Großes Thema ist der Befall mit Läusen und Krätze, Infektionen und Tuberkulose

Flüchtlinge, Ärzte, Sanitäter - der Kampf gegen das Chaos

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Gerhard Bojara führt in Bramsche die Eingangsuntersuchung an dem kurdischen Kriegsflüchtling Mohamad (r) durch.

Bramsche - Von Elmar Stephan. Gerhard Bojara eilt die Metalltreppe zu einer mobilen Medizinstation hoch. Überall um ihn herum sind Menschen: Alte, Junge, Kinder. Es liegt ein ständiges Stimmengewirr in der Luft, mal mischt sich ein Kinderlachen hinein, mal ein Fahrradklingeln.

Bojara ist der Chef des Gesundheitsdienstes für die Stadt und den Landkreis Osnabrück. Seit gut zwei Wochen kümmern er und seine Behörde sich um die medizinische Betreuung der Menschen, die in die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes nach Bramsche-Hesepe kommen. Das Lager ist für 600 Menschen konzipiert. Derzeit müssen hier gut 4000 Menschen aus verschiedenen Ländern und verschiedenen Religionen miteinander leben. Die genaue Zahl kennt niemand.

Vor und neben dem fahrbaren Container stehen Zelte, kleine und große. Ein Gartenzelt dient als eine Art Dach für eine Art Wartezimmer. Vielleicht zehn Menschen sitzen darin auf Bierzeltbänken und warten, bis sie drankommen für ihre Eingangsuntersuchung. Wenn ein kräftiger Windstoß kommt, droht das kleine Zelt weggeweht zu werden. Ein Mann springt herbei und hält es fest. „Es ist für unsere Mitarbeiter eigentlich kaum zumutbar, in Zelten zu arbeiten“, sagt Bojara. Heute sei das Wetter halbwegs trocken, aber gestern habe es stark geregnet. „Es ist kalt, es ist zugig, das ist eigentlich nur noch eine kurze Zeit möglich.“ Der Arzt hofft auf weitere Container der Bundeswehr und mehr Räumlichkeiten.

Das Innenministerium kam vor zwei Wochen auf den Landkreis mit der Bitte zu, bei der medizinischen Betreuung der Flüchtlinge zu helfen und die Johanniter-Unfallhilfe zu unterstützen, berichtet Bojara. „Seitdem bin ich fast rund um die Uhr hier“, sagt der Arzt.

In der Theorie müssten alle neuangekommenen Flüchtlinge möglichst schnell nach ihrer Ankunft untersucht werden. Ein großes Thema ist der Befall mit Läusen und Krätze, Infektionen und Tuberkulose. Die Ärzte müssen auch den Impfstatus für Krankheiten wie Masern, Windpocken oder Röteln prüfen. „Diese Krankheiten können sich bei den Nicht-Immunen rasend schnell ausbreiten“, sagt Bojara.

In der Praxis sind durch die große Zahl an Menschen große Rückstände bei den Untersuchungen entstanden. Die Aufnahmebehörde kommt mit der Registrierung der Menschen kaum hinterher. „Nur diejenigen, die registriert und erfasst sind, werden zu uns geschickt“, erklärt der Arzt. Das könne durchaus zehn Wochen dauern.

Szenenwechsel, vor dem Lager: Eine junge syrische Familie mit zwei kleinen Kindern ist vergangene Woche angekommen. Vorher waren sie in Meerbusch und Dortmund untergebracht. „My husband“, sagt die Frau und deutet auf ihren Mann. Der schiebt sein Hosenbein hoch. „War“, sagt er, er ist im Krieg verletzt worden. Es sei kalt in Deutschland, die Decken seien zu dünn. Sie haben keine Ahnung, wie es weitergehen soll mit ihnen. Waren sie schon beim Arzt? „Rendezvous two months“, sagt die Frau - einen Untersuchungstermin gebe es erst in zwei Monaten.

Für Kranke sei es kein Problem, den Doktor zu sehen, sagt Bojara zu diesem Fall. Das habe mit den Erstuntersuchungen nichts zu tun. „Zu den Johannitern kann jeder kommen, der krank ist.“ Es habe einen Engpass gegeben, räumt er ein. Aber dank des Engagements des Landkreises sei der beseitigt.

Der Landkreis sucht ehrenamtliche Ärzte, Zahnärzte und Hebammen für werdende Mütter. „In den letzten zwei Wochen hat sich die Versorgung ganz erheblich verbessert“, versichert Bojara. Eigentlich muss er die Arbeit seiner Kollegen organisieren. Aber in seiner grünen Ärztekleidung wird er immer wieder in den Behandlungscontainer gerufen. Gerade hat er ein Kind untersucht, das unter Bauchschmerzen klagt. „Sieht ganz nach Blinddarm aus“, sagt er. Der Krankenwagen bringt es ins Krankenhaus. dpa

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