Nach jahrelanger Kritik

Expedia schmeißt Delfin- und Walshows raus: „großartige Neuigkeiten“

Expedia reagiert als eines der größten Online-Reisebüros weltweit auf jahrelange Kritik: Delfin- und Walshows sind nicht mehr über das Portal buchbar.

Seattle – Sie gelten als extrem umstrittene Urlaubs-Aktivitäten, verboten wurden sie bisher aber noch nicht: Die Rede ist von Delfin- oder Walshows, bei denen die Meeressäugetiere in Gefangenschaft leben und während ihrer Performance mit Trainern – oder sogar Besuchern – interagieren müssen. Anbietern solcher Shows wird es aber zunehmend schwerer gemacht: Nach langanhaltenden Protestaktionen hat jetzt die weltweit tätige Reisewebsite „Expedia“ Aktivitäten dieser Art vor wenigen Tagen auf die schwarze Liste gesetzt.

US-amerikanisches Online-Reisebüro:Expedia
Hauptsitz:Seattle, Washington, Vereinigte Staaten
Gründer:Rich Barton
Umsatz:4,24 Milliarden USD (Stand: 2020)

Expedia streicht Delfin- und Walshows aus Buchungsprogramm – Reaktion ist extrem positiv

Expedia ist ein US-amerikanisches Online-Reisebüro und gilt als eines der größten Reiseunternehmen weltweit – das Hotelbuchungsportal Trivago gehört beispielsweise auch zu dem Konzern. Auf Twitter postete der Veranstaltungsanbieter vor wenigen Tagen: „Wir haben kürzlich unsere Tierschutzrichtlinie angepasst. Infolgedessen werden auf unseren Websites keine Attraktionen und Aktivitäten mehr verfügbar sein, die Aufführungen von oder Interaktionen mit Delfinen und anderen Meeressäugetieren beinhalten.“

Was weiterhin möglich sei, ist der Besuch von Schutzgebieten am Meer, „die gefangenen Tieren eine dauerhafte Lebensumgebung am Meer bieten [...], wenn sie akkreditiert sind und keine Interaktionen oder Aufführungen bieten“, äußert ein Sprecher von Expedia gegenüber der „Mail on Sunday“. In den Tierschutzrichtlinien wird aufgeführt, dass Aktivitäten, die das Beobachten von Tieren umfassen, also erlaubt seien, es dürfe jedoch „keinen direkten physischen Kontakt“ zu den Lebewesen geben. Veranstalter hätten dafür zu sorgen, dass die Tiere nicht in ihrem natürlichen Verhalten gestört oder gestresst werden. Die neuen Tierschutzrichtlinien von Expedia sollen Anfang 2022 in Kraft treten.

Expedia reagiert mit Entscheidung auf Kritik von Tierschützern – „Wir freuen uns so sehr, dass sie zugehört haben!“

Für Katheryn Wise, Wildlife Campaign Manager bei „World Animal Protection UK“, stellt diese Entscheidung einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung dar. „Das sind großartige Neuigkeiten und etwas, für das wir uns seit 2019 einsetzen“, äußert sie gegenüber „The Sun“ und fährt fort: „Über 350.000 Unterstützer haben mit uns Petitionen unterzeichnet, das Bewusstsein online geschärft und sind auf die Straße gegangen, um die Expedia Group zu bitten, diese Änderung vorzunehmen. Wir freuen uns so sehr, dass sie zugehört haben!“

Reiseanbieter „Expedia“ streicht Delfin- und Walshows aus ihrem Angebot.

Durch den Verkauf und die Werbung spielen Reiseunternehmen Wise zufolge eine große Rolle bei der Förderung der Unterhaltung von gefangenen Delfinen „und als eines der größten Reiseunternehmen der Welt freuen wir uns, dass die Expedia Group hier Stellung bezieht“, äußert die Managerin beglückt und fordert: „Es ist an der Zeit, dass andere Reisegiganten wie TUI das Richtige tun und nachziehen.“

Reiseunternehmen Expedia bietet keine Delfin- oder Wahlshows mehr an: „Peta“ begrüßt Entscheidung

Tatsächlich hat eben dieser weltgrößte Tourismuskonzern bereits im Jahr 2014 Ausflüge zu Delfinarien sowie Tiershows mit Walen aus dem Angebot genommen, hierzu gab es laut der „Neuen Westfälischen“ ein Kooperationsabkommen mit dem „Wal- und Delfinschutzforum“ (WSDF). Die Tierschutzorganisation „Peta“ kritisiert jedoch, dass der deutsche Konzern weiterhin Tickets zu Meereszoos und Delfinarien verkauft.

„Peta“ begrüßt hingegen genau wie „World Animal Protection“ die angepassten Tierschutzrichtlinien von Expedia – fünf Jahre habe auch diese Organisation der „Neuen Westfälischen“ zufolge darauf hingewirkt, dass SeaWorld-Tickets sowie Angebote, mit Delfinen zu schwimmen, verschwinden. Peta wütete übrigens auch schon gegen den Deutschrapper Capital Bra – wegen Tierquälerei.

Expedia folgt mit Entscheidung Reiseanbietern wie „British Airways“, „Virgin Holidays“ und „Thomas Cook“

Dem Beispiel von Expedia scheinen andere Reiseanbieter bereits vorausgegangen zu sein: „British Airways“ kündigte bereits im Jahr 2019 an, keine Tickets mehr für Attraktionen wie SeaWorld zu verkaufen, in denen Tiere wie Wale und Delfine in scheinbar beengten Gehegen zu sehen sind. Diese Entscheidung erfolgte nur Wochen, nachdem „Virgin Holidays“ einen ähnlichen Schritt angekündigt hatte.

Auch „Thomas Cook“ stellte nach einer Reihe von Tierrechtsprotesten im Jahr 2018 die Förderung und den Verkauf von Tickets für SeaWorld ein. Die Meeres-Themenparks standen insbesondere nach dem umstrittenen Dokumentarfilm „Blackfish“ heftig in der Kritik – infolge dessen wurden sie dazu gezwungen, Pool-Auftritte mit Orcas zu stoppen. Der Dokumentarfilm von 2013 enthüllte das Leben des Orca Tilikum, der während seiner Gefangenschaft in den Tod von drei Menschen verwickelt war.

Tierschutz nimmt auch in Deutschland in unterschiedlichen Bereichen zu

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In Hamburg werden auch kleinere Meerestiere zunehmend in Schutz genommen: So soll nun sogar der Hamburger Fischmarkt vegan werden*. In der Mensa in Göttingen gibt es ebenfalls nur noch vegane und vegetarische Gerichte und eine vegane Braut ging sogar so weit, ihre fleischessende Familie von ihrer Hochzeit auszuladen. Die Tierrettung einer Veganerin ging hingegen völlig schief, 16 Hasen wurden befreit, 90 starben.

Eine ebenso umstrittene Tradition, bei denen Tiere häufig zu Schaden kommen, ist der Stierkampf, beziehungsweise -lauf. Bei einem solchen Traditionslauf ist ein Mann erst vor kurzem von einem Horn durchbohrt und im Zuge dessen von dem Stier getötet worden. Auch Reiten möchte der Deutsche Verband beim olympischen modernen Fünfkampf in Zukunft abschaffen, weil sich der Vorwurf der Tierquälerei immer wieder bestätigte.* kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marc Schüler/imago

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