Goldenstedt: Jogger findet 20-Kilo-Exemplar und informiert die Polizei

Fliegerbombe im Moor entdeckt und gesprengt

Explosion im Moor: Am Dienstagmittag sprengten Experten einen Blindgänger bei Goldenstedt. - Fotos: Niehues

Goldenstedt - Von Matthias Niehues und Yvonne Nuxoll. Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes haben am Dienstagmittag eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg im Dreiecksmoor bei Goldenstedt gezielt zur Explosion gebracht.

Das gefährliche Kriegsüberbleibsel hatte ein Jogger, der abseits von Wegen quer durchs Moor gelaufen war, der Polizei am Montag gemeldet. Fachleute aus Hannover identifizierten das auf dem Moorboden offen herumliegende Exemplar als englische Sprengbombe vom Typ GP 40 LB. Obwohl das Eisengehäuse stark angerostet war, funktionierte der Zünder noch.

Die Kampfmittelexperten bohrten ein 1,50 Meter tiefes Loch in den weichen Moorboden, um darin eine kontrollierte Sprengung durchzuführen. Hierfür setzten sie am Sicherungsstift des Blindgängers einen Sprengsatz an, der ferngesteuert gezündet wurde.

Das Gelände wurde von der Polizei abgesperrt, Moorabbau in der Umgebung musste auf Weisung der Beamten eingestellt werden. Um 12.25 Uhr lösten die beiden Kampfmittelbeseitiger den Sprengsatz aus 320 Metern Entfernung aus, um so die Selbstdetonation der Bombe herbeizuführen.

Die explodierte in die Höhe und riss viel Torf mit. Bombensplitter wurden durch das tiefe Loch aufgefangen. Im Boden entstand ein Krater mit einem Durchmesser von rund 3,50 Metern. Mit Bomben dieser Art wurden damals auch Start- und Landebahnen unbrauchbar gemacht. Britische Bomber griffen 1942 auch den Fliegerhorst in Vechta an.

Bernd Wübbeler (94) aus der Goldenstedter Bauerschaft Arkeburg ist einer der noch wenigen lebenden Zeitzeugen, er war während des Zweiten Weltkrieges als Waffenmeister eingesetzt. „Hier war die Einflugschneise der Alliierten“, berichtet er. Die britischen Bomber seien über das Moor Richtung Hannover, Magdeburg und Berlin geflogen. „Außerdem war hier der Verteiler“, weiß er. Die Flugverbände hätten sich hier aufgeteilt, einige seien Richtung Dresden abgebogen, andere nördlicher. Auf dem Fliegerhorst in Vechta seien Nachtjäger vom Typ Messerschmitt Bf 110, Dornier Do 217 und Junkers Ju 88C stationiert gewesen, die die Bomber aufhalten sollten. „Dann kam es bei den Briten zum Notabwurf“, sagt er. Bomben seien abgeworfen worden, um das Flugzeuggewicht zu reduzieren und schneller flüchten zu können.

Wübbeler kann sich noch an Krater in der Nähe des heutigen Hauses im Moor erinnern. Und auch daran, dass es im Moor einen Scheinflughafen gab, um die Bomber, die es auf Vechta abgesehen hatten, nachts in die Irre zu führen. Angelegt wurde er Anfang 1940 und unter dem Decknamen „Boot D 4“ betrieben.

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