Die Arbeit von Polizisten und Rettungskräften behindert

Die schlimme Geschichte des Gaffens

Bremervörde - Von Helmut Reuter. Wenn Neugier in Gaffen umschlägt, Schaulustige die Rettungsarbeiten behindern und es zu Rangeleien mit Einsatzkräften kommt, dann versteht die Polizei keinen Spaß mehr. Es kann hohe Geldbußen hageln. Einige Bundesländer reagieren mit Sichtschutzwänden.

Dutzende Rettungskräfte arbeiten fieberhaft am Unfallort. Doch als wäre das Unglück nicht genug, kommt es zu Handgreiflichkeiten zwischen Polizisten und Schaulustigen. Die Arbeit von Polizisten und Feuerwehrleute wird oft durch Gaffer behindert, auch beim tragischen Unfall in Bremervörde war das der Fall. Dort krachte ein Auto in eine Eisdiele, ein zweijähriger Junge und ein 65 Jahre alter Mann sterben.

Gaffen und Filmen: Polizei ärgert sich über Handy-Schaulustige

„Es ist ehrverletzend und menschenunwürdig, dort zu filmen, wo Menschen im Blut liegen und um ihr Leben ringen und die Einsatzkräfte alles tun, um zu retten“, kritisiert der niedersächsische Vorsitzender der Polizeigewerkschaft GdP, Dietmar Schilff. Für die Polizei sei das ein Riesenproblem. Die Grenze laufe ganz klar dort, wo die Arbeit der Einsatzkräfte behindert werde. „Das muss geahndet werden, und es können Bußgelder bis zu 5000 Euro ausgesprochen werden“, sagt Schilff, der auch GdP-Vize-Bundesvorsitzender ist.

Den Vorfall in Bremervörde vom Sonntag nennt Polizeisprecher Heiner van der Werp von der Polizeiinspektion Rotenburg eine „schlimme Geschichte des Gaffens“. Ein 25-Jähriger wollte mit seinem Handy den Unfallort filmen, störte damit aber den Einsatz. Dem Mann wurde das Filmen untersagt. Er verließ den Unfallort, kam aber mit Verstärkung zurück. Dann kam es zum handfesten Gerangel mit Polizisten. Van der Werp: „Zwei Beamte wurden leicht verletzt, ein Brille ging zu Bruch.“ Es erging Anzeige wegen Widerstandes gegen Polizeibeamte.

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Um solche Situationen zu verhindern, haben einige Bundesländer Sichtschutzwände angeschafft, die vor dem Unglücksort aufgestellt werden, um die Opfer in ihrer Hilflosigkeit vor den Blicken und Handy-Kameras anderer zu schützen. Schilff verwies unter anderem auf Nordrhein-Westfalen, wo die Behörden zwölf Anhänger anschafften, auf denen jeweils 100 Meter Sichtschutz untergebracht sind. Die 2,10 Meter hohen Wände sind mit dunkelgrüner Plane bespannt und haben quadratische und runde Klappen, durch die der Wind rauschen kann, damit er sie nicht umreißt. Auch Bremen verfügt über Sichtschutzwände.

Schilff, selbst Polizeihauptkommissar, schränkte ein, dass es sich bei den wirklich harten Gaffern, die die Arbeit der Einsatzkräfte behindere, um eine Minderheit handelt. Zum Alltag gehört heute für Polizei und Feuerwehr aber, dass Fotos und Videos oft schon Minuten nach Unfällen in den sozialen Netzwerken im Internet kursieren. „Das ist ein Art von Neugier und ein öffentliches Kundtun nach dem Motto:Ich war dabei“, versucht Schilff selbst ratlos die Motivation der Handy-Filmer zu erklären.

dpa

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