keller mehr als 100 Jahre später. Der Pressesprecher von „Krone“ muss seinen Arbeitgeber immer häufiger in der öffentlichen Debatte um Zirkustiere verteidigen. „Natürlich gibt es bei uns schwarze Schafe, wie in jeder Branche“, sagt er. „Aber wir halten unsere Tiere artgerecht.“ Veterinäre könnten sich davon überzeugen und sollten das bei der Konkurrenz, die mit weitaus weniger Mitteln zurechtkommen muss, auch tun.

Acht der noch rund 70 Elefanten, die in Deutschlands Zirkussen auftreten, leben bei „Krone“. Dazu 17 Löwen, zwei Tiger, Kamele, Zebras, Lamas und ein Nashorn. Wildtiere seien das nicht mehr, sagt Keller. „Die leben schon seit mehreren Generationen bei uns.“ Der Kontakt mit Menschen sei für sie normal. „Wir fahren ja nicht mehr mit dem Lasso nach Afrika.“

Keine Anpassung an Menschen

Wohlgemerkt: nicht mehr. Bis auf einen Zirkus-Elefanten sind alle Dickhäuter in deutschen Manegen noch Wildfänge, die bis zum endgültigen Verbot 1989 importiert wurden. „Ein Tiger bleibt auch in der zehnten Generation ein Wildtier“, sagt der Deutsche Tierschutzbund. Beim Zirkus „Krone“ seien „tierschutzrechtliche Verstöße, mangelhafte Haltungsbedingungen und gestörte Tiere“ die Regel. Wildtiere seien dem Leben mit Menschen nicht angepasst – anders als etwa Hunde oder Pferde, die über Jahrtausende domestiziert wurden.

Bengaltiger-Babys im Serengeti-Park

Samtig und putzmunter: Der Serengeti-Park in Hodenhagen hat am Mittwoch den Nachwuchs bei seinen Bengaltigern vorgestellt. Die drei wenige Wochen alten Babys wiegen zwischen drei und vier Kilogramm. Sie sind bereits am 14. Februar zur Welt gekommen. 2009 hatte der Tierpark fünf junge Weibchen und drei Männchen aus einem Zirkus im portugiesischen Coimbra gerettet - darunter Mutter Sam (acht Jahre). Sie ist nach Angaben des Tierparks ebenso wohlauf wie die Kinder und Vater Suras (zehn Jahre). Der Serengeti-Park eröffnet am Samstag seine Saison. Er zeigt rund 1500 Tiere auf 110 Hektar Fläche. © dpa
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Samtig und putzmunter: Der Serengeti-Park in Hodenhagen hat am Mittwoch den Nachwuchs bei seinen Bengaltigern vorgestellt. Die drei wenige Wochen alten Babys wiegen zwischen drei und vier Kilogramm. Sie sind bereits am 14. Februar zur Welt gekommen. 2009 hatte der Tierpark fünf junge Weibchen und drei Männchen aus einem Zirkus im portugiesischen Coimbra gerettet - darunter Mutter Sam (acht Jahre). Sie ist nach Angaben des Tierparks ebenso wohlauf wie die Kinder und Vater Suras (zehn Jahre). Der Serengeti-Park eröffnet am Samstag seine Saison. Er zeigt rund 1500 Tiere auf 110 Hektar Fläche. © Serengeti-Park
Einige Monate nach der Rettung der Tiger im Jahr 2008 war auch der Hunger bei den Großkatzen wieder groß – wie dieses Archivbild des Serengeti Parks beweist. © Serengeti-Park
Einige Monate nach der Rettung der Tiger im Jahr 2008 war auch der Hunger bei den Großkatzen wieder groß – wie dieses Archivbild des Serengeti Parks beweist. © Serengeti-Park
Einige Monate nach der Rettung der Tiger im Jahr 2008 war auch der Hunger bei den Großkatzen wieder groß – wie dieses Archivbild des Serengeti Parks beweist. © Serengeti-Park
Einige Monate nach der Rettung der Tiger im Jahr 2008 war auch der Hunger bei den Großkatzen wieder groß – wie dieses Archivbild des Serengeti Parks beweist. © Serengeti-Park
Einige Monate nach der Rettung der Tiger im Jahr 2008 war auch der Hunger bei den Großkatzen wieder groß – wie dieses Archivbild des Serengeti Parks beweist. © Serengeti-Park

„700 000 Besucher pro Jahr beweisen, dass es auch ohne Wildtiere geht“, sagt Zirkusdirektor Bernhard Paul. Sein Zirkus „Roncalli“ verzichtet bewusst und schon immer auf Elefanten und Co. „Es geht auch mit Poesie“, so Paul. Die Leute wollten unterhalten, verzaubert und verblüfft werden – da bedürfe es keiner tierischen Sensationen in der Manege. Einzige Ausnahme bei „Roncalli“: Hunde und Pferde. Die seien, so Paul, jedoch als Haustiere auch unterwegs artgerecht zu halten. Zumal es sich „Roncalli“ zum Ziel gesetzt habe, staatliche Größen-Vorgaben für Boxen zu verdoppeln und zum Beispiel Pferde mindestens jeden zweiten Tag auf einer Natur-Wiese grasen und laufen zu lassen. „Unser Erfolg gibt uns Recht“, sagt Paul. „Die Menschen haben kein Bedürfnis nach Wildtieren.“

Also nur der Gegensatz von zwei unterschiedlichen Philosophien? Branchenkenner widersprechen dem. Es gehe schlichtweg auch um Geld. Die Haltung eines Löwen sei deutlich günstiger als die Einstellung eines Artisten. Und wenn ein Tier stirbt oder getötet wird, sei reichlich Nachschub vorhanden – der Markt in Osteuropa ist groß, heißt es. Elektrohalsbänder oder der berüchtigte „Elefantenhaken“ machten auch die wildesten Tiere für die Manege gefügig, dauerhafte Verhaltensstörungen inklusive.

Ob es in Deutschland in absehbarer Zukunft eine Abkehr von der bisherigen Tierschutz-Linie gibt, bleibt fraglich. 14 EU-Staaten haben bereits Wildtiere aus der Manege verbannt oder schränken die Haltung stark ein, auch einzelne Kommunen hierzulande werden mit Auflagen tätig. Im November, mitten in der politischen Diskussion um das mögliche Verbot in Deutschland, verkündete Gerd Müller, CSU-Politiker und zuständiger Staatssekretär im Bundesagrarministerium: „Es wäre schade, wenn es einen Zirkus gäbe ohne Elefanten.“

Wildtiere im Zirkus – die Rechtslage

Anders als in 14 europäischen Nachbarstaaten dürfen Wildtiere in Deutschland weiter im Zirkus gehalten werden. Zuletzt scheiterte im Dezember eine Bundesratsinitiative, der sich auch das Land Niedersachsen angeschlossen hatte. Ohne Aussprache hat der Bundestag am 15. Dezember den Antrag jedoch abgelehnt, die Haltung von Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörnern und Flusspferden (Löwen und Tiger waren nicht erwähnt!) zu verbieten. Bereits im Jahr 2003 war eine entsprechende Änderung des Tierschutzgesetzes gescheitert. „Dem Verbot der Wildtierhaltung in Zirkussen sind verfassungsrechtlich hohe Hürden gesetzt, denn es würde einen Eingriff in die Grundrechte der Berufs- und Eigentumsfreiheit darstellen“, heißt es vom zuständigen Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Genau darauf beruft sich auch die European Circus Association (ECA). Der Verband klagt unter anderem gegen das Wildtierverbot in Österreich und beruft sich auf Wettbewerbsverzerrung in der EU – um Tierschutz geht es dabei erst in zweiter Linie.

Mindestens 38 Verstöße

Auch wenn die für den Tierschutz zuständige Ministerin Ilse Aigner (CSU) betont, Initiativen zur Verbesserung der Situation von Zirkustieren zu begrüßen und auf die 2008 ins Leben gerufene Zirkusregisterverordnung zur Überwachung verweist, gibt es für die rund 250 Zirkusse in Deutschland außer den allgemeinen Regelungen des Tierschutzgesetztes keine rechtlich verbindlichen Vorgaben für die Tierhaltung. Zwar hat das Ministerium „Zirkusleitlinien“ veröffentlicht, die Haltungsanforderungen konkretisieren, doch weder für Zirkusse noch für Veterinäre, die die Kontrollen an Spielorten vornehmen, sind diese verpflichtend. Es bleibt ein großer Spielraum auch in den rund 30 Zirkussen, in denen noch die von einem möglichen Verbot betroffenen Tiere gehalten werden. In Niedersachsen wurden 2011 nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums 38 Tierschutzverstöße im Zirkusregister notiert. Da das System erst im Laufe des Jahres installiert wurde, sei aber von einer viel höheren Zahl auszugehen. - mk

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