Mit Bastelschere und ohne Betäubung

Arzt aus Niedersachsen soll Ehefrau auf Hochzeitsreise verstümmelt haben

 Ein gynäkologischer Stuhl steht in einem Behandlungszimmer.
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Ein Frauenarzt aus Niedersachsen soll während der Hochzeitsreise die Genitalien seiner Ehefrau verstümmelt haben. (Symbolbild)

Wegen Verstümmelung weiblicher Genitalien droht einem Niedersachsen ein Gerichtsverfahren. Der Mann soll seine Frau auf der Hochzeitsreise schwer verletzt haben.

Braunschweig/Helmstedt – Die Vorwürfe hören sich bizarr an: Einem Mann aus Niedersachsen wird vorgeworfen, dass er während der Hochzeitsreise die Genitalien seiner Ehefrau verstümmelt haben soll. Wie es in einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur heißt, soll der Mann unter Zuhilfenahme einer Bastelschere das Jungfernhäutchen der Frau entfernt haben. Das zuständige Amtsgericht Helmstedt bestätigte der dpa, dass es ein solches Verfahren gebe. Über eine Zulassung der Anklage sei aber noch keine Entscheidung getroffen worden.

Menschenrechtsorganisation:Terres des Femmes
Sitz:Hamburg
Gründung:Juli 1981
Vorstand:Godula Kosack
Mitglieder:2187

Bei einer Verurteilung droht dem Mann wegen Verstümmelung weiblicher Genitalien in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Nötigung eine Mindeststrafe von einem Jahr Freiheitsentzug.

Frauenarzt soll Genitalien seiner Ehefrau verstümmelt haben: ohne Narkose auf Hochzeitsreise im Hotel

Der Mann ist ausgebildeter Gynäkologe und soll den Eingriff während der Hochzeitsreise im Hotelzimmer der beiden vorgenommen haben. Wie es heißt, ohne jegliche Betäubung, die Frau habe starke Schmerzen bei dem Eingriff ertragen müssen. Die damals 31-jährige Frau habe die Tat aus Angst vor einer angedrohten Scheidung und einer damit verbundenen kulturellen Ächtung über sich ergehen lassen, sagte Behördensprecher Hans Christian Wolters der dpa.

Bei beiden Personen handelt es sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur um Deutsche mit Migrationshintergrund. Erst eine Strafanzeige der Frau hatte allem Anschein nach die Ermittlungen der Behörden ausgelöst. Bis jetzt schweigt der Mediziner sich zu den Vorwürfen aus.

Das Strafgesetzbuch in Deutschland sieht bei der Verstümmelung von weiblichen Genitalien eine Mindeststrafe von einem Jahr vor. Wie es vonseiten der Staatsanwaltschaft heißt, arbeite der Mann momentan in seinem Beruf weiter. Zuständig für eine mögliche Entscheidung zum Widerruf der ärztlichen Berufserlaubnis wäre der Niedersächsische Zweckverband zur Approbationserteilung (NiZzA). Eine Sprecherin dieser Behörde bestätige ebenfalls, dass ein solcher Fall dort bekannt sei. In der Regel werde aber der Ausgang eines Strafverfahrens zunächst abgewartet.

Weibliche Genitalverstümmelung

Von weiblicher Genitalverstümmelung beziehungsweise -beschneidung sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf der ganzen Welt rund 200 Mullionen Frauen und Mädchen betroffen. Allerdings geht die Wissenschaft davon aus, dass die Dunkelziffer um einiges höher liegt. Jährlich sollen so rund drei Millionen junge Frauen und Mädchen noch hinzukommen. Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes geht davon aus, dass in Deutschland rund 70.000 Betroffene leben* und gut 17.700 Mädchen gefährdet sind, diesem in Körper und Seele einschneidenden Eingriff ausgeliefert zu werden. Laut WHO entstehen so jährlich Behandlungskosten in Millionenhöhe.

Belastbare Zahlen zu Niedersachsen liegen nicht vor. Es gibt aber Grund zu der Annahme, dass auch in Niedersachsen eine erhebliche Zahl von Frauen und Mädchen betroffen ist. Anhand der jüngsten Dunkelzifferstatistik von Terre des Femmes sind folgende Schätzungen möglich:

Die Organisation geht davon aus, dass mit Stand Oktober 2020 in Niedersachsen rund 5200 betroffene Frauen und Mädchen leben. Gefährdet seien nach Angaben der Landesregierung etwa 1800 Minderjährige. Die Schätzungen beruhen auf der UNICEF-Prozentzahl der Betroffenen im Heimatland werden dann auf die Anzahl der hier lebenden Mädchen und Frauen angewandt. Dabei wird weiter nach Faktoren wie Abhängigkeit von der Familie und vermuteter Veränderung des kulturellen Wertesystems aufgrund zunehmender Integration in die Aufnahmegesellschaft differenziert.

Weibliche Genitalverstümmelung bezeichnet die teilweise oder vollständige Amputation beziehungsweise Beschädigung der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane.

Allgemein verweist die Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes schon lange darauf, dass das Jungfernhäutchen keine Membran oder dünne Haut ist, die den Scheideneingang verschließt, wie in zahlreichen Kulturen angenommen wird. Jungfräulichkeitstests wie es sie in einigen Ländern gibt, haben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) keine wissenschaftliche oder klinische Grundlage. Seit Jahren fordert die WHO daher ein Ende der „medizinisch unnötigen und oft schmerzhaften, erniedrigenden und traumatischen Praxis“. * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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