Explodierende Gaspreise

Warum steigt der Gaspreis? Alle Fakten zum Preisanstieg

Die Gaspreise steigen für die meisten Verbraucher in bisher ungekanntem Maße. Die meisten Anbieter haben ihre Preise deutlich angehoben, doch warum ist das so?

Berlin – Kommende Gasabrechnungen könnten Verbrauchern einen ordentlichen Schrecken versetzen. Der Gaspreis steigt, die meisten Gasversorger haben ihre Preise erhöht, zum Teil drastisch. Einen Preissprung wie diesen hat es lange nicht gegeben. Verbraucher fragen sich daher, was die Gründe für den Preisanstieg bei Gas sind und was anders ist als in den Vorjahren. Was Nord Stream 2, das Wetter und Corona damit zu tun haben.

Warum steigt der Gaspreis? Die Fakten

Ostseepipeline:Nord Stream 2
Anzahl Röhren:Zwei Röhren
Transportkapazität:55 Mrd. Normkubikmeter pro Jahr
Länge:1230 Kilometer

Preisanstieg: Die Gründe für explodierende Gaspreise sind vielfältig

Verbraucher trifft es beim Gaspreis hart. Wer auf eine kurze Antwort auf die Frage nach den Gründen des Preisanstiegs gehofft hat, muss enttäuscht werden. Die Ursachen für den Anstieg der Gaspreise sind vielfältig, wobei einige stärker ins Gewicht fallen als andere. Die Gründe variieren von Konflikten in der Politik, über Wettereinflüsse bis hin zu Umständen, welche die Corona-Pandemie geschaffen hat. Auch Maßnahmen zum Klimaschutz haben mit den steigenden Preisen zu tun.

Corona-Virus: Das Wieder-Anlaufen der Wirtschaft während der Corona-Pandemie treibt den Gaspreis nach oben – Preisanstieg hängt auch von Einkaufsstrategien der Versorger ab

Eine der wohl entscheidenden Triebfedern des steigenden Gaspreises ist, dass die im Verlauf der Corona-Pandemie anfangs deutlich zurückgegangene Nachfrage nach Erdgas wieder deutlich gestiegen ist. Das hat vor allem damit zu tun, dass die industrielle Produktion wieder angelaufen ist, nachdem sie pandemiebedingt in vielen Ländern vorübergehend gedrosselt wurde. Mit dieser Entwicklung kann das Angebot nicht mithalten.

Der Gaspreis steigt deutlich, die Gründe für den Preisanstieg sind vielfältig.

Auch die wachsende Nachfrage Chinas nach Gas spielt eine Rolle. Das Land plant seine Emissionen deutlich zu reduzieren und stellt dafür in großem Maße von Kohle auf Erdgas um. Diese Verlagerung steigert die Nachfrage, China importiert große Mengen an Flüssiggas.

Zunächst explodieren die Preise dadurch an den Großhandelsbörsen, dort kaufen Energieversorger das Gas für ihre Kunden. In Teilen geschieht das einige Jahre im Voraus, das bedeutet, die Einkaufsstrategie der Versorger spielt eine Rolle bei der Frage, wann und wie gestiegene Einkaufspreise an Verbraucher weitergegeben werden. Hinzu kommt, dass Preissenkungen oft nicht so schnell an Endkunden weitergegeben werden, wie Preisanstiege. Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm stellte hierzu in einem Interview mit kreiszeitung.de zuletzt fest, „da gibt es Asymmetrien“.*

Preisanstieg: Russland, Nord Stream 2 und was das Wetter mit dem Gaspreis zu tun hat

Für den Anstieg der Gaspreise spielt auch die Auseinandersetzung mit Russland um die Gaspipeline Nord Stream 2 eine Rolle, denn möglicherweise hatten auch deutsche Anbieter auf die Inbetriebnahme der Pipeline spekuliert. Zuletzt hatte die Bundesnetzagentur die Zertifizierung ausgesetzt, im Rahmen politischer Streitigkeiten steht die Pipeline aktuell zur Disposition.

Wie groß der Einfluss dieses Faktors ist, ist umstritten – klar ist dafür, dass etwa die Hälfte des Gases in Deutschland aus Russland stammt. Der russische Staatskonzern Gazprom verweist auf eingehaltene Lieferverträge, während Kritiker bemängeln, Russland würde weniger liefern als möglich, um Druck zur Inbetriebnahme der Pipeline zu erzeugen. Russland hatte zuletzt vor Verzögerungen gewarnt.

Daneben hat auch das Wetter einen Einfluss auf die steigenden Gaspreise. Extreme Wetterereignisse führten zuletzt zu einer erhöhten Nachfrage nach Erdgas. Besonders kalte Winter hatten zu Jahresbeginn für einen Sprung in der Nachfrage gesorgt. Das Problem besteht unter anderem darin, dass leere Speicher aufgrund hoher Kosten aktuell nicht mit ausreichend Erdgas gefüllt werden. Dadurch herrscht wiederum Mangel, der zu Preisanstiegen führt – ein Teufelskreis.

Preisanstieg bei Gas: CO₂-Bepreisung ist ein zusätzlicher Faktor bei steigenden Gaspreisen

Für Verbraucher kommt viel zusammen, eine Verkettung unterschiedlicher Umstände sorgt für den immensen Preisanstieg bei Gas. Ein zusätzlicher Faktor ist, dass die Energiepreiskrise zusammenfällt mit der Episode, in der die C02-Bepreisung Fuß fasst. Die CO₂-Bepreisung ist ein Hebel zum Klimaschutz und wurde 2021 in den Bereichen Wärme und Verkehr eingeführt.

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Die Bepreisung soll klimafreundliche Optionen fördern, indem sie fossile Brennstoffe unattraktiver macht. Der Preis pro Tonne CO₂ lag in diesem Jahr bei 25 Euro, steigt im folgenden Jahr auf 30 und soll bis 2025 auf mindestens 55 und maximal 65 Euro klettern. Auf diese Weise sollen Unternehmen und Verbraucher angeregt werden, klimafreundliche Investitionen zu tätigen – auch das wirkt sich negativ auf den ohnehin hohen Gaspreis aus. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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