Im Watt festgefahren

Fähre mit 280 Menschen an Bord freigeschleppt

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Nordseefähre MS Frisia II

Harlesiel - Weil ihre Fähre sich im Nordsee-Watt festgefahren hatte, mussten 280 Passagiere stundenlang an Bord der MS „Harlingerland" ausharren. Sie hatten sich auf eine 45-minütige Überfahrt von Wangerooge aufs Festland eingestellt, daraus wurden mehr als neun Stunden.

Die Ursache werde derzeit geklärt, teilte die Deutsche Bahn am Dienstag mit. Ein Faktor sei sicherlich das extreme Niedrigwasser von 50 Zentimetern gewesen.

Nachdem das Schiff am Montagnachmittag im Watt auf Grund gelaufen war, versuchten zunächst die Seenotretter vergeblich, es wieder freizubekommen. Ein krankes Kind wurde mit seinem Vater von den Rettern zurück zur Insel gebracht, die anderen Fahrgäste mussten an Bord der Fähre bleiben.

Ihnen blieb nichts anderes übrig, als die Flut abzuwarten. Zwischen den ostfriesischen Inseln und dem Festland setzen sich immer wieder Fähren fest, wenn der Wasserstand niedriger ist als vorhergesagt oder der Wind ungünstig steht und das Wasser aus der Fahrrinne drückt.

Kurz vor Mitternacht habe die MS „Harlingerland" wieder aus eigener Kraft fahren können, berichtete Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Um 00.35 Uhr erreichte das Schiff schließlich seinen Zielhafen Harlesiel. Viele Fahrgäste nahmen den unfreiwilligen Aufenthalt im Watt locker. Die Fähre sei sicherlich nicht mit Absicht auf Grund gelaufen, meinte ein Urlauber nach der Ankunft. Andere beschwerten sich allerdings, es habe an Bord zu wenig zu essen und zu trinken gegeben.

Vorräte an Bockwürsten und Kaltgetränken erschöpft

„Für Fahrgäste wurde das bestehende gesamte Angebot im Bordbistro kostenfrei angeboten", sagte dazu der Bahnsprecher. „Dieses wurde regelrecht gestürmt." Die gesamten Vorräte etwa an Bockwürsten und Kaltgetränken waren demzufolge gegen 19 Uhr erschöpft. Es könnten nicht mehr Vorräte für solche Notfälle gelagert werden, erläuterte der Sprecher.

Die Passagiere mussten zudem im Dunkeln sitzen. Der Notstrom wurde aktiviert, um auch für längere Zeit die Grundversorgung wie Sicherheitsleuchten zu gewährleisten.

Den strapazierten Fahrgästen wurde aus Kulanz eine Hotelübernachtung angeboten, was Meyer-Lovis zufolge 19 der 280 Passagiere in Anspruch nahmen. Für eine Entschädigung gelten die Fahrgastrechte Schifffahrt.

Das passiere etwa fünf bis zehn Mal im Jahr, sagte der Sprecher der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, Christian Stipeldey. In der Regel zieht das für die Fahrgäste aber nur eine mehrstündige Zwangspause auf See nach sich. 2016 habe es schon mehr Fälle als sonst im Schnitt gegeben, sagte Stipeldey.

dpa

Dieser Artikel wurde am 19. Oktober um 15.40 Uhr aktualisiert. 

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