Zwischen Grundrechten und Luxus

Gesundes Essen nur für Reiche: Werden Lebensmittel unbezahlbar?

Ungesundes Essen ist die häufigste Todesursache weltweit. Wie Zahlen aber zeigen, wird gesunde Nahrung immer teurer. Darunter leiden vor allem arme Menschen.

Hannover – Gesunde Lebensmittel werden immer teurer. Die Inflation ist so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Das Statistische Bundesamt veröffentliche nun, dass Nahrung im Vergleich zum Vorjahr 4,6 Prozent teurer geworden ist. Alleine innerhalb eines Jahres sei Gemüse sogar um neun Prozent gestiegen. Obst sei 2,5 Prozent teurer geworden. Das hat soziale und gesundheitliche Folgen. Denn der Preisanstieg trifft vor allem Menschen und Familien mit geringem oder gar keinem Einkommen.

BehördeStatistisches Bundesamt
HauptsitzWiesbaden
Gründung21. Januar 1948
Bedienstete2.410

Dazu äußerte sich die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele, gegenüber dem Tagesspiegel am Donnerstag: „Obst und Gemüse werden für Geringverdiener und Menschen in Grundsicherung durch die Preissteigerungen endgültig zum Luxusgut, das sie sich nicht mehr leisten können“. Auch in der Baubranche meldet das Statistische Bundesamt einen enormen Anstieg der Verbraucherpreise.

Hartz-IV: Fünf Euro am Tag für Lebensmittel reicht nicht für eine ausgewogene Ernährung

Für Hartz-IV-Empfängerinnen und Empfänger seien gerade einmal fünf Euro am Tag für Lebensmittel vorgesehen, erklärte Bentele. „Das reichte schon bisher nicht für eine ausgewogene Ernährung, wie Studien nachgewiesen haben“. Im Januar hat die Bundesregierung den Regelsatz um drei Euro auf 449 Euro angehoben. Stellt man diese „Erhöhung“ prozentual gegenüber dem Anstieg von Lebensmittelpreisen wird schnell deutlich: Die Rechnung geht nicht auf.

Ist gesunde Ernährung bald nur noch für Reiche erschwinglich? (kreiszeitung.de-Montage)

Jedoch fließen die erhöhten Verbraucherpreise noch nicht in die Verordnung des Bundessozialministeriums mit ein. Das solle frühestens 2023 passieren. Zwar haben Hartz-IV Empfängerinnen und Empfänger theoretisch nun 0,76 Prozent mehr Geld zur Verfügung. In der Praxis dürfte die Kaufkraft aufgrund der steigenden Verbraucherpreise jedoch fallen. Das Geld ist weniger wert als vorher. Während die einen sich Gedanken über gesundes Essen machen müssen, gibt es auf der anderen Seite immer mehr Millionäre in Deutschland.

Kritiker fordern Steuer-Aus für gesunde Lebensmittel

„Dass der Regelsatz nun um lächerliche drei Euro erhöht wurde, bestätigt, wie konsequent die Regierung lebensnotwendige Bedürfnisse von Menschen in Grundsicherung ignoriert,“ empfindet Bentele. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft und die Deutsche Allianz Nichtübertragbarer Krankheiten bieten einen Lösungsansatz: Sie fordern, gesunde Lebensmittel von der Mehrwertsteuer zu befreien.

Im Gegenzug sollen stark gezuckerte Produkte mit einer Steuer von 29 Prozent versehen werden: „Davon profitieren dann auch Familien mit einem schwachen sozioökonomischen Hintergrund, denen der Zugang zu frischem Obst und Gemüse so finanziell erleichtert wird“, sagte DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer gegenüber dem Tagesspiegel.

Ungesunde Ernährung ist die häufigste Todesursache weltweit

Dabei ist ungesunde Ernährung die häufigste Todesursache der Welt. Eine Studie in 195 Ländern zwischen 1990 und 2017 hatte dazu Ergebnisse gesucht. „Die Studie bestätigt, was viele schon seit Jahren vermuten - dass schlechte Ernährung für mehr Todesfälle verantwortlich ist als jeder andere Risikofaktor auf der Welt“, so der Hauptautor Christopher Murray von der Washington Universität. Weltweit würden in etwa 11 Millionen Menschen jährlich in Folge von schlechter Ernährung sterben.

Zu viel Zucker ist einer der häufigsten Todesursachen der Welt.

Alleine im Durchschnitt würden Menschen demnach zehnmal so viele zuckerhaltige Getränke und fast 90 Prozent mehr Salz konsumieren als eigentlich empfohlen. Besonders Kinder sollten auf viel Zucker verzichten. Um einen hohen Zuckergehalt zu verstecken, nutzen Hersteller immer häufiger Synonyme für Zucker. In Deutschland seien 2017 162 Todesfälle auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ungesunder Ernährung zuzuordnen. Häufigste Todesursache waren demnach Herz-Kreislauf-Erkrankungen, oftmals ausgelöst oder verschärft durch Fettsucht. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Felix Kästle/Danny Gohlke/dpa/imago

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