Reha kann helfen

Fast jeder zweite hat Long Covid – die Folgen sind lange spürbar

Eine Infektion mit dem Coronavirus kann zu schweren gesundheitlichen Langzeitfolgen führen: dem Long Covid. Eine Reha kann helfen.

Um Coronainfektionen abzumildern, sollte man sich impfen lassen. Wer schwer erkrankt kommt ins Krankenhaus. Doch inzwischen rückt eine weitere Disziplin in den Vordergrund: Die Nachsorge von Personen mit Post- oder Long-Covid-Erkarnkung. Long-Covid-Kranke sind nach aktuellen Erfahrungen aus der Reha mit ganz unterschiedlichen gravierenden Symptomen konfrontiert. „Dabei gibt es bei Weitem nicht nur ein Krankheitsbild – in unseren Einrichtungen haben wir es mit einer ganzen Menge verschiedener Symptome zu tun“, sagte die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach.

VirusCoronavirus, Covid-19
KrankheitserregerSARS-CoV-2
Erster bekannter Fall1.12.2019
Möglicher UrsprungWuhan (China)

Long COVID: Langzeitfolgen von COVID-19

„Wir merken verstärkt, dass die Menschen nicht nur aktuell an Covid-19 erkranken, sondern viele später das Post- oder Long-Covid-Syndrom entwickeln“, sagte Roßbach. „Viele Patientinnen und Patienten müssen erst realisieren, dass es sich um Long Covid handelt.“ Der Krankheitsverlauf wird grob in drei Bereiche eingeteilt: Akute Infektion, Post Covid (ab dritten bis sechsten Monat) und Long Covid (ab sechsten Monat). So die Definition der Mainzer Universitätsmedizin. Es gibt auch viele (wissenschaftliche) Beiträge, die die Definition genau andersherum machen und auch die Zeiträume anders festlegen.

Nach einer im Dezember veröffentlichten Studie der Mainzer Universitätsmedizin haben rund 40 Prozent der Corona-Infizierten mehr als ein halbes Jahr später noch Symptome, also Long Covid. Es trifft demnach auch Infizierte mit milden oder asymptomatischen Verläufen. Das Alter spielt eine eher untergeordnete Rolle. Long Covid ist über alle Altersbereiche relativ gleichmäßig verteilt. In der Studie wurden 25- bis 88-Jährige untersucht. Frauen sind allerdings häufiger betroffen als Männer.

Long-Covid-Kranke sind nach aktuellen Erfahrungen aus der Reha mit unterschiedlichen Symptomen konfrontiert.

Gundula Roßbach sagte: „Die Beschwerden sind unspezifisch – darunter Herzprobleme, Konzentrationsprobleme, Luftnot, Angststörungen, Depression oder chronische Müdigkeit.“ Manche Betroffene seien aus ihrem Berufsleben herausgerissen. Manche könnten sich teils Monate nach der eigentlichen Erkrankung nicht mehr konzentrieren und zum Beispiel Texte nicht mehr verstehen.

Auffällig in der Studie ist, dass es anscheinend einen Unterschied macht, ob man wusste, dass man infiziert ist oder nicht. Wer wissentlich an Corona erkrankte, klagte über Müdigkeit (12,6 Prozent), Geruchs- und Geschmacksstörungen (12,2 Prozent) und Gedächtnisstörungen (9,2 Prozent). Personen, die nicht wussten, dass sie sich infiziert hatten, klagten über Schlafstörungen (10,5 Prozent), Müdigkeit (8,9 Prozent) und Gelenkschmerzen oder -schwellungen (6,8 Prozent).

Long Covid: Erfahrungswerte fehlen für Reha

Je nach Symptom kämen Reha-Kliniken etwa speziell für Kardiologie, Neurologie oder Psychosomatik infrage. „Vielfach betreten wir hier Neuland, weil fundierte Erfahrungswerte bislang fehlen“, sagte Roßbach. „Aber wir helfen bei der Erforschung mit, und wir merken, dass die Rehabilitation der Rentenversicherung mit all ihren Instrumenten den Menschen bei Long Covid hilft.“

Nach rund 10.000 Fällen im vergangenen Jahr erwartet Roßbach einen weiter steigenden Anteil. Angesichts von fast einer Million Reha-Leistungen im Jahr handele es sich aber nicht um eine beunruhigende Größenordnung. Wenn die Krankheit bei Unfallversicherung oder Berufsgenossenschaft als Berufskrankheit anerkannt sei, könnten auch dort Kapazitäten genutzt werden.

Roßbach berichtete, dass die Rentenversicherung derzeit auch private Reha-Kliniken mit mehreren hundert Millionen Euro im Jahr unterstützt. „Dadurch können wir die Reha-Landschaft in der Corona-Zeit stabilisieren und konsolidieren.“ Die Unterstützung laufe nach aktuellem Stand bis März.

Leitlinie für Long Covid

Seit Juli 2021 gibt es die Leitlinie „S1-Leitlinie Post-Covid/Long-Covid“. Veröffentlicht hat sie die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (DGP) in Kooperation mit weiteren Fachgesell­schaften. Im Ärzteblatt heißt es dazu: Betont wird, dass es sich dabei um einen klinisch-praktischen Leitfaden handelt.

Auch außerhalb von Kliniken gibt die Leitlinie Empfehlungen ab. In einem ersten Schritt wird der behandelnde Arzt bei Verdacht auf Post- oder Long Covid ein Anamnesegespräch führen. Auch ein Fragebogen kann laut Leitlinie zum Einsatz kommen. „Für eine spezifische Therapie gibt es bislang noch keine wissenschaftlich belastbaren Belege“, heißt es weiter.

Die AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) hat auf ihrer Website eine Leitlinie “Long-/Post-COVID-Syndrom“ für Betroffene, Angehörige, nahestehende und pflegende Personen veröffentlicht. Auch Fragen wie „Kann Covid-19 eine bestehende Herzerkrankung verschlimmern?“, „Wann ist Long-Covid eine Berufserkrankung?“ oder „Haarausfall? Und jetzt?“ werden im Leitfaden ausführlich behandelt. Sie ist mit 43 Seiten umfänglich, aber auch für (medizinische) Laien verständlich und wird in unregelmäßigen Abständen angepasst. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Carolin Eckenfels/dpa

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