Sektorkopplung

Weniger CO2 bei Stahlproduktion dank Windstrom und Wasserstoff

Niedersachsen will Wasserstoff-Land Nummer eins werden. Ein industrielles Großprojekt im Land wurde vorgestellt, das die Stahlindustrie grüner macht. Unterstützung kommt vom Bundesumweltministerium.

Deutschlands zweitgrößter Stahlkonzern Salzgitter nutzt nun auch Ökostrom aus Windkraft, um so „grünen“ Wasserstoff für eine CO2-arme Produktion zu gewinnen. Zusammen mit Eon/Avacon, Linde und Siemens setzte Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann am Donnerstag die sogenannte Sektorkopplung in Betrieb. Nach Angaben der Partner ist es das erste konkrete industrielle Vorhaben dieser Art im Land.

Hauptsitz Salzgitter AGSalzgitter
Gründung6. September 1858
Mitarbeiter25.227
RechtsformAktiengesellschaft

Dabei wird elektrische Energie aus sieben Groß-Windrädern, die die regionale Eon-Gesellschaft auf dem Gelände von Salzgitter betreibt, in zwei Elektrolyse-Einheiten eingespeist. In diesen spaltet dann die angelegte Spannung Wasser in die Elemente Wasserstoff und Sauerstoff auf. Ersterer kommt anschließend - anstelle von klassischer, klimaschädlicher Kokskohle - in einem alternativen Verfahren des Stahlkochens zum Einsatz, das so gut wie CO2-frei ablaufen soll.

Wasserstoff: Förderbescheid über fünf Millionen Euro

Die Stahlbranche erhofft sich von der Technologie einen entscheidenden Effekt für die Einhaltung schärferer Klimaschutzregeln über die kommenden Jahrzehnte. Sie will so auch einen Beitrag zum Aufbau einer Wasserstoff-Wirtschaft leisten. Geplant ist, dass das Projekt „Windwasserstoff Salzgitter“ den Bedarf am Hauptsitz der Salzgitter AG vollständig deckt. 50 Millionen Euro wurden investiert.

Das verwandte Projekt „Salcos“, bei dem eine mit Wasserstoff und Erdgas betriebene Eisenerz-Direktreduktionsanlage entsteht, war Ende 2020 vorgestellt worden. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) übergab einen Förderbescheid über fünf Millionen Euro. An den Kosten der Elektrolyse-Anlage beteiligt sich die staatliche Förderbank KfW.

Die Salzgitter AG, der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller, setzt auf grünen Wasserstoff zur Stahlherstellung.

Bis 2050 will sich Salzgitter komplett von konventioneller auf wasserstoffbasierte Stahlerzeugung umgestellt haben. Damit soll der CO2-Ausstoß in der Produktion um bis zu 95 Prozent gesenkt werden. Fuhrmann sagte: „Direktreduktion ist zumindest hier in Europa die ökologisch sinnvollste und effizienteste CO2-Vermeidungs-Route.“

Der Konzern ist auch Teil eines Konsortiums, das in den kommenden Jahren eine Wasserstoff-Infrastruktur in Nordwestdeutschland aufbauen will. Eon-Chef Johannes Teyssen erklärte, so könnten Schwierigkeiten bei der Energiewende und Ablösung von Kohle- und Kernkraft abgefedert werden. „Rein elektrisch“ funktioniere einiges noch nicht, meinte er - „ohne grüne Gase werden wir nicht auskommen“. Wasserstoff gilt als guter Energie-Zwischenspeicher. Jedoch ist seine chemische Gewinnung aus Wasser energieintensiv - diese muss bei einer möglichst günstigen CO2-Bilanz daher mit einem möglichst hohen Ökostrom-Anteil ablaufen.

Für „grünen“ Wasserstoff wird ein sogenannter Elektrolyseur mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt und Wasser in Sauerstoff sowie den begehrten Wasserstoff (H2) zersetzt. Somit wird elektrische Energie in Form von Wasserstoff gespeichert.

Auf Wasserstoff (H2) als Energiequelle richten sich viele Hoffnungen.

Zur Vorstellung des Projektes „Windwasserstoff Salzgitter“ erklären Julia Verlinden, Sprecherin für Energiepolitik im Bundestag, sowie Imke Byl, Sprecherin für Energie und Klimaschutz im niedersächsischen Landtag (beide Die Grünen): „Die Salzgitter AG zeigt gemeinsam mit ihren Partnerunternehmen, wie industrielle Prozesse sauber und klimagerecht werden können. Wasserstoff, der mit 100 Prozent Ökostrom hergestellt wird, ist die Lösung für Prozesse, in denen Strom aus Erneuerbaren allein nicht ausreicht. Es ist gut, dass die beteiligten Unternehmen hier vorangehen, Know-how entwickeln und Praxiserfahrungen sammeln. Damit können sie Vorreiter im Wettbewerb für klimagerechte Technologien werden und andere Unternehmen mitziehen.“

Julia Verlinden ergänzte: „Voraussetzung für den Umstieg auf grünen Wasserstoff in der Industrie ist der zügige und konsequente Ausbau von Wind- und Solarenergie. Die Bundesregierung muss endlich runter von der Bremse und den Ausbau der Erneuerbare Energien beschleunigen, damit genügend Ökostrom zur Verfügung steht – auch für die Herstellung von grünem Wasserstoff. Auch die Vorgaben der Flugsicherung müssen endlich überarbeitet werden. Allein in Niedersachsen können durch unsinnige Prüfabstände zu Radaranlagen aktuell 220 geplante Windräder nicht gebaut werden.“

Wasserstoff-Technologie: Niedersachsen ist international vernetzt

Imke Byl sagte: „Die Salzgitter AG legt mit der Projektvorstellung den so dringend benötigten Grundstein für eine zukünftig CO2-neutrale Stahlproduktion und zeigt, dass mit bereits heute vorhandener Technik der klimafreundliche Umbau unserer Industrie möglich ist. Das am Standort Salzgitter angelegte Projekt WindH2 ist ein Schritt eines mehrstufigen, aber langen Umbauprozesses. Doch auch in der Nutzung von Solarenergie liegen große Potenziale. Hier braucht es endlich verpflichtende Vorgaben für die Dachflächennutzung im Gebäudebestand und eine Solarpflicht für Neubauten.“

Niedersachsen will schon seit längerem Vorreiter in der Wasserstoff-Technologie sein. Darum ist das Bundesland der European Clean Hydrogen Alliance (ECH2A) beigetreten. Zudem ist das Land neues Mitglied in der European Hydrogen Valleys Partnership (EHV). dpa/awt

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte / dpa

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