Flüchtlinge statt Training: Sportvereine müssen neu planen

In etliche niedersächsische Sporthallen sind Flüchtlinge eingezogen. Die Sportvereine müssen jetzt umorganisieren - für sie ist das vor allem im Winterhalbjahr eine große Herausforderung.

Die Sportvereine in niedersächsischen Städten und Gemeinden müssen neu planen - denn in viele Sporthallen sind bereits Flüchtlinge eingezogen. In Hannover sind zehn von rund 160 Sporthallen mit Flüchtlingen belegt, sagte Roland Krumlin, Geschäftsführer des Stadtsportbundes Hannover. „Im Sommer war das einfacher, jetzt im Herbst ist es eine Herausforderung“, betonte er.

Die Sporthallenverwaltung der Stadt sei in Kontakt mit den betroffenen Vereinen und versuche, Ersatzzeiten in anderen Hallen anzubieten. Doch im Winterhalbjahr sind die meisten Hallen ohnehin zu 100 Prozent ausgelastet. „Mit der Stadt gibt es aber eine Vereinbarung, große Spielhallen, in denen Wettkämpfe stattfinden, nicht mit Flüchtlingen zu belegen“, erklärte Krumlin.

Während in den Osnabrücker Sporthallen bislang keine Flüchtlinge eingezogen sind, sehen sich die Sportvereine in Braunschweig nach Lösungen um. Nach Angaben der Stadtverwaltung wird dort zurzeit eine Turnhalle als Unterkunft genutzt, zwei weitere sind für den Notfall vorgemerkt. „Mehrere Vereine haben Initiativen gestartet und versuchen, freie Kapazitäten in anderen Sporthallen zu finden“, sagte Wolfram Wehling vom Stadtsportbund Braunschweig. Aber es gebe ohnehin ein Hallendefizit, und nun komme noch der Winter hinzu. Eine Sporthalle in Braunschweig sei zudem durch Brandstiftung zerstört worden, die Situation sei schwierig. „Was mit Punktspielen, dem Ligabetrieb und dem Training wird, bleibt abzuwarten. Wir müssen das Beste daraus machen“, betonte Wehling.

„Die Lage ist mittlerweile absolut dramatisch“, sagt Marco Trips, Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes. In Niedersachsen gebe es einen Zuzug von 1000 Flüchtlingen pro Tag, das mache allein bis zumJahresende etwa 90 000 Menschen aus. Davon müssten die Städte und Gemeinden einen Großteil unterbringen. Dafür werde man auch die Turnhallen nutzen müssen. „Vom Schul- und Vereinssport wird man sich flächendeckend verabschieden können - auf unbestimmte Zeit“, sagte Trips. In den Ballungsräumen seien derzeit schon viele Turnhallen belegt.

Die Ständige Konferenz der Landessportbünde will sich auf einem Treffen an diesem Wochenende mit der Flüchtlingsthematik befassen. „Mehrere Landessportbünde haben Anträge eingereicht“, sagte Michael Schirp, Sprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Der Sport dränge darauf, dass für Flüchtlinge dauerhafte Lösungen gefunden werden.

Bereits imSeptember hatte der DOSB in einer Erklärung mitgeteilt, dass „Sportvereine auf zeitgemäße und funktionale Sporträume in angemessenem Umfang angewiesen sind“. Dabei zeigten Vereine immer wieder ihre Bereitschaft zusammenzurücken, wenn einzelne Sporthallen anderweitig belegt werden müssen. Doch Sporträume seien wichtige und unverzichtbare Begegnungsstätten für die einheimische Bevölkerung und zugleich Integrationsräume für Flüchtlinge. Im Übrigen seien Sporthallen aus humanitären Gründen als mittel- oder langfristige Massenunterkünfte ungeeignet.

dpa

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