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9-Euro-Ticket in Bremen: So soll das Monatsticket funktionieren – Kritik bleibt

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Von: Fabian Raddatz

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Das 9-Euro-Ticket soll in Bremen für alle gelten.
Das 9-Euro-Ticket soll in Bremen für alle gelten. Besitzer von Monatstickets etwa sollen sich das Geld gutschreiben lassen können. © Carmen Jaspersen/dpa

Mit dem 9-Euro-Ticket sollen Menschen in Deutschland kostengünstig durchs Land reisen können. Doch in der Lokalpolitik wird Kritik laut.

Bremen – Mit Bus und Bahn quer durchs Land reisen – und das für schlappe 9 Euro. Das sogenannte 9-Euro-Ticket ist Teil des Entlastungspaketes 2022 und soll genau das: Die Bürger in Deutschland in Zeiten stetig steigender Energie- und Lebensmittelpreise entlasten.

Doch die Kritik an dem 9-Euro-Ticket der Bundesregierung hält an. Vor allem auf Lokalebene wird die Frage nach der Finanzierung des 9-Euro-Tickets immer lauter. In Bremen forderte Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne), Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz der Länder, Risiken beim 9-Euro-Ticket dürften nicht auf die Länder übertragen werden.

9-Euro-Ticket in Bremen: „Risiken nicht auf Länder übertragen“

Das Ticket dürfe nicht zum „Strohfeuer“ werden, so Schaefer. Die Länder seien bereit, gemeinsam mit den Aufgabenträgern des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) alles dafür zu tun, um das beschlossene 9-Euro-Ticket termingerecht bundesweit zum 1. Juni umzusetzen. „Die Verkehrsministerkonferenz erwartet im Gegenzug, dass der Bund zu seiner Zusage steht und die Kosten für die Organisation und Umsetzung übernimmt. Die Risiken dürfen dabei nicht auf die Länder übertragen werden.“

Ab Juni soll für drei Monate bundesweit ein günstiges Ticket im Nah- und Regionalverkehr gelten. Auch die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) steht bereits in den Startlöchern. Dann sollen Bürger das 9-Euro-Ticket für Busse, S-Bahnen, U-Bahnen und Straßenbahnen nutzen können – nicht nur in Bremen, sondern in ganz Deutschland.

So soll das 9-Euro-Ticket in Bremen funktionieren

Davon sollen gerade Pendler profitieren, die zu Zehntausenden jeden Tag aus dem Bremer Umland in die Stadt an- und abreisen. Ein erklärtes Ziel der Ampel-Koalition: Die deutschen Autofahrer zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) bewegen, nachdem die Preise zum Jahreswechsel und durch den Ukraine-Krieg stark unter Druck geraten sind.

Theoretisch sollen Menschen mit dem 9-Euro-Ticket auch in den Urlaub fahren können, allerdings gilt es hier zu beachten, dass die Fernzüge der Deutschen Bahn, etwa der ICE, von dem Angebot ausgenommen sind. Wer also Zeit mitbringt und es nicht eilig hat, kann mit dem 9-Euro-Ticket also durchaus in den Urlaub fahren.

9-Euro-Ticket: Das steht nun noch aus

Bevor das 9-Euro-Ticket kommt, steht noch eine Bestätigung durch das Bundeskabinett aus, auch Bundestag und Bundesrat müssen das Vorhaben erst beschließen. Damit wären auch noch kleine Änderungen möglich. Viel Zeit bleibt da nicht mehr, noch rund sechs Wochen. Der Entwurf soll am Mittwoch, 27. April 2022, zum ersten Mal diskutiert werden.

Erst dann soll es das 9-Euro-Ticket auch wirklich zu kaufen geben, laut „Buten un Binnen“ will die BSAG es auf „möglichst vielen Wegen“ anbieten. Nutzen sollen es alle können – von Neukunden über Monatsticket-Besitzer bis hin zu Studenten. Das Geld soll dann verrechnet oder gutgeschrieben werden.

Finanzierung des 9-Euro-Tickets noch ungeklärt

Und: Bis dahin muss auch noch die Frage nach der Finanzierung geklärt werden. Der Bund will nach einem Gesetzentwurf aus dem Verkehrsministerium in diesem Jahr Mittel für die Länder zur Finanzierung des Nahverkehrs um 3,7 Milliarden Euro erhöhen. Davon sollen neben coronabedingten Ausfällen die Kosten für das 9-Euro-Monatsticket in Höhe von 2,5 Milliarden Euro gezahlt werden – von Juni bis Ende August sollen Fahrgäste damit im Nah- und Regionalverkehr bundesweit für 9 Euro pro Monat fahren können. Der Bundesrat muss dem Finanzpaket zustimmen.

Bremens Verkehrssenatorin Schaefer sagte, die Mitglieder der Verkehrsministerkonferenz erwarteten darüber hinaus vom Bund, dass die Ausfälle der Angebotsausweitung im ÖPNV, die Steigerung der Bau-, Energie- und Personalkosten sowie die enorm gestiegenen Energiekosten infolge des Ukraine-Konflikts in 2022 in Höhe von insgesamt 1,5 Milliarden Euro ausgeglichen werden.

Das lehnt der Bund ab. Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte gesagt, auch die Länder profitierten beim Nahverkehr von der Entlastung bei Energiekosten, etwa der geplanten befristeten Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe.

9-Euro-Ticket als Teil des Entlastungspakets 2022: Das steckt noch drin

Damit wird das 9-Euro-Ticket zusammen mit dem Großteil der übrigen Maßnahmen aus dem Entlastungspaket 2022 eingeführt. Neben der ÖPNV-Verbilligung plant die Scholz-Regierung zur Abfederung der Energiekosten auch eine Energiepreispauschale von 300 Euro für Arbeitnehmer, einen Kinderbonus, einen Zuschuss zu Hartz IV sowie einen Tankrabatt. Doch wegen der parlamentarischen Hürden ist auch hier nicht mit einer Realisierung vor dem 1. Juni zu rechnen, wie Finanzminister Christian Lindner (FDP) am Montag in der Welt gestand. (Mit dpa-Material)

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