Fipronil in Lebensmitteln

Eier-Skandal: Das ist der Stand der Dinge

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Hannover - Seit gut anderthalb Wochen beschäftigt sich die Öffentlichkeit in Deutschland mit dem Skandal um Fipronil-Eier. Vieles ist noch unklar.

Was ist mit dem für den Verzehr gedachten Geflügelfleisch?

Nach Expertenangaben ist das Fleisch von Mastgeflügel höchstwahrscheinlich nicht mit Fipronil belastet. Legehennen sind keine Masttiere und in der Regel nicht für den Menschen bestimmt. Das in den Legeställen verwendete Mittel, das Fipronil enthielt, wurde wegen der Roten Vogelmilbe eingesetzt, die die Legehennen befällt. Das Problem hängt vor allem mit der langen Zeitspanne zusammen, die Legehennen in den Ställen verbringen - bis zu anderthalb Jahre. 

Die Mastdurchgänge sind deutlich kürzer: Masthähnchen stehen zwischen 28 und 42 Tage im Stall. Das Milbenproblem stellt sich nach Angaben der Geflügelwirtschaft damit nicht - das Anti-Milben-Mittel Dega-16 werde daher nicht in den Mastbetrieben eingesetzt. Auch die belgische Lebensmittelsicherheitsbehörde richtet ihr Augenmerk vor allem auf Legehennenbetriebe. Bislang sind nur in einem einzigen Mast - oder Zuchtbetrieb in Belgien nach ihren Angaben Fipronil-Tests positiv ausgefallen.

In wie vielen Betrieben wurde Fipronil nachgewiesen?

In den Niederlanden sind bislang 138 Betriebe bekannt geworden, die das mit Fipronil kontaminierte Mittel Dega-16 benutzt haben. In Deutschland sind es fünf Betriebe in Niedersachsen: Vier Hühnerfarmen in den Landkreisen Grafschaft Bentheim und Leer, eine Junghennenaufzucht im Emsland. Alle Betriebe liegen in der Nähe der niederländischen Grenze. Dazu kommt eine Postfachadresse, die letztlich wieder in die Niederlande führt. Die Hintergründe dazu sind noch nicht aufgeklärt.

Wie ist der Stand in Belgien?

Die Staatsanwaltschaft Antwerpen ermittelt wegen Betrugs - schließlich wurde einem erlaubten Insektengift mutmaßlich der dafür verbotene Zusatzstoff Fipronil beigemischt. Zu Details will sich die Behörde bis Mitte August nicht äußern. Ein erster Verdachtsfall wurde der Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK am 2. Juni bekannt. Die Meldung an das europäische Schnellwarnsystem erfolgte aber erst am 20. Juli. In einem von Agrarminister Denis Ducarme angeforderten Bericht soll die FASNK nun unter anderem erläutern, warum es so lange dauerte bis zur Warnmeldung. Aktuell sind 51 Geflügelhöfe in Belgien gesperrt. Aufrufe an Verbraucher, Eier bestimmter Chargen wegzuwerfen, gab es nicht, weil die gemessenen Fipronil-Werte unterhalb der Schwelle liegen, die die EU für Gesundheitsgefahren ansetzt.

Wie funktioniert der Informationsaustausch unter den EU-Staaten?

Wenn ein Land ernste Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit Lebens- oder Futtermitteln feststellt, gibt es diese Informationen weiter an das so genannte Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel. Mit dabei sind alle 28 EU-Staaten sowie Norwegen, Liechtenstein, Island und teilweise auch die Schweiz. Die nationalen Behörden entscheiden dann, ob sie Produkte zurückhalten, vom Markt nehmen oder Verbraucher warnen. Die Brüsseler EU-Kommission betreibt diese elektronische Plattform.

Was passiert mit den Hennen in den Ställen?

Was mit den gut 125.000 Hennen in den betroffenen und gesperrten deutschen Betrieben passieren soll, weiß noch keiner. Die Landwirte hoffen, dass die Tiere das Fipronil wieder abbauen und wieder unbelastete Eier legen. Diese könnten unter Umständen wieder vermarktet werden. Nach Angaben des niederländischen Bauernverbandes LTO müssen in den kommenden Tagen mindestens eine Million Hühner in etwa 150 Geflügelbetrieben getötet werden. Bis jetzt seien bereits „mehrere Hunderttausend“ Hühner getötet worden. Wie viele Tiere tatsächlich getötet werden müssten, sei noch unklar. Ob auch in Deutschland am Ende Hennen wegen des Fipronil-Skandals getötet werden sollen, steht noch nicht fest.

Was macht die Justiz in Deutschland?

In Niedersachsen führt die Staatsanwaltschaft Oldenburg Ermittlungsverfahren gegen die Landwirte, die das Mittel verwendet haben sollen. Auch wenn sie möglicherweise nicht gewusst hätten, dass das eigentlich harmlose Mittel Dega-16 mit Fipronil kontaminiert war, hätten sie dennoch unerlaubterweise mit dem Insektizid belastete Eier verkauft, so die Staatsanwaltschaft. Damit könne der Straftatbestand des § 58 Lebensmitte- und Futtergesetzbuches (LFGB) erfüllt sein. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob Vorsatz oder Fahrlässigkeit im Spiel war.

Sinken wegen des Skandals die Eier-Preise in den Geschäften?

Nein, sagt Margit Beck von der Marktinfo Eier und Geflügel in Bonn. „Der Handel hat sich in festen Lieferbedingungen mit Eiern versorgt und feste Verträge für ein Jahr geschlossen.“ Wegen des Sommers sei die Nachfrage nach Eiern momentan ohnehin etwas geringer. Weil derzeit niederländische Eier in Deutschland nicht mehr verkauft werden, seien die Preise im Großhandel jüngst gestiegen. Aber Prognosen seien schwer: „Der Markt ist so unübersichtlich, wie ich es in zwanzig Jahren noch nicht erlebt habe.“

Was sagt die Politik?

Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) hält den Skandal für überwunden. Umfangreiche Untersuchungen von Eiproben und Produkten hätten ergeben, dass über vier ermittelte Betriebe hinaus keine weiteren Eierproduzenten in Niedersachsen von dem Skandal betroffen seien, sagte Meyer am Dienstag in Hannover. „Das ist glaube ich ein gutes Zeichen.“ Alle Proben von außerhalb der betroffenen Betriebe seien negativ gewesen.

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) forderte, das Insektizid Fipronil wegen seiner unbekannten Langzeitwirkung vom Markt zu nehmen. Die Risikoanalyse müsse verschärft werden. „Ich bin der Meinung, dass der Stoff vom Markt genommen werden soll.“

Agrarminister Meyer bemängelte ein unzulängliches Krisenmanagement des Bundeslandwirtschaftsministeriums sowie das Vorgehen der belgischen Behörden. „Die Belgier hätten uns informell informieren können, das wäre sehr hilfreich gewesen.“ Dann hätte es nicht die hohe Zahl belasteter Eier gegeben. „Ich erwarte, dass man das Schnellwarnsystem der EU überprüft.“

dpa

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