Hilfe für Frühchen 

Erste niedersächsische Muttermilchbank wird in Vechta eröffnet

Hannover - Das Land will die Versorgung von Frühchen zwischen Harz und Küste verbessern. Dabei dient eine Einrichtung als Vorbild, die in Ostdeutschland eine lange Tradition hat.

Um die Versorgung von Frühgeborenen zu verbessern, erhalten drei niedersächsische Kliniken jeweils eine Muttermilchbank. Die erste wird an diesem Freitag am Marienhospital in Vechta eröffnet, das Klinikum Wolfsburg und das Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult in Hannover sollen folgen, wie das Gesundheitsministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. An den drei Standorten werde Milch von stillenden Müttern entgegengenommen, die in dem entsprechenden Krankenhaus gerade entbunden hätten, sagte ein Ministeriumssprecher.

Das Land fördert das Projekt, mit dem auch einer medizinisch und ethisch unkontrollierten Abgabe von Muttermilch vorgebeugt werden soll, wie der Sprecher erläuterte. Die Fraktionen von SPD und Grünen hatten vor gut zwei Jahren den Antrag zur Einrichtung einer Muttermilchbank in den niedersächsischen Landtag eingebracht und waren auf parteiübergreifende Zustimmung gestoßen. Auslöser war auch der private Online-Handel mit Muttermilch.

Wenn Kinder viel zu früh zur Welt kommen, ist es für die Mutter oft nicht möglich selbst zu stillen. Muttermilch ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen jedoch die beste Nahrungsform für Säuglinge. Sie habe eine Vielzahl an Abwehr-, Immun- und Schutzstoffen und sei von Natur aus allergenarm, sagte Florian Guthmann, Chefarzt der Neugeborenenmedizin im Kinderkrankenhaus Auf der Bult.

In Ostdeutschland gibt es schon lange Muttermilchbänke, auch weil Frauen in der DDR nach der Geburt ihrer Kinder schneller wieder arbeiteten. Die erste westdeutsche Einrichtung dieser Art wurde 2012 in München eröffnet, 2015 folgte eine Muttermilchbank in Dortmund, die in den ersten beiden Jahren nach ihrer Gründung fast 100 Frühchen mit Milch versorgte. Nach Angaben des niedersächsischen Gesundheitsministeriums gibt es bundesweit inzwischen mindestens 18 Muttermilchbanken - im Norden auch am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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