„Überspitzt dargestellte Klischees“

Europark Rust baut „Dschungel-Floßfahrt“ um – wegen Rassismus-Kritik

Im Europa-Park in Rust häufte sich die Rassismus-Kritik gegenüber der „Dschungel-Floßfahrt“. Nun reagiert der Freizeitpark und baut die Attraktion um.

Rust - Seit über 40 Jahren fährt die „Dschungel-Floßfahrt“ durch den Europa-Park in Rust. Nun bekommt sie ein komplett neues Erscheinungsbild, denn die Attraktion war schwer kritisiert worden. Der Vorwurf: Kolonialistische Rollenbilder, die sich vor allem an den ausgestellten Figuren zeigten. „Eine Zeit wie der Kolonialismus hat in einem Freizeitpark nichts zu suchen“, wird eine Studentin einer Seminararbeit zitiert.

FreizeitparkEuropa-Park
Größe85 ha
Eröffnet1975
StandortRust

Europapark in Rust reagiert auf Rassismus-Vorwürfe: Dschungel-Floßfahrt wird umgestaltet

Der Europa-Park reagierte nun auf die Kritik und kündigte an, die „Dschungel-Floßfahrt“ umzubauen. Bereits im Vorjahr hätten vereinzelnd Gäste auf die Problematik hingewiesen und um eine zeitgemäßere Gestaltung gebeten. „Wir haben dieses Feedback zum Anlass genommen, die bereits geplante Neugestaltung der Attraktion zu beschleunigen und bereits zur aktuellen Sommersaison einzelne Figuren zu entfernen“, erklärt Engelbert Gabriel, Sprecher der Geschäftsleitung des Europa-Parks.

Worum geht es bei den „kolonialistischen Rollenbildern“ konkret: Schwarze Menschen wurden mit (angeblich irgendwo in Afrika geltender) traditioneller Kleidung dargestellt – während weiße Menschen mit Safari-Kleidung in Anzügen und Hüten abgebildet wurden. Diese Darstellung sei symbolisch für eine Überlegenheit der Weißen – wie sie im Kolonialismus ja durchaus vorausgesetzt wurde.

Europark Rust kann Rassismus-Kritik nachvollziehen: Manche Szenen der Floßfahrt

Studierende aus Freiburg hatten der „rassistischen Attraktion“ eine ganze Seminar-Arbeit gewidmet. Und mehr: Der Autor Marcus Werner hatte in einem Artikel in der WirtschaftsWoche ordentlich gegen die Dschungel-Floßfahrt polemisiert: „So stehen bei der Floßfahrt halbnackte Schwarze in herrischer Pose auf einem Felsen, klettern Afrikaner Bäume auf und ab, wie in der Piraten-Bahn einige hundert Meter weiter ein Orang-Utan. […] Ist so unser südlicher Nachbarkontinent?“

Der Europa-Park in Rust baut seine „Dschungel-Floßfahrt“ um und reagiert damit auf Rassismus-Kritik.

Mit den rassistischen Klischees ist nun jedoch Schluss. Europapark-Sprecher Gabriel erklärt: „Manche Szenen der ‚Dschungel-Floßfahrt’, die zu den ältesten Attraktionen des Europa-Parks zählt, können nach heutigen Maßstäben fehlgedeutet werden“. Es sei keine Frage, dass im Europa-Park bewusst mit Stereotypen gearbeitet werden würde, „die sicherlich teilweise auch überspitzt dargestellt werden“, schildert Gabriel.Die Änderungen an der „Dschungel-Floßfahrt“ sind bereits sichtbar. So wurde beispielsweise die „Colonial Food Station“ in „Adventure Food Station“ umbenannt. „Jede Form des Rassismus und der Diskriminierung lehnt der Europa-Park mit Nachdruck ab“.

Nicht die erste Kritik am Europa-Park: Problematische Corona-Kennzeichnung für Gäste

Der „Dschungel-Floßfahrt“-Vorfall war nicht das erste Mal, dass der Europa-Park in der vergangenen Zeit in die Kritik geraten war. Der Freizeitpark hatte für Hotelbesucherinnen und Hotelbesucher verschiedenfarbige Armbänder als Corona-Kennzeichnung ausgestellt. So hatten Geimpfte beispielsweise eine andere Armband-Farbe als Ungeimpfte.

Ein Sprecher sagte, es seien innerhalb einer Woche etwa hundert E-Mails mit Beschwerden eingegangen. Zunächst sollte die Kennzeichnung es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vereinfachen, den Status der Gäste festzustellen. Der Europa-Park reagierte auf die Kritik und beendete die Kennzeichnung. Corona-Frust gab es auch im Heidepark: Der löschte Erinnerungsfotos, wenn Besucher keine Maske trugen* – da gab es dann kein schönes Achterbahn-Foro für zuhause.

Rassismus-Vorwürfe in immer Bereichen des Lebens

Das Bewusstsein für rassistische Zusammenhänge scheint immer größer zu werden. Nicht nur in Freizeitparks ist Schluss mit rassistischen Namen. Wissenschaftler hatten zuletzt tausenden Vögeln neue Namen gegeben. Die Universität Wisconsin hatte einen „rassistischen“ Stein entfernen lassen, nachdem dessen Bedeutung bekannt geworden war. Auch Süßwarenhersteller kassieren immer wieder Rassismus-Kritik: Bahlsen benannte darum die Africa-Waffeln um. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa/Philipp von Ditfurth

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