Deutsche Segler aus Seenot geborgen

Wie im Film: US-Retter bekommen Medaille für spektakuläre Hilfsaktion

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Die US-Luftwaffe-Soldaten Commander Kurt Matthews (l), Senior Master Sergeant George Taylor Junior (2.v.l), Chief Master Sergeant Randolph Wells (M), Technical Sergeant Patrick Englishby (2.v.r) und Master Sergeant Joel Corbett (r) mit den geretteten Karl-Heinz Meer (3.v.r) und seinem gleichnamigen Sohn (3.v.l).

Hamburg/Bremerhaven/Miami - Von Janet Binder. 7. Juli 2017, 800 Kilometer vor der US-Küste: Eine Jacht brennt, zwei deutsche Segler steigen auf eine Rettungsinsel um. Es startet eine filmreife Rettungsaktion der US-Luftwaffe. Am Freitag wurden die Soldaten in Hamburg ausgezeichnet. Und wie geht es den Seglern heute?

Es ist ruhige See. Karl-Heinz Meer (67) und sein Sohn wollen im Juli 2017 eine in Panama gebraucht gekaufte Jacht über den Atlantik nach Bremerhaven überführen. Ans Segeln ist wegen Flaute nicht zu denken, deshalb startet der Vater den Motor. „Nach einer Viertelstunde machte der komische Geräusche", erinnert sich der 67-Jährige. Sein Sohn will nachschauen, was los ist. Als er die Luke öffnet, gibt es eine Explosion. Der 48-Jährige wird durch den Druck umgeworfen, er ist kurz bewusstlos, seine Beine sind großflächig verbrannt. Es schwebt in Lebensgefahr. 

Was folgt, ist eine filmreife, spektakuläre Rettung durch eine Einheit der US-Luftwaffe. Für ihren Einsatz 800 Kilometer vor der US-Küste sind die Beteiligten am Freitag in Hamburg von den deutschen Seenotrettern ausgezeichnet worden. Stellvertretend nahmen Kommandant Kurt Matthews, Master Sergeant Isabelle Kliergraham und fünf weitere Soldaten die Rettungsmedaille in Gold der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger entgegen. „Was sie geleistet haben, ist unglaublich", betont Vorstand Gerhard Harder. Wenn er daran denke, laufe ihm heute noch ein Schauer über den Rücken. 

Fallschirmspringer springen über dem Ozean ab

Vater und Sohn können damals in eine Rettungsinsel umsteigen, während die Jacht brennt und dann sinkt. Notrufe werden abgesetzt, sowohl nach Bremerhaven als auch zur US-Küstenwache in Miami. Wegen der großen Entfernung vom Festland wird die US-Luftwaffe um Unterstützung gebeten. Die Air Force schickt zwei Flugzeuge, fünf Fallschirmspringer springen mit einem Schlauchboot über dem Ozean ab und holen die Schiffbrüchigen aus ihrer Rettungsinsel. 

Rund neun Stunden müssen Vater und Sohn bis zu diesem Moment in der Rettungsbake verharren. „Das war schon eine harte Sache", sagt Meer Senior. Wann Hilfe naht, wissen die beiden nicht, weil der Akku ihres Satellitentelefons leer ist. Der Sohn schreit vor Schmerzen, als der Schock nachlässt, und der Vater versehentlich gegen die Wunde kommt. Was sie nicht wissen: Ein Tanker wird an die Unglücksstelle umgeleitet; Flugzeuge und Hubschrauber der Air Force sind ebenfalls unterwegs. „Als das Signal vom Tanker kam, ist mein Sohn aufgesprungen, trotz seiner Verletzung", erinnert sich Meer Senior. So groß war die Erleichterung. 

„Gebetet, dass alles gut ausgeht"

Im Flugzeug der US-Luftwaffe sitzt derweil die in die USA ausgewanderte Deutsche Kliergraham. Sie ist als Übersetzerin auf den Einsatz mitgekommen. „Als ich aus dem Fenster gucke, sehe ich, wie ein Wal eine Fontäne ausgestoßen hat", sagt sie. „Ich habe nur gebetet, dass alles gut ausgeht." 

Das wird es. Die Geretteten werden per Boot zum Tanker gebracht. Von dort aus fliegen die Air Force-Hubschrauber die Deutschen nach Florida ins Krankenhaus. Die Helikopter werden zwei Mal in der Luft vom Flugzeug aus nachgetankt. 

Kliergraham sagt, sie sei selbst beeindruckt davon, mit welcher Schnelligkeit, Präzision und Hilfsbereitsschaft die Amerikaner gehandelt hätten. „Ohne zu zögern", betont sie. Kommandant Matthews betonte, wie stolz er auf sein Team sei. Zwei Wochen später können Vater und Sohn zurück nach Deutschland. 

„Es war ein einschneidendes Ereignis"

Während der Feierstunde im Maritimen Museum bedanken sich die beiden am Freitag noch einmal persönlich bei ihren Helfern. „Es war ein einschneidendes Ereignis", sagt Meer Junior, der im Münsterland lebt. Sein Vater wohnt in Bremerhaven, er erzählt sichtlich bewegt, wie sein bisheriges Leben an ihm vorbeizog, als er in der Boje saß. 

Der Senior kämpft seelisch noch mit dem Erlebten, manchmal bekommt er Panikattacken, berichtet er. Diese Woche aber sei er das erste Mal wieder bei seinem alten Boot gewesen, um aufzuräumen. Seit fast 40 Jahren segelt er. Sobald das Wetter gut ist, will er nach Helgoland, mit seinem Sohn. „Es ist wohl nicht schlecht, wenn wir das zusammen machen", sagt Meer Junior. 

Seine Beine sind gut verheilt. Er war gerade in Düsseldorf auf der „boot". Zusammen mit seiner Frau ist er wieder auf der Suche nach einem Schiff. Denn auch künftig will die Familie auf den Wassersport nicht verzichten: „Der Name ist Programm", sagt Meer Junior. - dpa

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