Der große Unterschied: 1,5 Grad

Extreme Wetter-Prognose: Mehr Hitzewellen, Waldbrände und Überschwemmungen

Ein Kind, das 2021 geboren wird, wird mehr Überschwemmungen, Hitzewellen und Waldbrände erleben als die Großeltern. Lösungen sind möglich für das extreme Wetter.

Brüssel - Ein Sommer ohne viel Regen, aber mit tagelangen Temperaturen über 30 Grad. Oder starke Regenfälle wie kürzlich in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Die Meldungen über Extremwetter nehmen deutlich zu. Zu dem gefühlten Klimawandel liefern Wissenschaftler nun Zahlen und klare Handlungsempfehlungen.

1876–1879 Dürre in China13 Mio. Tote
1980 Hitzewelle USAmind. 1.265 Tote
5.–11. Januar 2010 Kältewelle Englandüber 100 Tote
2021 Hochwasser Rhein/Ruhrmind. 181 Tote

Ein 2021 geborenes Kind wird in seinem Leben aufgrund des Klimawandels im Schnitt viel mehr Extremwetter erleben als ein 1960 geborener Erdenbürger durchmachen muss. Das geht aus einer Studie eines internationalen Wissenschaftlerteams hervor, die in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht wurde.

Extremes Wetter: Doppelt so viel Waldbrände, dreimal so viele Überschwemmungen und siebenmal so viele Hitzewellen

Konkret heißt dies: In seiner Lebenszeit werden die 2021 Geborenen laut einer Prognose doppelt so viele Waldbrände, dreimal so viele Überschwemmungen und Ernteausfälle, siebenmal so viele Hitzewellen erleben. Dies Szenario beruht auf Modellrechnungen, in dem die Länder ihre derzeitigen Strategien zur Reduzierung von Treibhausgasen beibehalten. Das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen könne einen großen Unterschied machen. Zur Bundestagswahl hatte die CDU dafür extra Wiebke Winter ins Wahlkampfteam geholt.

Hochwasser wie im Sommer an der Ahr könnte häufiger auftreten.

Die Wissenschaftler des Science-Magazins legten vorhandene Daten zu globalen Temperaturverläufen und Projektionen für Extremwetterereignisse mit Bevölkerungsdaten und Lebenserwartungszahlen übereinander. Dabei betrachteten sie unterschiedliche Szenarien, was die Erhöhung der weltweiten Durchschnittstemperatur angeht.

Hitzewellen und weitere extrem Wetterphänomene explodieren geradezu

Ein Beispiel: Eine 1960 geborene Person erlebt der Rechnung zufolge im Schnitt etwa zwei bis sechs Hitzewellen. In die Lebenszeit eines 2020 geborenes Kindes fallen dagegen durchschnittlich 10 bis 26 Hitzewellen, wenn der globale Temperaturanstieg auf 1,5 Grad begrenzt wird. 15 bis 29 Hitzewellen sind es bei einem Anstieg von 2 Grad – und 21 bis 39 Hitzewellen, wenn die derzeitigen Klimastrategien der Regierungen beibehalten werden. Die Fridy-for-future-Bewegung weist regelmäßig auf den Temperaturanstieg hin.

Ein bisher nie dagewesenes Leben

Wim Thiery von der Freien Universität Brüssel

Einen Anstieg gibt es demnach auch bei anderen Extremwetterereignissen, zum Beispiel Waldbränden. Menschen, die heute jünger als 40 Jahre sind, würden „ein bisher nie dagewesenes Leben“ führen, was Dürren, Hitzewellen, Überschwemmungen und Ernteausfälle angehe, sagte Hauptautor Wim Thiery von der Freien Universität Brüssel. Die Ergebnisse zeigten eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit der jungen Generationen und legten drastische Emissionsreduzierungen nahe.

Extremes Wetter: Anstiege vor allem im Nahen Osten und Nordafrika

Besonders stark wird der Anstieg von Extremwetter-Ereignissen demnach für derzeit junge Menschen im Nahen Osten und in Nordafrika. Grundsätzlich werden junge Generationen in Ländern mit geringem Durchschnittseinkommen laut der Prognose stärker betroffen sein als in reicheren Ländern. Zwischen 2016 und 2020 im Afrika südlich der Sahara geborene Kinder werden fünfeinhalb bis sechsmal mehr Extremwetter erleben. Aber auch Europa wird es demnach treffen: Hier werden für heutige Kleinkinder etwa viermal mehr Extremwetter-Ereignisse prognostiziert.

Extremes Wetter: Deutschland ist zu klein

Die Zahlen auf Deutschland herunterzubrechen ist laut den Studienautoren schwierig. Belastbar seien die Durchschnittswerte, wenn man sie auf kontinentaler Ebene oder für sehr große Länder betrachte.

„Die gute Nachricht ist: Wir können tatsächlich einen Großteil der Klimabelastung von den Schultern unserer Kinder nehmen, wenn wir die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzen, indem wir aus der Nutzung fossiler Brennstoffe aussteigen“, sagte Mitautorin Katja Frieler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Global könne das für die junge Generation 24 Prozent weniger Extremwetterereignisse bedeuten, als wenn die Staaten bei ihren derzeitigen Zusagen zur Emissionsreduzierung bleiben. Für Europa wäre es ein Minus von 28 Prozent.

Klima: Was ist Extremwetter?

Extremwetter ist kein meteorologischer Begriff. Das Phänomen beschreibt vielmehr ein außerordentliches Wetterereignis – sintflutartiger Regenfall, ein schweres Gewitter, Dürre, Sturm, ein Tornado, extremer Schneefall, Glätte, eine orkanartige Windböe – das statistisch selten in seiner Wiederkehr, Größe und/oder Dauer ist. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa/Archivbild

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