Peta legt Beschwerde ein

Ermittlungen wegen Verdachts auf Elefantenquälerei eingestellt

Hannover - Der Zoo Hannover misshandele junge Elefanten, um ihnen Kunststücke beizubringen, hatte die Organisation Peta behauptet. Nach monatelanger Prüfung der Vorwürfe sieht die Staatsanwaltschaft keine Anhaltspunkte für Verstöße gegen das Tierschutzgesetz.

Die Tierschutzorganisation Peta hatte im April Videoaufnahmen aus dem Jahr 2016 veröffentlicht, die Misshandlung von Elefanten in Hannover durch den Einsatz von sogenannten Elefantenhaken dokumentieren sollten. Peta stellte auch Strafanzeige gegen die Zoo-Verantwortlichen. 

Nach der Einstellung des Verfahrens legte die Organisation noch am Dienstag Beschwerde gegen den Bescheid der Staatsanwaltschaft ein. Das Verfahren habe wieder einmal deutlich erwiesen, dass die staatlichen Kontrollmechanismen zum Schutz der Tiere nicht funktionieren, teilte die Organisation mit. 

Peta hatte dem Zoo vorgeworfen, Baby-Elefanten mit dem Haken zu misshandeln, um ihnen Zirkusnummern beizubringen. Zoo-Chef Andreas Casdorff sagte dazu, das Filmmaterial von Stunden sei manipulativ betextet und zusammengeschnitten worden.

Zoo-Chef sieht sich durch Gutachten bestätigt

Alle Untersuchungen hätten jetzt gezeigt, dass die Elefanten in Hannover weder Verletzungen noch Verstörungen noch Vermeidungsverhalten gegenüber Pflegern zeigten - im Gegenteil: „Das intensive Vertrauensverhältnis wurde bestätigt.“ Der Zoo wolle gegen Peta aber nicht juristisch vorgehen, sondern sich auf die Tiere konzentrieren, sagte der Zoo-Chef. 

Im Zoo Hannover werden die Elefanten im sogenannten direkten Kontakt gehalten. Viele andere Tierparks haben inzwischen auf den geschützten Kontakt umgestellt - das heißt, dass die Pfleger die Anlage gar nicht mehr betreten. Dies hat auch der Zoo Hannover vor. Die Elefanten werden zudem künftig nur noch zu pflegerischen und tiermedizinischen Zwecken trainiert, betonte der Zoo-Chef. 

Manche Übungen seien nicht mehr zeitgemäß

Manche bisher praktizierten Übungen seien nicht mehr zeitgemäß und könnten bei Besuchern falsch ankommen. Der Einsatz eines Elefantenhakens sei beim direkten Kontakt nicht grundsätzlich verboten, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Er diene sowohl dem Schutz des Pflegepersonals als auch den Tieren selbst.

Die Elefanten müssten dressiert werden, damit sie zum Beispiel die regelmäßig notwendige Sohlen- und Nagelpflege überhaupt zuließen. Die Elefanten könnten durch den Einsatz des Hakens Schmerz empfunden haben, räumten die Gutachter ein. Allerdings lasse sich nicht mit hinreichender Sicherheit feststellen, dass den Tieren dadurch erhebliche Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen zugefügt worden seien. 

„Wir haben eine schwere Zeit hinter uns“, sagte Zoo-Chef Casdorff. Auf die Peta-Vorwürfe folgten Beleidigungen aus aller Welt und sogar Morddrohungen gegen Mitarbeiter. Aktuell liegen die Besucherzahlen etwas unter dem Vorjahr. Dies sei aber eindeutig auf viele verregnete Wochenenden zurückzuführen, meinte der Zoo-Chef.

Was ist ein Elefantenhaken?

Der etwa 70 Zentimeter lange Stab mit einem Metallhaken und einer Metallspitze kommt bei der „free contact“- oder „hands on“-Haltung von Elefanten zum Einsatz. Laut Peta sei sein einziger Zweck, den Tieren Schmerzen zuzufügen. Zoos sehen das anders. Arne Lawrenz, Direktor des Zoologischen Gartens in Wuppertal, sagte: „Wir benutzen den Elefantenhaken, um eine größere Spannweite zu haben.“

Er werde zum Dirigieren verwendet. Die Tiere lernten Kommandos durch positive Verstärkung. Beispielsweise sei es wichtig, dass Elefanten für die Fußpflege ihren Fuß heben, wenn der Pfleger daran tippt.

dpa/mke

Rubriklistenbild: © dpa/Ole Spata

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