Ex-Behördenchef: Wulff setzte Glaeseker bei Promi-Party unter Druck

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Lothar Hagebölling, ehemaliger Chef der niedersächsischen Staatskanzlei und des Bundespräsidialamtes, ist auf dem Weg zum Landgericht in Hannover. Hagebölling war als Zeuge im Korruptionsprozess gegen Olaf Glaeseker geladen. 

Hannover - Hat Christian Wulff Mitarbeiter der Staatskanzlei bei der Planung des Nord-Süd-Dialogs unter Druck gesetzt? Der Ex-Chef der Behörde behauptet dies. Ob Wulffs Ex-Sprecher Glaeseker deshalb so eifrig Sponsoren suchte, konnte Lothar Hagebölling aber nicht sagen.

Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat nach Aussagen des ehemaligen Chefs der niedersächsischen Staatskanzlei, Lothar Hagebölling, mit hohen Erwartungen an den Nord-Süd-Dialog Mitarbeiter unter Druck gesetzt. Dazu habe nicht nur Wulffs Ex-Sprecher Olaf Glaeseker gehört - auch er habe „unausgesprochen gespürt, dass die Veranstaltung gelingen muss“, sagte Hagebölling am Freitag bei seiner Vernehmung im Korruptionsprozess gegen Glaeseker vor dem Landgericht Hannover. Da Wulff in seiner damaligen Funktion als Regierungschef die Schirmherrschaft der Promiparty hatte, sei das Gelingen für ihn und das Land Niedersachsen von „hoher Bedeutung“ gewesen.

Wegen Wulffs Erwartungen habe er sich auch selbst bei Bedarf in die Organisation der Promifeiern eingeschaltet, betonte Hagebölling, der bis zum Rücktritt Wulffs vom Amt des Bundespräsidenten 2012 Chef des Bundespräsidialamtes war. 2009 sei er deshalb zum Flughafen Hannover gefahren, um „ernsthafte Verstimmungen“ zwischen dem Flughafen und dem mitangeklagten Partymanager Manfred Schmidt zu lösen. Streitpunkte seien etwa höhere Kosten wegen einer vom Sponsor VW erbetenen Terminverschiebung sowie weitere Auflagen gewesen.

„Eine finanzielle Beteiligung des Landes ist zu keinem Zeitpunkt erwogen worden“, sagte er. Hagebölling habe im Spätsommer 2007 erstmals von Wulff erfahren, dass es die gemeinsame Veranstaltung mit dem Land Baden-Württemberg geben sollte. Die Suche von Sponsoren für Veranstaltungen bei denen Wulff Schirmherr war, sei nicht gänzlich unüblich gewesen. „Dieses gegenseitige Geben und Nehmen hat es auch in anderen Bereichen gegeben“, sagte Hagebölling und verwies auf die Organisation der von Wulff initiierten Bildungsmesse Ideen-Expo. Beim Nord-Süd-Dialog sei er jedoch davon ausgegangen, dass Schmidt als Veranstalter auch für die Sponsorensuche zuständig war.

„Seine Arbeitsweise war nicht die eines typischen Beamten“, sagte Hagebölling über Glaeseker. Aber mit seinem Engagement habe Glaeseker nicht nur einen Imageschaden des Landes im Falle einer misslungenen Party verhindert, sondern auch der von ihm geleiteten Presseabteilung der Staatskanzlei Arbeit erspart.

Im Anschluss an die Befragung Hageböllings versuchte das Gericht erneut, das Verhältnis zwischen Schmidt und Glaeseker zu beleuchten. Dieses sei, so sagte eine ehemalige Mitarbeiterin Schmidts, „besonders freundschaftlich“ gewesen. Auf sie hätten die Glaesekers bei ihren Aufenthalten in Frankreich und Spanien immer „wie im Urlaub“ gewirkt. Dennoch hätte bei einigen abendlichen Gesprächen der Nord-Süd-Dialog eine Rolle gespielt. Dann habe Glaeseker auch „in Einzelfällen“ seine Hilfe bei Problemen mit Sponsoren angeboten. Glaeseker muss sich seit Dezember wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, er habe sich zwischen 2007 und 2009 von Schmidt mit Urlaubsreisen und Freiflügen bestechen lassen. Im Gegenzug habe er als Staatssekretär in der niedersächsischen Staatskanzlei bei der Sponsorensuche geholfen - Streitwert rund 12 000 Euro. Schmidt muss sich deshalb wegen Bestechung verantworten. Beide Männer streiten die Reisen nicht ab, begründen sie aber mit ihrer langjährigen Freundschaft.

dpa

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