City-Rad, E-Bike oder Pedelec

Engpass bei Fahrrädern bleibt: Die Gründe für leere Regale

Sonnenschein = Zeit für eine Radtour – auch im Winter. Wer spontan ein neues Fahrrad oder E-Bike kaufen möchte, muss mit langen Lieferzeiten rechnen.

Corona und ein mit einem Containerschiff verstopfter Suezkanal haben in vielen Branchen den Slogan „Just in Time“ zum Bumerang werden lassen. Fehlende Kleinstteile haben komplexe Produktionsabläufe lahmgelegt. Dies betrifft neben der Auto- auch die Fahrradindustrie. Denn ein modernes E-Bike hat über 1000 Einzelteile. Monatelange Wartezeiten sind inzwischen normal. Eine Entspannung ist laut Prognose des Zweirad-Industrie-Verbandes erst Ende 2022 in Sicht.

Fahrradbestand 2020 deutschlandweit79,1 Millionen
Fahrradbestand 2005 deutschlandweit67 Millionen
Verkauf 2020mehr als 5 Millionen
Verkauf E-Bikes 20201,95 Millionen

Fahrrad sofort lieferbar wird häufig gesucht

Wer also ein bestimmtes Fahrrad-Modell mit einer bestimmten Ausstattung haben möchte, sollte frühzeitig ein Fachgeschäft aufsuchen. „Das Qualitätsniveau bei Rädern aus dem Fachhandel ist insgesamt wirklich sehr hoch, da kann man praktisch keinen Unfug mehr kaufen“, sagt David Koßmann vom Pressedienst Fahrrad (pd-f).

Dem Kauf vorausgehen jedoch sollte immer eine umfassende Beratung. „Ein guter Händler fragt erst einmal, was dem Kunden wichtig ist und auch, in welchem Preissegment sich das neue Fahrrad bewegen soll“, sagt Sebastian Böhm vom Fachmagazin Aktiv Radfahren. Ein gutes City-Rad beispielsweise gebe es bereits ab rund 700 Euro. Es sei aber auch möglich, mehrere Tausend Euro für diesen Fahrrad-Typ auszugeben.

Fahrradfahren boomt seit Jahren

Fahrradfahren boomt und dies nicht erst seit Corona. Seit Jahren eilen die Absatzzahlen für E-Bikes von einem Rekord zum nächsten. Im ersten Halbjahr 2021 wurden deutschlandweit 1,2 Millionen davon verkauft (plus 9,1 Prozent), wie der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) mitteilte. Wären mehr Räder verfügbar gewesen, hätten laut ZIV auch mehr verkauft werden können. Doch die Hersteller kommen kaum hinterher. Eine weitere treibende Kraft war das Dienstrad-Leasing. Laut Bundesverbands Zukunft Fahrrad (BVZF) seien fast 90 Prozent der geleasten Räder mit Elektroantrieb.

Schuld ist nicht nur die hohe Nachfrage an sich, sondern auch durch die Pandemie gestörte Lieferketten, Rohstoffmangel und Werksschließungen. Viele Anbauteile, die in Asien produziert werden, sind knapp und Bestände ausverkauft. Das hat nicht nur die Hersteller unter Stress gesetzt, sondern auch die Betreiber von Fahrradläden und Werkstätten, die ihren Aufträgen teilweise gar nicht mehr hinterherkamen.

Ob zur Schule oder Arbeit: Das Fahrrad wird als Fortbewegungsmittel immer beliebter.

Neben langen Wartezeiten müssen sich die Pedalritter auf eine Preiserhöhung einstellen. Experten schätzen den Preisanstieg auf 15 bis 25 Prozent. Als Gründe werden die angespannte Lage bei Rohstoffen wie Stahl oder Aluminium sowie generell von Komponenten und Teilen genannt. Dazu kommen noch höhere Logistikkosten, beispielsweise sind Schiffscontainer teurer geworden.

Preisanstieg bei Fahrrädern 2022 erwartet

Wer nicht aus das neuste Modell warten will, nimmt das, was im Laden steht. Denn die Lager von Produzenten und Händlern wurden leergekauft. Heißt auch: Ein Nachbestellen ist nicht möglich und die Rabattaktionen im Herbst gibt es auch nicht mehr. Viele Händler bieten dem Kunden aber verbilligte Servicepakte oder Zubehör an. Nachfragen lohne sich immer: Ein Fahrradhelm oder Fahrradschloss etwa entspreche einem Nachlass von einigen Prozentpunkten.

Ein Fahrrad sollte wenigstens einmal im Jahr gewartet werden

 Sebastian Böhm, Fachmagazin Aktiv Radfahren

Wer also Geld sparen will, geht ins Internet. Problematisch kann dieser Kauf sein. „Sicherlich gibt es inzwischen ganz gute Größen-Finder im Internet und auch Beratungstermine können online gebucht werden, allerdings ersetzte das alles nicht den echten Kontakt mit dem Fahrrad“, sagt Sebastian Böhm vom Fachmagazin Aktiv Radfahren. Es bleibt auch die Frage nach dem späteren Service offen. „Ein Fahrrad sollte wenigstens einmal im Jahr gewartet werden. Wer sein Rad online kauft, dem fehlt dieser Händler-Kontakt.“ Dazu gehört auch das Reinigen der Fahrradkette.

Wer trotzdem nicht auf den Online-Kauf verzichten will, sollte prüfen, ob das Internetgeschäft eventuell Kooperationspartner im stationären Handel hat. Es gibt Direktversender, die für den Service mit niedergelassenen Händlern zusammenarbeiten. Andernfalls kann es auch durchaus passieren, dass das Fachgeschäft die Annahme des online gekauften Fahrrads ablehnt. (Mit Material der dpa)  * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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