Der Experimental-Archäologe Chris Pallasch mogelt hin und wieder auch mal

Im Gespräch mit der Steinzeit

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Chris Pallasch trägt Steinzeit-Kleidung und versucht, sich so wie die Menschen damals zu verhalten, was ihm häufig gelingt.

Niedersachsen - Von Ove Bornholt. AlbersdorfNiedersachsen - Von Ove Bornholt. Bei meiner unangekündigten Ankunft im Camp – Menschen, die in der Steinzeit leben, kann man ja schließlich nicht anrufen – liegt Chris Pallasch, der mir in den folgenden zwei Stunden viel über die Experimente und die Ertebølle-Kultur erzählen wird, noch in der dunklen Hütte. Dann kriecht er raus, setzt sich zu mir nach draußen auf eine Bank, schiebt sich eine Brille auf die Nase und fängt an, auf seinem Tablet-Computer herumzutippen. Dabei trägt er einen Lendenschurz, so etwas wie eine Hose und eine Weste. Alles aus Fell oder Häuten.

Trotzdem. So richtig „Stoneage“ ist seine Technik ja nicht, denke ich, und mein Blick verrät dies offenbar. Zumindest fühlt sich der Experimental-Archäologe und Camp-Organisator Chris Pallasch genötigt, eine Erklärung abzuliefern. Und die lautet: Bei den Experimenten wird (fast) nicht gemogelt. Manchmal wüssten sie einfach nicht, wie die Menschen in der Ertebølle-Kultur gelebt hätten, so Pallasch. Abseits der Experimente ist nicht alles steinzeitlich. So gibt es Fleisch- und Frischwasserlieferungen.

Er ist fest beim Steinzeitpark Albersdorf – offiziell heißt es: Archäologisch-Ökologisches Zentrum (Aöza) – angestellt. Der groß gewachsene Mann übernachtet auch alleine ein paar Monate im Jahr in der Steinzeit-Hütte. Einige Kinder nennen ihn nur noch Ertie-Bøller, was ihn nicht stört.

Was ihn jedoch stört, ist die kleine Wunde am Außenrist seines rechten Fußes. „Das muss ich gleich mal operieren“, sagt er betont lässig. Und wie? „Mit einem Flintstein rausholen.“

Aha, bei so etwas wird also nicht gemogelt, denke ich, während Pallasch sich einen Zigarillo anzündet. Es wird nicht der letzte während unseres Gesprächs sein. Darin geht es auch um die Kollegen, die mit ihm im Camp leben. Einer sei im Outback groß geworden, erzählt Pallasch. Um für ein paar Wochen in der Steinzeit zu leben, ist das von Vorteil, denke ich. Etwas verrückt ist die Idee ja schon. Vermisst man die Zivilisation nicht?

Nein, meint Pallasch, und schildert das Camp-Leben. Alle stehen auf, wann es ihnen passt. Gegen 10 Uhr gibt‘s Frühstück, tagsüber wird experimentiert, abends essen die Forscher und diskutieren stundenlang. Klingt gar nicht schlecht, denke ich, während ich zurück zum Auto gehe.

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