Nicole Varnhorn leidet unter einer Angststörung

Ein fester Job ist ihr größter Wunsch

Nicole Varnhorn sucht einen Praktikumsplatz – sie leidet unter einer Angststörung. - Foto: Nuxoll

Lutten - Von Yvonne Nuxoll. Seit ihrem 14. Lebensjahr kämpft die 35-jährige Nicole Varnhorn gegen ihre Angststörung. Nach vielen Rückschlägen hofft sie auf eine Chance.

„Ein Arbeitgeber, der mich nimmt, wie ich bin, mich aber nicht in Watte packt.“ Das ist der größte Wunsch, den Nicole Varnhorn hat. Was für viele normal klingt, heißt im Fall der Lutterin: Ein Arbeitgeber, der sie trotz ihrer Angststörung einstellt, unter der sie seit ihrem 14. Lebensjahr leidet. Momentan ist sie in der Region auf der Suche nach einem Praktikumsplatz im kaufmännischen Bereich.

Im Februar soll es starten und drei Monate dauern. Bislang hat sie aber nur Absagen erhalten. Viele Unternehmen haben keine freien Plätze, sagt sie.

Sie befürchtet aber auch, dass die vielen Lücken in ihrem Lebenslauf ein Grund für die Absagen sein könnten. Zudem hat vieles bei ihr mehr Zeit in Anspruch genommen als bei anderen: Realschulabschluss mit 20, Ausbildungsende mit 25. Das lag daran, dass die 35-Jährige immer wieder schwierige Phasen in ihrem Leben durchgemacht hat.

Alles fing an, als Nicole Varnhorn von der vierten Klasse der Don-Bosco-Schule Lutten in die fünfte Klasse der Ludgerus-Schule Vechta wechselte. Anfangs sei nur das Busfahren unangenehmen gewesen. Mit der Enge sei sie nicht gut klargekommen. Weil sie irgendwann gar nicht mehr in die Schule wollte, suchten sich ihre Eltern Peter und Agatha Varnhorn professionelle Hilfe, die sie unter anderem in der Kinder- und Jugendklinik in Neuenkirchen-Vörden fanden. Der Aufenthalt, bei dem die Angststörung diagnostiziert wurde, war nur der erste von zahlreichen weiteren Aufenthalten in Facheinrichtungen. Doch nirgendwo konnte Nicole Varnhorn dauerhaft geholfen werden.

„Zu Hause war meine Festung“, sagt sie. Auch von Selbstmord habe sie damals gesprochen. „Das Paradoxe war: Ich mochte nicht raus, wusste aber, dass ich Hilfe brauchte.“ Die fand sie im Juli 1999 im St. Annen-Stift in Twistringen, wo sie „langsam aus meinem Schneckenhaus gelockt“ worden sei.

Wieder Klinik, wieder kämpfen für den Weg zurück in die Normalität

Nach ihrem Aufenthalt dort machte sie ihren Realschulabschluss an der Marienschule in Goldenstedt. Doch der nächste Rückschlag ließ nicht lange auf sich warten. Wieder Klinik, wieder kämpfen für den Weg zurück in die Normalität. Mithilfe des Arbeitsamtes bekam Nicole Varnhorn 2003 einen Platz im Berufsbildungswerk Neckargemünd bei Heidelberg. Dort absolvierte sie ihre Ausbildung zur Industriekauffrau. Vor allem anfangs sei sie beflügelt gewesen. „Ich hatte einen Weg vor mir“, sagt sie. Nach ihrer Ausbildung blieb sie zunächst in Heidelberg, gründete eine WG mit ihrer Freundin und fand Arbeit. Eine Anstellung im Supermarkt wurde ihr aber „auf Dauer zu viel“, unter anderem wegen unregelmäßiger Arbeitszeiten. Auch die Beziehung zu ihrem damaligen Freund ging in die Brüche – und dann fiel sie „ins Loch rein“. Auch aus diesem schaffte sie es heraus und sammelte in einer Hypnosetherapie neues Selbstvertrauen. Eine Zeit lang lief alles gut – etwa als der Landkreis Vechta sie 2011 einstellte –, dann wieder nicht.

Schließlich wurde Nicole Varnhorn im November 2012 für zwei Jahre befristet berentet. Damit wollte sie sich nicht abfinden. In einer beruflich-medizinischen Reha-Maßnahme in Warstein wurde sie als eingeschränkt arbeitsfähig eingestuft. Schichtarbeit soll sie ebenso meiden wie Positionen mit viel Verantwortung.

Seit Juli bereitet Nicole Varnhorn sich im Berufstrainingszentrum in Bremen auf den Arbeitsalltag vor. Montag startet sie ein Praktikum bei einer Bremer Spedition. Gerne würde sie aber wieder in die Heimat zurückkehren. „Ich komme immer besser klar“, sagt sie, aber „ich kann niemandem versprechen, dass es nicht schief geht.“ Ihre Idealvorstellung ist es, nach einem Praktikum in eine feste Anstellung zu kommen. Vorerst wäre sie über einen Praktikumsplatz glücklich. „Ich möchte nicht für den Rest meines Lebens gar nichts machen.“

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