Gedenkfeier in Lengede erinnert an verunglückte Bergleute

+
Helfer tragen während der dramatischsten Rettungsaktion in der Geschichte des deutschen Bergbaus an einer Bohrstelle im niedersächsischen Lengede einen der befreiten Bergleute ins Freie (Archivfoto vom 7.11.1963).

Lengede - 50 Jahre nach dem Grubenunglück in Lengede haben mehrere Hundert Menschen in der niedersächsischen Gemeinde im Kreis Peine der verschütteten Bergleute gedacht.

 „Helden waren die, die immer wieder gefordert haben, weiter zu suchen“, sagte Bürgermeister Hans-Hermann Baas auf der Gedenkfeier am Donnerstag. Am 24. Oktober 1963 wurden 129 Kumpel durch einen eingebrochenen Klärteich unter Tage verschüttet. 29 Bergleute kamen in der Tiefe ums Leben. Die Rettung von elf totgeglaubten Männern zwei Wochen nach der Katastrophe ging als „Wunder von Lengede“ in die Geschichte ein.

Neben Bergleuten und Angehörigen der Opfer nahmen mit Gerhard Hanusch und Adolf Herbst auch zwei der letzten Überlebenden des Unglücks an der Gedenkfeier und dem ökumenischen Gottesdienst teil. „Das Unglück trug von Anfang an auf eigenartige Weise die Züge eines Mythos, eines Mysteriums, eines Wunders“, betonte der ehemalige Direktor des Deutschen Bergbaumuseums in Bochum, Rainer Slotta.

„Man muss auch daran erinnern, dass 29 Bergleute das Unglück mit ihrem Leben bezahlt haben“, sagte Bürgermeister Baas. Für die Opfer wurden 29 Rosen und mehrere Kränze an der Gedenkstätte in Lengede niedergelegt. „Warum mussten 29 Bergleute sterben? Warum wurde der Klärteich überhaupt so hoch gefüllt? Hätten andere Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden müssen?“, fragte Baas. Trotz Ermittlungen der Staatsanwaltschaft war es nie zu einer Anklage der Grubenleitung gekommen.

Gedenken an das Grubenunglück von Lengede

Das Gelände der Gedenkstätte der Grube "Mathilde", fotografiert am 01.10.2013 in Lengede (Niedersachsen). Bei dem Grubenunglück vor 50 Jahren waren 29 Bergleute ums Leben gekommen. © dpa
Der ehemalige Bergmann Gerhard Hanusch (93) präsentiert am 01.10.2013 in seiner Wohnung in Lengede (Niedersachsen) ein historische Berichte vom Tag seiner Rettung. Hanusch hatte 184 Stunden in einer Luftblase in 78 Meter Tiefe während des Grubenunglücks von Lengede verbracht, bevor er mit Hilfe der Dahlbuschbombe an das Tageslicht gezogen wurde. © dpa
Der Eingang zum Gelände der Gedenkstätte der Grube "Mathilde", fotografiert am 01.10.2013 in Lengede . © dpa
Zahlreiche Helfer stehen am 7.11.1963 während der dramatischsten Rettungsaktion in der Geschichte des deutschen Bergbaus neben der Bohrstelle im niedersächsischen Lengede. 129 Männer wurden am 24. Oktober 1963 im Schacht Mathilde von 500000 Kubikmetern Wasser und Schlamm überrascht. © dpa
Das Gelände der Gedenkstätte der Grube "Mathilde", fotografiert am 01.10.2013 in Lengede. © dpa
Nach 14 Tagen in rund 60 Meter Tiefe wird der 20-jährige Elektro-Installateur Adolf Herbst von seiner Freundin Dagmar Waletzko in Lengede in einem Krankenwagen mit einer Umarmung begrüßt (Archivfoto vom 07.11.1963). © dpa
Der ehemalige Bergmann Gerhard Hanusch (93) präsentiert am 01.10.2013 in seiner Wohnung in Lengede (Niedersachsen) ein historisches Foto vom Tag seiner Rettung mit zwei weiteren Kumpel. Hanusch hatte 184 Stunden in einer Luftblase in 78 Meter Tiefe während des Grubenunglücks von Lengede verbracht, bevor er mit Hilfe der Dahlbuschbombe an das Tageslicht gezogen wurde. © dpa
Der verschlossene Rettungsschacht der Grube "Mathilde", fotografiert am 01.10.2013 auf dem Gelände der Gedenkstätte in Lengede. © dpa
Ein Hinweisschild zum Gelände der Gedenkstätte der Grube "Mathilde", fotografiert am 01.10.2013 in Lengede. © dpa
Die Dahlbuschbombe steht in der Dauerausstellung zum Grubenunglück von Lengede am 01.10.2013 im Rathaus von Lengede. © dpa
Eine Namenstafel der tödlich verunglückten Bergleute auf dem Gelände der Gedenkstätte der Grube "Mathilde", fotografiert am 01.10.2013 in Lengede. © dpa
Die Dahlbuschbombe steht in der Dauerausstellung zum Grubenunglück von Lengede am 01.10.2013 im Rathaus von Lengede. © dpa
Der verschlossene Rettungsschacht der Grube "Mathilde", fotografiert am 01.10.2013 auf dem Gelände der Gedenkstätte in Lengede. © dpa
Eine Namenstafel der tödlich verunglückten Bergleute auf dem Gelände der Gedenkstätte der Grube "Mathilde". © dpa
Der verschlossene Rettungsschacht der Grube "Mathilde", fotografiert am 01.10.2013 auf dem Gelände der Gedenkstätte in Lengede. © dpa
Helfer tragen während der dramatischsten Rettungsaktion in der Geschichte des deutschen Bergbaus an einer Bohrstelle im niedersächsischen Lengede einen der befreiten Bergleute ins Freie (Archivfoto vom 7.11.1963). © dpa
Adolf Herbst zeigt am 16.10.2013 in seinem Haus in Wülferode (Region Hannover) ein Foto von seiner Rettung als einer der elf Überlebenden des Grubenunglücks von Lengede. © dpa

Belastende Fragen im Zusammenhang mit dem Unglück wirft ein bisher unveröffentlichter Untersuchungsbericht von damals auf. „Der Betrieb des Klärteiches (aus dem das Wasser in den Stollen einbrach, d. Red.) stellte unter den geschilderten Umständen von Anfang an ein höchstgefährliches Risiko dar“, zitiert der NDR im Internet aus den Unterlagen, die im Niedersächsischen Staatsarchiv liegen. Demnach sei es bereits vor dem Grubenunglück wiederholt zu Wassereinbrüchen im Schacht gekommen, die Aufsichtsbehörden seien darüber aber nicht informiert worden. Nach Angaben des Staatsarchivs liegt der Bericht zwar nicht unter Verschluss, ist aber Eigentum der Salzgitter AG. „Die müssen gefragt werden“, sagte Archivleiter Brage Bei der Wieden.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Pflegeleichte Bepflanzung fürs Grab

Pflegeleichte Bepflanzung fürs Grab

Stuttgart patzt gegen Kiel - Bochum verspielt Sieg

Stuttgart patzt gegen Kiel - Bochum verspielt Sieg

Kunsthandwerker-Markt im Müllerhaus Brunsbrock

Kunsthandwerker-Markt im Müllerhaus Brunsbrock

Fronten im Katalonien-Konflikt verhärten sich

Fronten im Katalonien-Konflikt verhärten sich

Meistgelesene Artikel

Wattwanderung: Vier Jugendliche vor steigender Flut gerettet

Wattwanderung: Vier Jugendliche vor steigender Flut gerettet

Brand am Flughafen Münster/Osnabrück verursacht Millionenschaden

Brand am Flughafen Münster/Osnabrück verursacht Millionenschaden

Willkommen im Knast: Altes Gefängnis wird zum Erlebnishotel

Willkommen im Knast: Altes Gefängnis wird zum Erlebnishotel

Einbrecher stehlen zwei Tiefkühlpizzen aus Wohnhaus-Keller

Einbrecher stehlen zwei Tiefkühlpizzen aus Wohnhaus-Keller

Kommentare