Vier Helfer aus Niedersachsen

Deutsche Fahnder kommen indischen Online-Betrügern auf die Spur

Osnabrück/Kolkata - Niedersächsischen Fahndern ist bei einem Einsatz in Indien ein Schlag gegen Online-Betrüger gelungen, die tausende Deutsche mit vorgegaukelten Computerpannen abgezockt haben.

Von einem Callcenter mit 250 Arbeitsplätzen in Kolkata (Kalkutta) aus hätten die Betrüger sich bei Anrufen als Microsoft-Mitarbeiter ausgegeben und von abgelaufenen Lizenzen, Viren oder anderen Problemen berichtet, teilte Staatsanwalt Alexander Retemeyer in Osnabrück am Montag mit. Wenn die angerufenen Computernutzer auf die Masche hereinfielen, mussten sie ein Fernsteuerprogramm zur angeblichen Reparatur des Rechners aufspielen und 180 bis 250 Euro überweisen.

Tatsächlich nutzten die Betrüger die Software und die erlangten Kreditkartendaten zum späteren Abbuchen weit höherer Summen. Bundesweit gibt es 7647 Geschädigte, 779 alleine in Niedersachsen. Die Schadenssumme ist nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt gehen von einem Dunkelfeld mit einer Vielzahl weiterer Opfer aus. Die sogenannten Microsoft-Technical-Support-Calls seien eine weltweit angewandte Betrugsmasche mit unzähligen weiteren Opfern auch in den USA und anderen Ländern.

Ein Staatsanwalt und drei LKA-Experten beteiligt

Eine üble Überraschung erlebten auch die Angerufenen, die zwar die Schadsoftware aufspielten, sich dann aber weigerten, das geforderte Geld zu überweisen. In diesen Fällen löschten die Täter zahlreiche Dateien auf dem Rechner oder sperrten diesen mit einem Kennwort, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Bei dem Einsatz in Kolkata mitten im laufenden Betrieb des Callcenters waren ein Osnabrücker Staatsanwalt und drei LKA-Experten dabei. Das Callcenter wurde anschließend stillgelegt. Sieben Beschuldigte, die Vermieter und Betreiber des Callcenters, befinden sich in Haft. Das Verfahren solle an Indien abgegeben werden, sagte Retemeyer. Trotz des Ermittlungserfolges wollte er den deutschen Opfern keine Hoffnung machen. "Das Geld ist weg", meinte er.

dpa

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