"Das ist ein riesengroßes Rätsel"

Experte glaubt nicht an vierte RAF-Generation

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Der Rechtsanwalt und RAF-Experte, Butz Peters in seiner Kanzlei in Dresden (Sachsen).

Stuhr / Dresden - Julia Naue. Die Rote Armee Fraktion ist Geschichte - heißt es. Jetzt führen die Spuren eines Raubüberfalls auf einen Geldtransporter zu drei Ex-RAF-Terroristen. Droht nun neue politische Gewalt? Der RAF-Experte Butz Peters im Interview.

Nach dem Raubüberfall auf einen Geldtransporter in Niedersachsen führen die Spuren zu früheren Mitgliedern der linken Terrorgruppe Rote Armee Fraktion (RAF). Die genetischen Fingerabdrücke von Daniela Klette, Ernst-Volker Wilhelm Staub und Burkhard Garweg wurden gesichert. RAF-Experte Butz Peters glaubt aber nicht, dass nun neue politisch motivierte Anschläge bevorstehen.

Was hat dieser Raubüberfall zu bedeuten? 

Butz Peters: Früher vor Anschlägen gab es immer eine Beschaffungsphase. Da hat die RAF Banken überfallen, konspirative Wohnungen angemietet, sich Autos beschafft für die Anschläge. Als typisches Vorlaufverhalten für politische Anschläge dürfte dieser Raubüberfall jetzt so gut wie ausgeschlossen sein. Also, dass jetzt eine vierte Generation losmarschieren will, glaube ich nicht.

Also ging es bei dem Raubüberfall in erster Linie um Geld? 

Peters: Es dürfte so eine Art Altersvorsorge gewesen sein. Es gab ja 1999 den Überfall in Duisburg - von der Ausführung her ganz ähnlich wie auch jetzt, mit großkalibrigen Schusswaffen. Alles deutete damals darauf hin, dass es sich um eine Art Altersvorsorge für mindestens drei ehemalige RAF-Mitglieder handelte. Wer viele Jahre im Untergrund gelebt hat, der kann halt in keine Rentenversicherung einzahlen oder sich Ähnliches aufbauen. Und wenn sie davon ausgehen, dass die Beute bei dem Überfall damals etwas über eine Million Deutsche Mark war - dann ist das heute aufgebraucht, wenn da mehrere Leute von leben wollen.

Wie leben denn die untergetauchten Ex-Terroristen? 

Peters: Das ist ein riesengroßes Rätsel - praktisch das größte Rätsel, das die dritte Generation der RAF hinterlassen hat. Das sind die, die 1984 in den Untergrund gegangen sind und 1998 ihre Auflösung erklärt haben. Von ihnen hat man ja praktisch überhaupt nichts gefunden. Keine konspirative Wohnung, ganz, ganz wenige Autos nur - also man weiß nicht, wie diese dritte Generation gelebt hat. Wie Klette, Staub und Garweg jetzt leben und sich die Waffen beschafft haben, kann ich auch nicht genau sagen. Aber es war nie ein Problem für RAF-Mitglieder, an scharfe Waffen heranzukommen. Einiges wurde mit gefälschten Papieren besonders gern in der Schweiz gekauft, auch anderes stammt aus dem Ausland. Und auch Überfälle auf Waffengeschäfte hat es nicht wenige gegeben.

ZUR PERSON: Butz Peters (57) ist Rechtsanwalt und Journalist. Er hat mehrere Bücher zur Geschichte der RAF veröffentlicht.

dpa

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