Durchsuchungen in Niedersachsen und Bremen

„Falsche Polizisten“: Polizei nimmt Betrügerbande fest 

+
Die Betrüger behaupteten am Telefon zum Beispiel, dass die Opfer von Einbrechern bedroht würden.

Hameln/Bremen - Die Polizei hat bei einer groß angelegten Aktion in Niedersachsen und Bremen eine überregional agierende Bande falscher Polizisten ausgehoben.

Bei zahlreichen Durchsuchungen am Dienstag in Hameln, Bad Münder und Bremen seien drei Verdächtige festgenommen worden, teilte die Staatsanwaltschaft Hannover mit. Dabei seien viele Beweismittel sichergestellt und in Hameln drei mit Haftbefehl gesuchte Männer festgenommen worden, berichtete die Staatsanwaltschaft Hannover. Gegen acht weitere Personen werde ermittelt, sagte Sprecher Thomas Klinge. Die Inhaftierten sind nach Angaben der Polizei 22, 28 und 33 Jahre alt. Einer der Männer sei in Deutschland geboren, die beiden anderen in Syrien.

Die Bande steht im Verdacht, in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern im großen Stil Bargeld und Wertgegenstände erbeutet zu haben. „Opfer waren zumeist ältere Menschen“, sagte Oberstaatsanwalt Klinge. „Ihnen wurde von den angeblichen Polizisten am Telefon vorgegaukelt, dass Einbrüche drohen und ihr Geld zu Hause nicht sicher sei. Deshalb würden Beamte vorbeikommen und alles abholen.“ Die Betroffenen hätten dann vielfach in gutem Glauben Geld und Wertgegenstände vor die Tür gelegt, berichtete Klinge. Wie hoch der Schaden ist, den die Bande angerichtet hat, war aber noch nicht klar.

So büßte Ende Mai ein älteres Ehepaar aus dem Weserbergland rund 130.000 Euro ein. Die Betrüger hatten den Eheleuten am Telefon erzählt, ihr Geld wäre bei der Bank wegen eines angeblich korrupten Mitarbeiters nicht mehr sicher.  Eine 69-Jährige aus Hildesheim wurde um 40.000 Euro, ein Sparbuch und mehrere Goldbarren gebracht. Und ein Rentner aus Hemmingen bei Hannover wurde so um fast 100.000 Euro betrogen. Knapp die Hälfte davon überwies der Mann auf ein Konto in der Türkei.

Wie die Polizei am Dienstagnachmittag mitteilte, wäre am Montag fast eine 79-jährige Hildesheimerin auf einen solchen Betrug hereingefallen. Bei ihr hatte sich ein „Herr Weber“ von der Polizei gemeldet und gesagt, dass sie ihr Geld von einer Bank holen solle. Die Rentnerin wollte einen mittleren fünfstelligen Betrag abheben. Nur weil Bankmitarbeiter misstrauisch wurden und die echte Polizei einschalteten, wurde die Geldübergabe verhindert.

Die Betrüger schlugen in 50 Fällen erfolgreich zu

Nach Angaben des niedersächsischen Landeskriminalamts (LKA) waren falsche Polizisten in Niedersachsen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres rund 50-mal erfolgreich. Dabei erbeuteten sie insgesamt rund zwei Millionen Euro. Im vergangenen Jahr gab es rund 110 vollendete Betrügereien. Der Schaden lag bei 2,5 Millionen Euro.  Die Gesamtzahl der betrügerischen Telefonanrufe durch angebliche Polizisten werde nicht erfasst, sagte eine LKA-Sprecherin. Ermittler gehen davon aus, dass es Tausende sind.  

In Bremen nahm die Zahl der versuchten und zum Teil erfolgreichen Betrügereien durch falsche Polizisten zuletzt stark zu. Im ersten Halbjahr 2018 wurden mehr als 700 entsprechende Delikte registriert, fast genauso viele wie im gesamten Jahr 2017. Ende August waren in Bremen zwei falsche Polizisten festgenommen worden.

Der Polizeiaktion gegen die falschen Beamten am Dienstagmorgen waren verdeckte Ermittlungen vorausgegangen. Die Beschuldigten gehören laut Staatsanwaltschaft der mittleren und unteren Ebene der streng hierarchisch strukturierten Bande an. Sie sollen als sogenannte Logistiker fungiert haben, die die Betrügereien in Deutschland organisieren. 

Die Drahtzieher der Bande zu fassen, sei dagegen kaum möglich. „Sie sitzen in der Türkei“, sagte Klinge. Von dort kämen auch die meisten Telefonanrufe. Um glaubhafter zu wirken, manipulierten die Täter die Rufnummern, so dass bei den Opfern die Amtsnummern örtlicher Polizeidienststellen im Display des Telefons erscheinen. „Teilweise benutzen die Betrüger auch die Namen tatsächlich existierender Polizisten“, sagte der Oberstaatsanwalt.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

May warnt vor Putsch im Brexit-Streit

May warnt vor Putsch im Brexit-Streit

SCT-Ball in Twistringen

SCT-Ball in Twistringen

Revierübergreifende Treibjagd im Kreis Rotenburg

Revierübergreifende Treibjagd im Kreis Rotenburg

Unfall mit vier Verletzten auf B440

Unfall mit vier Verletzten auf B440

Meistgelesene Artikel

Zufallsbekanntschaft? 16-Jährige starb durch „massive Gewalteinwirkung“

Zufallsbekanntschaft? 16-Jährige starb durch „massive Gewalteinwirkung“

Vor Insel Borkum: Zwei Schiffe krachen in der Nordsee ineinander

Vor Insel Borkum: Zwei Schiffe krachen in der Nordsee ineinander

Meyer-Werft kann ihre Schiffe nicht rechtzeitig liefern

Meyer-Werft kann ihre Schiffe nicht rechtzeitig liefern

39-Jähriger stirbt nach Messerattacke in Hannover

39-Jähriger stirbt nach Messerattacke in Hannover

Kommentare