Ex-MHH-Kinderarzt wegen Missbrauchs von 20 Jungen angeklagt

Augsburg - Gegen einen ehemaligen Kinderarzt der Medizinischen Hochschule Hannover ist Anklage wegen schweren sexuellen Missbrauchs erhoben worden. Der 40-Jährige soll 20 Jungen missbraucht haben, teilte die Staatsanwaltschaft Augsburg am Mittwoch mit.

Dem Mann drohen bis zu 15 Jahren Haft, für den Prozess am gibt es aber noch keinen Termin. Ein Fall in Garbsen bei Hannover brachte die Ermittler im vergangenen Jahr auf die Spur des Arztes. Dort wurde ein Fünfjähriger mit einem Auto entführt, missbraucht und nach etwa zwei Stunden freigelassen. Der Fall hatte damals bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Der Mediziner soll über Jahre hinweg Kinder angesprochen und sie an entlegene Orte wie Tiefgaragen oder Keller gelockt haben, um sie zu missbrauchen.

Seit Oktober sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Zuletzt war der Kinderarzt seit 2013 an der Medizinischen Hochschule Hannover tätig gewesen. Zudem war er für das Bayerische Rote Kreuz als leitender Notarzt unterwegs und verfügte in dieser Eigenschaft über einen Wagen mit Blaulicht. Auch in München und Nürnberg soll der Mann in der Vergangenheit Jungen missbraucht haben. Teilweise soll er die Kinder beim Missbrauch aufgenommen und die Bilder auf seinem Computer gespeichert haben. Die Ermittler fanden eine Vielzahl von Fotos und Videos bei dem Beschuldigten. In der Anklage werden stellvertretend 192 Kinderpornos aufgeführt. Das Alter der dort gezeigten Opfer soll vom Säuglings- bis zum Jugendalter reichen. Auch Gewaltdarstellungen und Szenen mit Tieren gebe es.

Der Mann soll in Augsburger Grundschulen dafür geworben haben, dass er kostenlose Ausflüge für Kinder mit Übernachtungen organisiert. Es bestehe der dringende Verdacht, dass der Mediziner bei drei dieser Ausflüge sich in Pensionen und Appartements an den Jungen verging, sagte Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai. „Bei einem der Ausflüge soll der Angeschuldigte hiervon auch eine Videosequenz erstellt und auf seinem Computer gespeichert haben.“
dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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