Das Erbe von Hannovers Expo:

Luxus-Autohaus bis Abrissbirne

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Der ungenutzte polnische Pavillon der Expo 2000.

Hannover - Von Ralf E. Krüger. Mailands Expo 2015 wirft Fragen nach dem Erbe von Deutschlands erster und einziger Weltausstellung in Hannover 2000 auf. Was ist aus den Plänen einer sinnvollen Nachnutzung geworden? Vor Ort ergibt sich ein gemischtes Bild.

Anderthalb Jahrzehnte nach der ersten und einzigen deutschen Weltausstellung schlägt auf Hannovers Expo-Gelände die Stunde der Abrissbirne. Ende August soll dort nach jahrelangem Rechtsstreit der polnische Pavillon dem Erdboden gleichgemacht werden. Aus der Traum einer Vietnamesin, darin ein Veranstaltungs- und Kulturzentrum einzurichten.

„Wenn Polen abgerissen ist, hoffen wir hier auf neue Impulse für die Industrieansiedlung“, sagte Ingrid Wähler von Hannovers Expo-Museum. Das Gebäude mit der abblätternden Farbe wirkt ebenso verwahrlost wie Litauens einstiger Pavillon, ein futuristisch anmutender gelblicher Kubus. Vor der Korkfassade von Spaniens Pavillon wuchert das Unkraut.

Von Juni bis Oktober 2000 war die Welt in der Niedersachsen-Metropole zu Gast und sollte deren unscheinbaren Ruf nachhaltig aufpolieren. Die wiedervereinigte Nation wollte sich damals Menschen aus aller Herren Länder von ihrer besten Seite zeigen. Hannover verwandelte sich zunächst in eine Mega-Baustelle, nachdem das 1928 gegründete Internationale Ausstellungsbüro (Bureau International des Expositions, BIE) in Paris ihm den Zuschlag erteilt hatte.

Zum Start gab es dann nicht nur fantasievolle Pavillons, sondern auch eine Stadt mit runderneuerter Infrastruktur. Bei der Ausstellung selbst ging es nicht nur um gesellschaftspolitische Debatten, sondern auch um Prestige und Besucherzahlen. Was zunächst als Besucherflop startete, wurde dann kurz vor Ende der fünf Monate dauernden Expo doch noch zum Publikumsrenner. Erwartet wurden 40 Millionen - in der Realität kamen dann aber nur etwa 18 Millionen Besucher.

Heute ist vom Glanz der alten Expo-Tage auf dem Messegelände am Rande der Stadt kaum noch etwas zu sehen. Das architektonische Erbe des fünfmonatigen Ereignisses wirkt wie eine bunt zusammengewürfelte Kombination aus Universitäts-Campus, Industriegebiet, Brache sowie einem Nobel-Autohaus mit Ferraris.

Doch vom Wort Fehlplanung will Karsten Klaus nichts hören. Der Geschäftsführer der stadteigenen Expo Grund ist mit der Vermarktung der Flächen beauftragt und sieht die bisherige Nachnutzung durchaus als Erfolg.

„Die Nachfrage nach den Grundstücken ist durchaus gut“, sagt er. Zu Ostern hat er an der Straße der Nationen gerade wieder eins verkauft - sieben Hektar hat er jetzt noch im Angebot. Der dänische Pavillon steht gerade zum Verkauf. Klaus: „Für die meisten anderen Grundstücke haben wir Reservierungen.“ Allerdings gibt es noch ein halbes Dutzend verwilderter Problemstücke, räumt auch Klaus ein - und die sind alle in privater Hand.

Zu den verrottenden Überbleibseln der Weltausstellung gehört vor allem der holländische Pavillon - eine Problemecke, bei der Feuer immer wieder ein Problem darstellen. Der einem Unternehmer aus Rosenheim gehörende Bau steht seit Jahren leer. Das abgesperrte Gebäude galt lange als beliebtes Ziel von abenteuerlustigen Jugendlichen und Hobbyfotografen. Erst im Sommer 2014 sorgte ein Brand auf dem Pavillon für eine kilometerweit sichtbare Rauchwolke.

Auch beim türkischen Pavillon wüteten in der Vergangenheit bereits die Flammen. „Der gehört noch immer der Türkei“, sagt Klaus, der auf Probleme verweist, überhaupt Kontakt zu den Eigentümern herzustellen.

Hannover hatte gehofft, nach der Expo Internet- und Hightech-Firmen auf dem Gelände anzusiedeln - doch dann platzte die Dotcom-Blase. „Viele von den ursprünglichen Ideen sind mitgeplatzt, da sind so einige Erwartungen auf der Strecke geblieben“, sagt Wähler, die mit etwa zwei Dutzend Ehrenamtlichen im Expo-Museum („Exposeum“) die einstigen Glanzzeiten von Deutschlands einziger deutschen Weltausstellung in Ehren hält.

Jährlich rund 1000 Besucher spülen dem ehrenamtlichen Trägerverein gerade mal tausend Euro an Eintrittsgeldern in die Kasse. „Wir sind daher dringend auf der Suche nach Sponsoren“, sagt Wähler. Dem Rat der Stadt Hannover liege zudem ein Antrag auf finanzielle Unterstützung vor.

dpa

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