Idee birgt Gefahren

FFP2-Maskenpflicht in Niedersachsen und Bremen? Wann kommt der Berechtigungsschein?

In Bayern gilt seit Montag eine FFP2-Maskenpflicht für den öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel. Niedersachsen und Bremen haben unterschiedliche Meinungen. Das Verschicken der Voucher könnte sich verzögern.

  • Seit Montag herrscht FFP2-Maskenpflicht in Bayern.
  • Niedersachsen und Bremen halten sich noch zurück.
  • Experten sehen Probleme beim Tragen einer FFP2-Maske.

Update vom 14. Januar: Zum Schutz vor dem Coronavirus hat die Bundesregierung die Verteilung von kostenlosen und vergünstigten FFP2-Masken an alle Bürger aus Risikogruppen beschlossen. Die Ausgabe der FFP2-Masken an mehrere Millionen Menschen in so kurzer Zeit ist eine logistische Herausforderung. Abgeholt werden können die zweimal sechs Masken in der Apotheke gegen Vorlage eines Berechtigungsscheine (Voucher). Pro Maske wird ein Eigenanteil von zwei Euro fällig.

Um einen Missbrauch möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, übernimmt die Bundesdruckerei die Produktion. Die Berechtigungsscheine (Voucher) sind auf Spezialpapier gedruckt und weisen fälschungssichere Merkmale auf. Die Voucher werden an die Krankenkassen geschickt und die verteilen sie an die Versicherten. Laut verschiedener Medien könnte es beim Verschicken Verzögerungen geben.

FFP2-Maskenpflicht in Niedersachsen und Bremen?

Die Peiner Nachrichten berichten: „Obwohl die Zustellung der Gutscheine bereits für Anfang Januar angekündigt worden war, rechnen Quellen „Der Welt“ damit, dass ein Großteil der Voucher erst an diesem Wochenende bei berechtigten Personen ankommen wird. Hinzu kommt, dass nicht alle Voucher mit einem Mal verschickt werden. Stattdessen staffeln die Krankenkassen den Versand nach Reihenfolge des Alters: ab 75, ab 70, ab 60.“

Dass sich die Zustellung der Gutscheine tatsächlich weit nach hinten verzögern könnte, darauf deutet auch eine Pressemitteilung der AOK Plus hin, die am 6. Januar veröffentlicht wurde. Darin wird auch der Bereichsleiter Kampagnenmanagement, Jan Günther, zitiert: „Wir warten jetzt täglich auf die Lieferung der Berechtigungsscheine aus der Bundesdruckerei.“ AOK Plus bittet Versicherte um Geduld. Sobald die Gutscheine bei der Krankenkasse ankämen, könne der Versand beginnen.

Meldung vom 13. Januar: Das Kabinett in Bayern hatte am Dienstag beschlossen, dass Menschen im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel ab kommenden Montag sogenannte FFP2-Masken tragen müssen. Der gängige Mund-Nasen-Schutz - oftmals selbstgenäht - kann Experten zufolge andere Menschen schützen, FFP2-Masken schützen auch den Träger selbst.

LandNiedersachsen
Bevölkerung7,982 Millionen
HauptstadtHannover
MinisterpräsidentStephan Weil (SPD)

„Wir konnten die besonders gefährdete Zielgruppe bereits erreichen“, so Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde bei buten un binnen. In Bremen wurden im November und Dezember FFP2-Masken an Bremer über 60 Jahre kostenlos verteilt, auch Menschen aus Risikogruppen haben in Apotheken drei Masken bekommen. Für Behördensprecher Fuhrmann ist klar, dass so eine Regelung nicht nur Vorteile habe. „Ein Nachteil wäre die Verknappung auf dem Markt, da FFP2-Masken im medizinischen Bereich benötigt werden.“ 

In Niedersachsen stößt der Vorschlag aus Bayern eher auf Skepsis. „Niedersachsen würde eine Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske nur dann erwägen, wenn wirklich sichergestellt ist, dass alle Menschen einen kostenlosen Zugang zu einer solchen Maske hätten“, erklärte Regierungssprecherin Anke Pörksen in Hannover. „Ansonsten würden Teile der Bevölkerung ausgeschlossen vom lebensnotwendigen Besuch eines Supermarktes oder einer Bäckerei, so Pörksen. Gleiches gelte dann auch für die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Besuch einer Arztpraxis oder der Apotheke. Niedersachsen setzt daher weiter auf Alltagsmasken.

FFP2-Masken schützen im Vergleich zu Alltagsmasken besser vor dem Coronavirus.

Ebenfalls auf Ablehnung der niedersächsischen Landesregierung stießen Äußerungen des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) zu einer möglichen Impfpflicht für Beschäftigte in Alten- und Pflegeheimen. „Die Diskussion über einen Impfzwang für bestimmte Berufsgruppen bringt uns keinen Schritt weiter, sie ist sogar schädlich“, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). „Viele Menschen sind bereit, sich impfen zu lassen, immer mehr auch und gerade in den Alten- und Pflegeheimen.“

FFP2-Maske muss dicht abschließen

Auch eine FFP2-Maske schütze nur, wenn sie korrekt angelegt und verwendet werde, betonte Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Sie müsse dicht abschließen, die Außenfläche dürfe auch beim Ablegen nicht berührt werden. Korrekt verwendet biete eine solche Maske anders als die einfachen Einweg- und Baumwollmasken viel Eigenschutz. „Ich kann mich selbst schützen und bin weniger darauf angewiesen, dass die Menschen in meiner Umgebung sich richtig verhalten.“

FFP2-Masken böten einen nachweislich besseren Eigenschutz als die einfache chirurgische Mund-Nasen-Bedeckung, erklärte Gérard Krause vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig. Zudem scheine die Bandbreite bei der Qualität einfacher Mund-Nasen-Bedeckungen sehr variabel zu sein - und die Art, diese zu tragen, oft nicht adäquat. „Bei FFP2-Masken scheinen diese beiden Schwierigkeiten nicht so ausgeprägt, sodass auch deswegen eine bessere Wirksamkeit zu erwarten ist.“

Es gibt aber auch skeptische Stimmen zur FFP2-Pflicht. „Ich glaube nicht, dass das einen großen Unterschied macht“, sagte Johannes Knobloch, Leiter des Bereichs Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Im schlimmsten Fall kann sich die Lage sogar verschlechtern, weil sich die Leute geschützter fühlen und weniger vorsichtig sind.“

Es bedürfe bei einer FFP2-Maske großer Expertise, sie komme aus dem Arbeitsschutz und sei nicht für Laien gedacht. „Wenn sie nicht absolut dicht aufgesetzt wird, wirkt sie nicht besser als eine einfache Einwegmaske“, so Johannes Knobloch. Der Atemwiderstand sei bei den dichteren FFP2-Masken größer als bei den einfachen Kunststoff- oder selbstgenähten Stoffmasken. „Durch eine Stoffmaske atme ich immer zumindest zum Teil hindurch, aber wenn bei einer FFP2-Maske irgendwo am Gesicht eine kleine Lücke bleibt, geht fast alle Luft dort hindurch - und mit ihr das Coronavirus.“

Rubriklistenbild: © Christin Klose

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