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Für genaue Virus-Daten: Städte starten Corona-Überwachung im Abwasser

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Von: Bjarne Kommnick

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Corona lässt sich im Abwasser nachweisen. Das wollen nun einige Städte und Gemeinden für genaue Angaben über den Virusverlauf nutzen. Dafür startet ein Pilotprojekt.

Bramsche – An 20 Standorten in ganz Deutschland ist der Startschuss für die systematische Überwachung von Corona im Abwasser gefallen. Das teilten die an dem Pilotprojekt beteiligten Bundesministerien für Umwelt, Gesundheit und Forschung am Mittwoch mit. Demnach sei es möglich, Corona in Stuhl-Ausscheidungen nachzuweisen und anhand von Analysen die Verbreitung des Virus in der jeweiligen Region genau bestimmen zu können. Auch die 31.000-Einwohner-Gemeinde Bramsche im Landkreis Osnabrück ist Teil des Projektes.

Gemeinde:Bramsche
Bevölkerung:31.152
Fläche:183,3 km²
Höhe:48 m

Corona-Überwachung im Abwasser: „Eine Toilette benutzen wir alle“

Demnach könnten anhand dieser Daten auch realistische Prognosen auf die Entwicklung der Corona-Inzidenz getroffen werden. Damit könne auch die Dunkelziffer-Inzidenz von Infektionen bestimmt werden, denn derzeit ist nur derjenige Corona-positiv, der auch getestet wird. Mit der Abwasser-Analyse scheinen dann reale Inzidenzen der gesamten Bevölkerung möglich zu sein. „Aus gesundheitspolitischer Sicht hat das Monitoring das Potenzial, sich zu einem zentralen Baustein der Früherkennung und Überwachung von pandemischen Erregern weiterzuentwickeln“, erklärte Sabine Dittmar, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium.

Coronavirus - Früherkennung im Abwasser.
Abwasser-Proben sollen genaue Daten zur Corona-Verbreitung in bestimmten Regionen liefern. © Arne Dedert/dpa

„Eine Toilette benutzen wir alle, und zwar mehrmals am Tag. Viren und RNA-Schnipsel werden ausgeschieden und können durch die moderne Diagnostik detektiert werden“, so Dittmar weiter. Neben Bramsche sind unter anderem auch Bremen, Hamburg und Stuttgart Teil des Projekts. Allesamt erhalten EU-Fördergelder in Höhe von 3,7 Millionen Euro.

Denn mit dem Projekt soll herausgefunden werden, ob ein flächendeckender Einsatz der Abwasser-Analyse sinnvoll sein könnte. Kanada, Australien und die Niederlande würden diese Technik bereits nutzen. In Deutschland scheint die Umsetzung dieser Idee jedoch äußerst spät einzusetzen, immerhin könnte mittlerweile ein Datum für den sogenannten „Corona Freedom Day“ in Niedersachsen durchgesickert sein. Auch in Bremen lockert der Senat weitere Corona-Regeln, 2G im Bremer Einzelhandel soll damit Geschichte sein, zudem sollte eigentlich die Hospitalisierungsrate immer mehr zur Grundlage für Corona-Maßnahmen werden, auch wenn Gesundheitsminister immer noch fest an der Inzidenz festhält*.

Corona-Analyse: Abwassertest keine Neuheit in Deutschland

Doch auch in Deutschland ist das Projekt kein Sprung ins kalte Wasser. Neustadt an der Weinstraße habe bereits zuvor gute Erfahrungen mit Abwassertests gemacht. Nun ist die Stadt auch Teil dieses Projektes. „Wir sind schon stolz, dass wir für dieses EU-Projekt ausgewählt wurden. Neustadt an der Weinstraße kann so einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Corona-Pandemie leisten“, sagte Bürgermeister Stefan Ulrich (CDU).

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Die beteiligten Ministerien würden „große Hoffnungen“ in die Abwasser-Überwachung setzen. Auch in der EU werden viele Staaten aktiv. Sie bauen ihre Kapazität für den Einsatz dieser Methode derzeit aus, denn der Aufwand für das Sammeln der vielen Daten ist groß: Alleine die Diepholzer Kläranlage reinigt beispielsweise jeden Tag 2800 Kubikmeter Wasser. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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