Flüchtlingshilfe

Fast drei Millionen Niedersachsen engagieren sich

Hannover - Sie geben Kleidung oder Essen aus und helfen im Alltag: Niedersachsen erlebt einen großen Zulauf in der Freiwilligenhilfe. Sozialministerin Rundt warnt aber vor Überlastung der Helfer.

Die Flüchtlingszuwanderung hat der ehrenamtlichen Hilfe in Niedersachsen einen neuen Schub gegeben. Fast drei Millionen Menschen sind derzeit landesweit freiwillig tätig - über 40 Prozent der Einwohner ab 14 Jahren. Dies sei ein bundesweiter Spitzenplatz, sagte die niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) zum Tag des Ehrenamtes am Samstag. Die niedersächsischen Verbände und Kirchen freuten sich über den regen Zulauf. Rundt warnte zugleich vor einer Überlastung der freiwilligen Helfer. „Es ist gerade im Bereich der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe zu erkennen, dass wir deutlich aufrüsten müssen, besonders im hauptamtlichen Bereich“, sagte die Sozialministerin.

Das Ehrenamt dürfe nicht erzwungen werden und sei als zusätzliches Engagement „das Sahnehäubchen der Gesellschaft“. In Niedersachsen werden rund 480 Millionen Stunden ehrenamtliche Arbeit pro Jahr geleistet. Die Bereitschaft für das freiwillige Engagement ist steigend. Vor allem seit den Sommermonaten gibt es einen großen Zulauf. „Die Menschen haben angesichts der Flüchtlingszahlen aus dem Impuls heraus geholfen“, sagte die Sprecherin des Landesverbandes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Kerstin Hiller. Überall, wo Notunterkünfte entstanden, seien auch ehrenamtliche Helfer gekommen. Genaue Zahlen könne sie dazu nicht nennen. „Es wechselt ja auch viel durch“, erklärte Hiller.

Die Freiwilligen helfen beim DRK als Dolmetscher oder Deutschlehrer, sortieren Kleidung oder begleiten Flüchtlinge bei Behördengängen. Die Vermutung, die Flüchtlingshilfe sorge dafür, dass andere von ehrenamtlicher Tätigkeit getragene Bereiche vernachlässigt werden, kann von Verbänden nicht bestätigt werden. Wie sich die Zahl der Ehrenamtlichen in Sportvereinen im vergangenen Jahr verändert hat, ließe sich nur schwer sagen, teilte der Landessportbund Niedersachsen auf Anfrage mit. Insgesamt verzeichnet der Verband rund 176 000 Menschen, die sich landesweit ehrenamtlich für Sportangebote einsetzen. Speziell für Flüchtlinge gibt es nach Verbandsangaben verschiedene Sportgruppen: Von Fitness über Frisbee bis Fußball bieten Ehrenamtliche Training an.

Auch in der evangelisch-lutherischen Landeskirche freut man sich über die zusätzlichen helfenden Hände. „Wir sind auf die Arbeit der Ehrenamtlichen angewiesen“, sagte Sprecher Johannes Neukirch. In der Landeskirche engagieren sich derzeit rund 115 000 Menschen. Angesichts der Zuwanderung sei die Hilfsbereitschaft groß. Die Menschen helfen in den Kleiderkammern, geben Sprachunterricht oder organisieren Treffen für den kulturellen Austausch. „Wir hoffen, dass das im kommenden Jahr anhält“, sagte Neukirch.
dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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