Forscher wollen im Harz riesigen Metall-Schatz bergen

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Experten vermuten große Mengen wertvoller Metalle im alten Goslarer Bergbau.

Goslar - von Matthias Brunnert. Gold, Silber und seltene Metalle: Forscher vermuten in den Rückständen des alten Goslarer Bergbaus Rohstoffe im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro. Der Schatz soll bald geborgen werden.

Es sind unscheinbare Gewässer im Harz, die sogenannten Bergeteiche am Bollrich zwischen Goslar und Oker. Doch auf ihrem Grund könnte vermutlich ein riesiger Schatz lagern: Gewaltige Mengen wertvoller Rohstoffe. Experten gehen davon aus, dass dort im Bodensatz nicht nur große Mengen Gold, Silber, Blei und Kupfer zu finden sind, sondern auch seltene Sondermetalle wie Indium, das in der Halbleiterproduktion eingesetzt wird. In dieser Woche sollen Probebohrungen beginnen, mit deren Hilfe die genaue Lage der Metalle festgestellt werden soll.

„In den Teichen liegen insgesamt sieben Millionen Tonnen Material“, sagt Daniel Goldmann, der an der Technischen Uni Clausthal einen Lehrstuhl für Rohstoffaufbereitung und Recycling hat. Es handele sich um Reste der Erzaufbereitung des vor Jahrzehnten stillgelegten Bergwerks Rammelsberg. Die Bergbau-Rückstände seien früher in die Teiche geschüttet worden, obwohl darin noch Metalle enthalten waren. Diese habe man seinerzeit nur noch nicht extrahieren können.

„Man kann davon ausgehen, dass in dem Sediment Metall im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro lagert“, meint Goldmann. „Und das ist keine Vermutung auf blauen Dunst.“

Anhand früherer Untersuchungen sei es wahrscheinlich, dass sich unter Wasser etwa 1,5 Tonnen Gold, 200 Tonnen Silber, etwa 14.000 Tonnen Kupfer sowie rund 70.000 Tonnen Blei, 100.000 Tonnen Zink und eineinhalb Millionen Tonnen Schwerspat (Baryt) befinden.

Abgesehen haben es die Forscher auch auf Sondermetalle wie Kobalt oder Gallium. Von besonderem Interesse sei dabei das äußerst seltene Indium, sagt Goldmann. Es wird in der Halbleitertechnik etwa für Plasmabildschirme oder in der Photovoltaik benötigt.

Um die Metalle zu orten, zu bergen und später aufzuarbeiten und zu nutzen, hat sich die TU Clausthal mit Firmen und Instituten der Region zu einem Verbund zusammengeschlossen. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt, das sich um die Bergung der wirtschaftsstrategischen Metalle kümmern soll, mit zwei Millionen Euro.

In der alten Kaiserstadt Goslar setzt man große Hoffnungen in das Vorhaben. „Goslar ist eine Stadt der Schätze, der Kulturschätze und natürlich insbesondere der Bodenschätze“, sagt Oberbürgermeister Oliver Junk (CDU). „Wenn es nun 30 Jahre nach dem Ende des Bergbaus in Goslar gelingt, frühere Nebenprodukte und Abfälle der damaligen Verhüttung zu nutzen, dann lebt nicht nur ein Teil dieser Tradition wieder auf. Dann entstehen auch Arbeitsplätze und wirtschaftliche Perspektiven für die ganze Harzregion.“

Bis Dezember sollen die Probebohrungen beendet sein. Anschließend werden die entnommenen Bohrkerne in der TU Clausthal untersucht. Es werde dann noch einige Jahre dauern, bis die Verfahren zur Aufbereitung des metallhaltigen Materials soweit entwickelt seien, dass der Schatz tatsächlich gehoben und aufbereitet werden könne, sagt Goldmann. Für die Aufbereitung soll eine alte Anlage am Bollrich wieder instand gesetzt werden. Der Wisenschaftler hofft, dass in der Region dadurch langfristig mehr als 300 Dauerarbeitsplätze entstehen können.

dpa

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