Aufgetaute Überlebenskünstler

Forscher erwecken 24.000 Jahre alte Spezies zu neuem Leben

Forschern in Sibirien gelingt es, Jahrtausende alte Urzeitwesen aus Permafrostproben aufzutauen. Nun vermehren sich diese Lebewesen sogar noch.

Sibirien – Es klingt wie der Inhalt des nächsten Jurassic Park*-Films: Russische Forscher haben im Nordosten von Sibirien 24.000 Jahre alte Lebewesen gefunden – und diese wieder zum Leben erweckt. Die winzigen Mehrzeller überdauerten Jahrtausende in einer Art Starre, in der sie ihren Stoffwechsel auf ein Minimum reduziert haben.

Wissenschaftlicher Name:Rotifera
Länge:0,1 - 0,5 Millimeter
Artenvielfalt in Deutschland: 550 verschiedene Arten

Überlebenskünstler aus dem sibirischen Eis

Die sogenannten Rädertierchen sind die mit Abstand ältesten Lebewesen, die lebendig wieder aufgetaut werden konnten. Bisher sind sich die Forscher noch unsicher, wie die Organismen so lange im arktischen Eis überleben konnten. Doch wenn klar wird, wie sich die Tierchen in den Zustand der Stoffwechsel-Starre bringen, können daraus wertvolle Rückschlüsse für den Menschen gezogen werden, berichtet ntv. In den USA wurde bereits eine Methode entwickelt, mit der schwer verletzte Patienten in eine Art Kälteschlaf versetzt werden, also ein Mensch „eingefroren“ und dann wiederbelebt wird*, um ihn so vor dem Tod zu bewahren.

„Unsere Studie ist der bislang deutlichste Beweis dafür, dass mehrzellige Tiere Zehntausende von Jahren in Kryptobiose, dem Zustand eines fast vollständig zum Stillstand gekommenen Stoffwechsels, überstehen können“, erläutert der Biologe Stas Malavin vom russischen Institut für physikalisch-chemische und biologische Probleme der Bodenkunde. Gemeinsam mit einem russischen Forschungsteam berichtet er in dem Fachmagazin „Current Biology“ von der einmaligen Entdeckung der Rädertierchen.

Forscher entdecken in sibirischem Permafrostboden 24.000 Jahre alte Lebewesen - und tauen sie lebend wieder auf (Symbolbild)

Rädertierchen überstehen auch extremste Bedingungen

Die winzigen Wesen sind 0,1 bis 0,5 Millimeter lang und damit nur unter dem Mikroskop zu erkennen. Ihr Körper lässt sich grob in drei Teile gliedern: Er besteht aus einem Fuß mit Klebedrüsen, einem Rumpf und einem Kopf mit dem namensgebenden Räderorgan. Mit diesem können sich die Tiere fortbewegen und Nahrung aufnehmen. Vorzugsweise halten sich die Mini-Organismen im und am Wasser auf und ernähren sich von Algen sowie Kleinplankton.

Das in den Eisproben gefundene Rädertier entstammt der Gattung der Adineta und konnte sich nach dem Auftauen ohne einen männlichen Gegenpart fortpflanzen. Außerdem überleben die Mehrzeller extreme Trockenheit, können langen Hungerperioden trotzen und Sauerstoffmangel sowie Kälte überstehen. Kein Wunder also, dass es den winzigen Überlebenskünstlern gelungen ist, dem sibirischen Eis so lange standzuhalten.

Können bald auch Menschen eingefroren und lebendig wieder aufgetaut werden?

Aus den vermehrten Rädertierchen züchteten die Wissenschaftler eine weitere Kultur der Lebewesen, die sie eine Woche bei minus fünfzehn Grad einfroren. Solch frostige Temperaturen treten beim Wetter in Hamburg* zum Glück sehr selten auf – trotz Schietwetter! Das Wissenschafts-Team konnte auf diese Weise aber den Prozess des Einfrierens und Auftauens der Tierchen untersuchen. Die meisten Lebewesen überlebten den Ablauf – was könnte das für Säugetiere inklusive des Menschen bedeuten?

Von einem Einzeller zu einem Lebewesen mit Darm und Gehirn zu kommen, sei ein wichtiger Schritt, so der Biologe Malavin. Doch für Säugetiere und damit auch den Menschen sei es derzeit noch nicht möglich, langfristig eingefroren und anschließend lebendig wieder aufgetaut zu werden. Momentan besteht die größte Hoffnung darin, einen Ansatz für das bessere Konservieren von Zellen, Geweben und Organen durch das Einfrieren zu finden.

Wissenschaftler wollen nun auf der Suche nach anderen Organismen noch mehr Proben aus der Arktis entnehmen – auf der Suche nach einem weiteren Durchbruch. In eisiger Kälte befindet sich momentan auch das Bremerhavener Forschungsschiff Polarstern, das in der Arktis auf spannender Forschungsreise* unterwegs ist. Ob auch die norddeutschen Forscher mit so sensationellen Ergebnissen zurückkehren? *Merkur.de, tz.de, 24hamburg.de und Kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © University of Oxford/dpa

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