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Fachwerkhaus kaufen: Hausbau nach alter Tradition im Trend

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Von: Andree Wächter

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Sie sind teilweise über 500 Jahre alt: Fachwerkhäuser. In Niedersachsen werden jährlich 100 bis 130 neue gebaut. Es gibt ein reines Fachwerk-Wohngebiet.

Sehnde - In vielen niedersächsischen Städten schmücken traditionelle Fachwerkhäuser die Ortskerne. Zu nennen sind Celle, Einbeck, Duderstadt und Lüneburg. Liebhaber dieser Bauweise kommen auf dem niedersächsischen Teil der Deutschen Fachwerkstraße auf ihre Kosten. Neben alten Häusern erleben Fachwerkhäuser eine Renaissance. In der Nähe von Sehnde gibt es ein Baugebiet, ausschließlich für Fachwerkhäuser. Auch außerhalb des Baugebiets bauen Familien wieder nach der alten Tradition oder bauen alte Fachwerkhäuser wieder auf.

Fachwerkhaus kaufen: Es gibt sogar ein Fachwerkhaus-Wohngebiet

Anzahl Fachwerkhäuser in Quedlinburg1300
Celle500
Duderstadt600
Hannoversch Münden700

Charakteristisch für Fachwerkhäuser sind ihre sichtbaren, dicken Holzbalken und die spitzen Dächer. Die Balken verlaufen waagerecht, senkrecht und diagonal sowie die meist durch ein Stroh-Lehm-Gemisch, Ziegel- oder Backsteine ausgefüllten Zwischenräume. Die Naturmaterialien verleihen den Bauwerken einen einzigartigen Charakter und strahlen Ruhe und Ursprünglichkeit aus, heißt es auf der Seite Reiseland-Niedersachsen.de.

Bei den heute gebauten Fachwerkhäusern steht im dicken Balken über der Haustür „Anno 2021“. So wie bei Familie Merz. Im Frühjahr 2022 hat das Ehepaar ihr neu gebautes Fachwerkhaus bezogen. Es steht in Rethmar, einem Ortsteil von Sehnde in der Region Hannover. Für Thiemo Merz war schon immer klar: „Wenn‘s irgendwie geht, möchte ich Fachwerk bauen.“

Denise und Thiemo Merz stehen vor ihrem neuen Fachwerkhaus in einem Neubaugebiet in Sehnde-Rethmar in der Region Hannover.
Denise und Thiemo Merz stehen vor ihrem neuen Fachwerkhaus in einem Neubaugebiet in Sehnde-Rethmar in der Region Hannover. © Julian Stratenschulte/dpa

Das Grundstück des Ehepaars ist Teil eines besonderen Bauprojekts. In dem kleinen Neubaugebiet dürfen ausschließlich Fachwerkhäuser gebaut werden. „Es ist sicherlich eine seltene Idee, die nicht kommerziell getrieben ist“, sagt Jens von Wackerbarth, Verkäufer der Grundstücke und Projektentwickler. Seine Familie besitzt das Schloss Rethmar. Dazu gehören mehrere historische Gebäude und eine ehemalige Pferdekoppel, auf der nun die 15 Fachwerkhäuser gebaut werden.

Viele hätten der Idee vom Fachwerkdorf zu Beginn skeptisch gegenüber gestanden, sagt von Wackerbarth. Der 57-Jährige hielt dagegen: „Es ging nicht ums Geschäft, sondern da ging‘s wirklich um Gestaltung, um Ortsgestaltung.“ Die Nachfrage sei groß gewesen, er hätte doppelt so viele Grundstücke verkaufen können.

Hausbau: Bis zu 200 neue Fachwerkhäuser in Deutschland

Jedes Jahr entstehen in Deutschland bis zu 200 Fachwerkneubauten. Etwa zwei Drittel davon werden in Niedersachsen gebaut, wie Manfred Gerner, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte, berichtet. Einen Fachwerk-Trend gebe es aber nicht. „Die wesentlichen Hinderungsgründe sind die Bauvorschriften, insbesondere die Bauvorschriften zur Brandsicherheit.“

Thiemo und Denise Merz sind von ihrem neuen Eigenheim begeistert. „Es hat so einen gewissen Charme“, sagt die 28-Jährige. Nach rund sieben Monaten Bauzeit zog das Paar im März in das fertige Haus ein. Ein Schriftzug mit den Worten „Lebe, liebe, lache und sei glücklich“ ist in den Holzbalken oberhalb der Eingangstür eingelassen. Das Fachwerkgerüst besteht aus hellem Eichenholz und ist mit hellbraunen und beigefarbenen Klinkern ausgemauert. Der Innenbereich – also unter anderem die Deckenbalken und der Dachstuhl – ist aus Nadelholz.

Es war direkt so ein Ankommen irgendwie

Denise Merz, Fachwerkhaus-Besitzerin

Das Ehepaar fühlt sich auf den 210 Quadratmetern Wohnfläche wohl. „Es war direkt so ein Ankommen irgendwie“, schwärmt Denise Merz. Unter den Hausbesitzern sei bereits eine Gemeinschaft entstanden – das Fachwerk verbinde. In einer Chat-Gruppe tausche man sich regelmäßig aus und denke bereits über einen kleinen Weihnachtsmarkt oder ein Straßenfest nach.

Fachwerk gilt als besonders langlebig. Gerner zufolge sind die meisten Fachwerke in Deutschland mehr als 500 Jahre alt. Die ältesten noch bestehenden seien sogar Mitte des 13. Jahrhunderts gebaut worden. „Wenn sie gepflegt werden, dann können sie auch gut 1000 Jahre alt werden.“ Rund 2,5 Millionen historische Fachwerkgebäude gibt es seinem Verband zufolge noch in Deutschland.

Frank Töllner und seine Kollegen sorgen dafür, dass es jährlich ein paar Häuser mehr werden. Der Zimmermann ist einer der Geschäftsführer der auf Fachwerkbau spezialisierten „Fuhrberger Zimmerei“, die in Rethmar für die Errichtung von vier Häusern verantwortlich ist. „Unser Fuhrberger Fachwerk ist ein selbst tragendes Fachwerk und immer ein Unikat. Wir verwenden kein tragendes Mauerwerk, keine Betonringanker, keine kalten Stahlbetondecken“, sagt er.

Viele alte Eichenbalken konnten erhalten werden. Das Fachwerkhaus kann saniert werden.
Viele alte Eichenbalken konnten erhalten werden. Das Fachwerkhaus kann saniert werden. © Niemann

Neben dem Fachwerkbau seien auch jede einzelne Zapfenverbindung, jeder Nagel aus Holz. Für ein Haus mit einer Wohnfläche von 160 Quadratmetern benötige man rund 50 bis 60 Kubikmeter Holz. Der Bau für ein schlüsselfertiges Gebäude dieser Größe koste etwa 489.000 Euro.

Der Bau von Holzhäusern und Tinyhouse ist laut Töllner besonders nachhaltig, da zum Beispiel weniger Energie verbraucht werde, um die Baustoffe herzustellen. Vor allem für junge Familien, die bauen möchten, sei das ein überzeugendes Argument. Viele Kunden schätzten aber vor allem das Exklusive und Zeitlose am Fachwerk. „Unsere Bauten sind nicht von der Stange“, sagt der 49-Jährige. Trotzdem sei ihr Gewerk immer noch eine Nische. Pro Jahr baue Fuhrberger 20 bis 25 Fachwerkhäuser.

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