8,5 Millionen Autorückrufe

EU fordert von VW einheitlichen Entschädigungs-Rahmen für Dieselfahrer

Deutsche bekommen eine andere Entschädigung von VW im Dieselskandal als andere EU-Bürger. Nun macht die EU Druck.

Brüssel - Die EU zieht behutsam die Daumenschrauben enger. Volkswagen gerät wegen des uneinheitlichen Umgangs mit Entschädigungsforderungen im Diesel-Skandal verstärkt unter Druck. Man begrüße, dass VW sich für einen Vergleich mit großen Teilen der deutschen Konsumenten entschieden habe, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Statement des Netzwerks für die Zusammenarbeit im Verbraucherschutz (CPC), in dem die zuständigen Behörden der EU-Staaten organisiert sind.

VW CEO:Herbert Diess (seit Apr. 2018)
Hauptsitz:Wolfsburg
Gründer:Deutsche Arbeitsfront
Tochtergesellschaften:Volkswagen, Audi, Seat, Škoda Auto u.v.m.

Zugleich rufe man VW dazu auf, Kontakt zu den Verbrauchern in allen Mitgliedsstaaten aufzunehmen, „die noch Entschädigung suchen, um angemessene Lösungen zu finden und dieses Kapitel zu schließen“. So könne weiterer jahrelanger Rechtsstreit vermieden werden. Alternativ könne VW sich mit dem gleichen Ziel an die CPC-Behörden werden. So die klare Ansage aus Brüssel in Richtung Wolfsburg.

Eine Frage des Vertrauens

Didier Reynders, EU-Justizkommissar 

„Das ist eine Frage des Vertrauens“, sagte EU-Justizkommissar Didier Reynders der Deutschen Presse-Agentur. Er verwies auf den Vergleich in Deutschland, bei dem sich Verbraucherschützer und VW darauf geeinigt haben, je nach Alter und Typ des Fahrzeugs zwischen 1350 und 6250 Euro an die Kunden zu zahlen. In den Niederlanden und Italien hätten Gerichte den Verbrauchern rund 3000 Euro zugesprochen, sagte Reynders. VW solle nun ein klares Signal an die Kunden in anderen Ländern senden, dass man sie in einem ähnlichen Rahmen entschädige.

Die EU-Kommission habe mehrfach versucht, darüber mit VW zu sprechen, aber keine positive Antwort bekommen. Ein entsprechendes Schreiben von Reynders an VW-Chef Herbert Diess veröffentlichte die EU-Kommission ebenfalls.

VW-Dieselskandal: Kunden wurden systematisch von Volkswagen getäuscht

Den Vergleich in Deutschland, auf den sich Verbraucherschützer und die Wolfsburger 2020 geeinigt hatten, akzeptierten rund 245.000 Kunden. Kurz nach der Einigung entschied der Bundesgerichtshof, dass VW seine Kunden systematisch getäuscht hat: Hätten sie gewusst, dass die Diesel-Autos mit einem bestimmten Motor viel mehr Schadstoffe ausstießen als auf dem Prüfstand messbar, hätten sie sich vermutlich für ein anderes Fahrzeug entschieden. Der Konzern ist deshalb zu Schadenersatz in Deutschland verpflichtet. Pikant: In den USA kämpft VW gerichtlich für eine landesweite Lösung.

Abhängig vom EU-Land bekommen VW-Diesel-Fahrer eine unterschiedliche Entschädigung.

Zum Hintergrund: Nach dem Dieselgate-Skandal schickten die CPC-Behörden am 7. September 2017 ein Schreiben an den Volkswagen-Konzern, in dem er aufgefordert wurde, alle betroffenen Autos zügig zu reparieren. Im Dezember 2017 verpflichtete sich VW, auch 2018 kostenlose Reparaturen anzubieten. Im Juli 2018 veröffentlichten die Europäische Kommission und die nationalen Verbraucherbehörden ihre Schlussfolgerungen zu den 8,5 Millionen Autorückrufen, die der Volkswagen-Konzern in der Union nach dem Dieselgate durchgeführt hatte.

VW-Dieselgate: Volkswagen musste 8,5 Millionen Autos zurückrufen

Auf der Internetseite der EU heißt es weiter: Am 11. August 2020 schrieb der Kommissar für Justiz und Verbraucher Didier Reynders an den Volkswagen-Konzern, um den Konzern nachdrücklich zu ermutigen, allen betroffenen EU-Verbrauchern eine faire Entschädigung anzubieten, und betonte, dass die Verbraucher erwarten, fair behandelt zu werden und eine angemessene Entschädigung für den ihnen entstandenen Schaden zu erhalten in der gesamten Union ähnlich gelitten.

Dies sieht VW anders. Sie argumentieren, dass es freiwillige Zahlungen an europäische Verbraucher mit Wohnsitz außerhalb Deutschlands für nicht gerechtfertigt halte, da die betroffenen Autos nun an die gesetzlichen Anforderungen angepasst wurden. (mit dpa-Material) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Kalte Füße im Bett? Diese Bettdecken sorgen für einen guten Schlaf

Kalte Füße im Bett? Diese Bettdecken sorgen für einen guten Schlaf

Meistgelesene Artikel

2G oder 3G: Neue Corona-Regeln gelten in Niedersachsen zu den Herbstferien

2G oder 3G: Neue Corona-Regeln gelten in Niedersachsen zu den Herbstferien

2G oder 3G: Neue Corona-Regeln gelten in Niedersachsen zu den Herbstferien
Forscher mit Durchbruch bei Kernfusion: Wind und Solar bald überflüssig?

Forscher mit Durchbruch bei Kernfusion: Wind und Solar bald überflüssig?

Forscher mit Durchbruch bei Kernfusion: Wind und Solar bald überflüssig?
Weil er Fleisch grillt: Veganerin zieht gegen Nachbarn vor Gericht

Weil er Fleisch grillt: Veganerin zieht gegen Nachbarn vor Gericht

Weil er Fleisch grillt: Veganerin zieht gegen Nachbarn vor Gericht
2G im Supermarkt: Corona-Verordnung in Niedersachsen erlaubt scharfe Regel

2G im Supermarkt: Corona-Verordnung in Niedersachsen erlaubt scharfe Regel

2G im Supermarkt: Corona-Verordnung in Niedersachsen erlaubt scharfe Regel

Kommentare