Corona in Deutschland

Forscher warnen vor Spaltung der Gesellschaft – Inzidenz steigt weiter

Nachdem die Corona-Fallzahlen über Weihnachten in Niedersachsen zunächst abgesunken waren, steigen sie nun wieder. Forscher sehen zudem eine Spaltung der Gesellschaft.

Braunschweig – Seit ungefähr einem Jahr ist es in Deutschland möglich, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Was anfangs als Hoffnungsschimmer in der gegenwärtigen Pandemie angesehen wurde, hat neben den unterschiedlichen Kontaktbeschränkungen maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die Gesellschaft in Deutschland zunehmend spaltet. Der wissenschaftliche Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig, Dirk Heinz, sieht Versäumnisse bei der Kommunikation im Umgang mit der Corona-Pandemie mitverantwortlich an diesem Umstand. „Wir haben den Sommer und Frühherbst ziemlich verschlafen“, sagte er gegenüber der Braunschweiger Zeitung. Zu Silvester gilt in Niedersachsen derweil ein Böllerverbot.

Deutsches Land:Niedersachsen
Fläche:47.614 km²
Bevölkerung:7,982 Millionen (2019)
Hauptstadt:Hannover

Während in Bremen inzwischen Warnstufe 3 gilt, hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) über die Feiertage und Silvester eine Weihnachtsruhe verhängt, während der schärfere Kontaktbeschränkungen gelten. Der Landeschef befürchtete wegen der Familienfeiern an Weihnachten und Silvester einen Anstieg der Omikron-Virusfälle. Über Silvester haben die Geschäfte im Einzelhandel in Niedersachsen allerdings normale Öffnungszeiten.

Heinz sieht „immer stärkere Spaltung der Gesellschaft“

Heinz‘ Ansicht nach hätten es Verantwortliche versäumt, auf die eminente Bedeutung der Booster-Impfung nach spätestens sechs Monaten hinzuweisen. „Sie ist entscheidend, gerade hinsichtlich der schweren Verläufe“, so Heinz. Doch im Sommer habe man davon kaum etwas gehört. Das Ergebnis sieht man deutlich in den Entwicklungen der vergangenen Wochen. Zur Bilanz des Jahres 2021 gehöre auch „die immer stärkere Spaltung der Gesellschaft“, die mit Händen zu greifen sei und die er inzwischen als bedrohlich ansehe, erklärte der Forscher. Inzwischen ist in Deutschland die neuartige Omikron-Variante auf dem Vormarsch.

In Niedersachsen steigt die Corona-Inzidenz leicht an. Derweil warnt ein Experte vor einer möglichen Spaltung der Gesellschaft.

Ein möglicher Ausweg: Man müsse Impfskeptikern vor Augen führen, wie wertvoll die Impfung sei, insbesondere in Hinblick auf schwerwiegende Krankheitsverläufe, Hospitalisierung, Situationen auf Intensivstation und einem möglichen Tod. „Das sind doch die Dinge, vor denen wir uns am meisten fürchten. Die Impfung kann uns davor schützen!“, sagte Heinz. Auf Bundesebene wurde derweil über die Handhabe mit einer möglichen Triage entschieden. Trotz weltweit mehr als fünf Millionen Menschen, die der Pandemie zum Opfer gefallen seien, allein in Deutschland über 100.000, machte Heinz dennoch auch Hoffnung: Aus wissenschaftlicher Sicht sei die Bilanz durchaus positiv vor dem Hintergrund, dass es mehrere wirksame Impfstoffe gebe.

Verfassungsschutz warnt vor weiterer Radikalisierung

Derweil rechnet der niedersächsische Verfassungsschutz mit einer weiteren Radikalisierung der Teilnehmer an Demonstrationen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen. „Radikale Teile der Coronaleugner sehen Gewalt als legitimes Mittel und machen staatliche Repräsentanten verächtlich“, sagte der Präsident der Landesbehörde, Bernhard Witthaut. Insbesondere Chat-Gruppen würden dabei eine Plattform zur kontinuierlichen Radikalisierung und zur Übernahme von Verschwörungstheorien und extremistischen Ideologien bieten. Auf den Demonstrationen würde sich allerdings ein gemischtes Teilnehmerfeld zeigen, eine klare politisch-ideologische Ausrichtung gebe es nicht.

Corona in Deutschland: RKI meldet steigende Inzidenz

Für Freitag, den 31. Dezember, hat das Robert Koch-Institut (RKI) eine höhere Corona-Inzidenz in Deutschland als am Vortag festgestellt. Das Institut gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche mit 214,9 an (Vortag: 207,4). Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass die Daten aufgrund der geringen Test- und Meldeaktivitäten während der Feiertage ein unvollständiges Bild der Infektionslage abgeben können. Insgesamt meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland binnen eines Tages 41.240 Neuinfektionen mit dem Coronavirus (Stand: 31. Dezember, 05:19 Uhr). Seit Pandemiebeginn wurden den Zahlen nach 7.150.422 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 registriert.

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Innerhalb von 24 Stunden wurden 323 weitere Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche lag der Wert noch bei 370 Fällen. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg damit auf 111.925. Die bundesweite Hospitalisierung lag am Donnerstag bei 3,15 (Mittwoch: 3,18). Dieser Wert gibt an, wie viele Corona-Patienten pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen in Kliniken aufgenommen werden mussten. Während ein Teil-Lockdown die Omikron-Welle stoppen soll, hält Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zur Not noch härtere Corona-Regeln bereit.

Corona in Niedersachsen: Inzidenz steigt weiter

In Niedersachsen gab es ebenfalls eine Steigerung beim Inzidenzwert: Derzeit (Stand: 31. Dezember, 00:00 Uhr) liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 157,4 (Vortag: 144,8). Wie aus dem RKI-Dashboard hervorgeht, wurden insgesamt 3135 weitere Coronafälle binnen 24 Stunden in Niedersachsen registriert. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Coronainfektion gestorben sind, stieg auf 6826 (+12). Über die Silvestertage gelten in Niedersachsen verschärfte Corona-Regeln.

Inzwischen haben in Niedersachsen sechs Landkreise sowie eine kreisfreie Stadt den Schwellenwert einer 200er-Inzidenz überschritten: Bereits seit mehreren Tagen führt der Landkreis Verden die Liste der höchsten Inzidenzen an. Im Kreis südöstlich von Bremen beträgt die Inzidenz derzeit 396,9, in Osterholz kletterte sie auf 367,2. Ebenfalls hohe Werte haben Diepholz (253,6), Vechta (224,1), Oldenburg (241,1), Harburg (260,9) und Delmenhorst (214,2). Am wenigsten stark von der Pandemie betroffen sind derzeit der Nordosten Niedersachsens sowie der Landkreis Goslar. (Mit Material der dpa) *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Clara Margais/dpa

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