Krankheit unter Wildvögeln

Geflügelpest in Niedersachsen: Hunderte Vögel verenden qualvoll in Leer

Die Geflügelpest geht durch Niedersachsen. Im Landkreis Leer wurden zuletzt Hunderte verendete Tiere gefunden. Die Mehrheit der Landkreise ist mittlerweile betroffen.

Leer - Die hochansteckende Geflügelpest breitet sich in Niedersachsen weiter aus. Nach Angaben des Landkreises Leer seien bislang entlang der Ems-Deiche, am Dollart und auf angrenzenden Gebieten Schätzungen zufolge rund 400 verendete Wildvögeln gefunden und eingesammelt worden. Darunter seien vor allem Gänse, aber auch Bussarde, Enten und Rabenvögel.

Der Landkreis geht davon aus, dass viele durch die grassierende Geflügelpest ums Leben kamen. In einigen Fällen könnten die Tiere aber auch schon länger tot gewesen sein. Um die Kadaver zu entsorgen sind in den Gemeinden Jemgum, Bunde, Moormerland und Weener nun Container aufgestellt worden.

Landkreis Leer
Bevölkerung169.809
Fläche1.086 Quadratkilometer
LandratMatthias Groote (SPD)

Eine Häufung der Funde gebe es bereits seit November vergangenen Jahres, teilte der Kreis mit. Mehrere Kadaver wurden nach Ostern bei der ehemaligen Bohrinsel Dyksterhusen im Rheiderland angespült - vermutlich aufgrund der Wetterlage mit kräftigem Wind.

Vor einer Woche waren allein an einem Tag rund 150 tote Tiere gefunden worden. Das Rheiderland wird von vielen Wildvögeln als Rast- und Durchzugsgebiet genutzt. Die Wildvogeldichte ist entsprechend hoch.

Vogelgrippe in Niedersachsen: 29 Landkreise betroffen

Wie aus Angaben des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) in Oldenburg hervorgeht, ist die Vogelgrippe mittlerweile bei Wildvögeln in der Mehrheit der 45 Kreisen und kreisfreien Städten im Land festgestellt worden. Insgesamt liegen Nachweise aus 29 Kreisen vor.

Am Ems-Deich verendeten mehrere Wildvögel an der Geflügelpest.

Von November bis Mitte April wurden demnach 1060 Proben von Wildvögeln auf die Geflügelpest (Aviäre Influenza) untersucht - davon fielen 120 Proben positiv aus. Bei dem überwiegenden Teil sei der Erreger H5N8 nachgewiesen worden, teilte eine Laves-Sprecherin mit.

In einzelnen Fällen wurden auch die Subtypen H5N5, H5N1 und H5N3 identifiziert. Einen Überblick über das gesamte Ausmaß der Virusverbreitung bei Wildvögeln geben diese Zahlen jedoch nicht, da nicht alle Totfunde auch auf Erreger untersucht werden.

Geflügelpest in Niedersachsen: Million Tiere getötet

Wegen der Geflügelpest war es in den vergangenen Monaten in mehreren Geflügel-Mastbetrieben zu Ausbrüchen der hochansteckenden Tier-Infektionskrankheit gekommen. Wie das Landwirtschaftsministerium zuletzt mitteilte, wurden deswegen rund eine Million Tiere getötet.

Angesichts der Kadaver an Ems und Dollart appellierte der Kreis Leer an Geflügelhalter, die angeordnete Aufstallpflicht einzuhalten. So soll eine weitere Verbreitung verhindert werden. Zudem kündigte die Kreisverwaltung Kontrollen und bei Verstößen Bußgelder an.

Einen Warnhinweis zur Geflügelpest ist in niedersächsischen Landkreisen derzeit keine Seltenheit.

Der Frühjahrsvogelzug nordischer Wasservögel kann nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts zu einer überregionalen Verbreitung beitragen. Daher werde das Risiko einer Ausbreitung bei Wasservögeln und auch der Eintrag in Geflügelhaltungen weiter als hoch eingestuft.

Geflügelpest in Niedersachsen: Landkreis Uelzen hebt Stallpflicht auf

Der Landkreis Uelzen hebt trotz der sich ausbreitenden Geflügelpest die Stallpflicht für Geflügel ab Sonntag auf. Im Landkreis seien bislang keine toten Wildvögel mit dem Vogelgrippe-Erreger nachgewiesen worden, außerdem sei zum Wochenende der Vogelzug abgeschlossen, daher könne die Stallpflicht aufgehoben werden, sagte Jörg Pfeiffer, der Leiter des Veterinäramtes im Landkreis Uelzen, am Freitag.

Ab Sonntag dürfe Geflügel wieder außerhalb der Ställe gehalten werden. Pfeiffer rief die Geflügelhalter zu Wachsamkeit auf, um die Verschleppung des Virus von einem zum anderen Bestand zu vermeiden.

Bei Auffälligkeiten wie erhöhter Sterblichkeit oder geringerer Legeleistung müsse weiterhin „unverzüglich“ der Hoftierarzt konsultiert werden, um Geflügelpest ausschließen zu können, mahnte der Landkreis.

Rubriklistenbild: © dpa/Lars-Josef Klemmer

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