Ziel: Energieland Nr. 1

Energiewende in Niedersachsen: So steht‘s um Wärme und Strom mithilfe von Sonne, Wind und Biomasse

Die Energiewende ist in vollem Gange. Statt Kohle- oder Atomkraft kommen Wind, Sonne oder Biomasse zum Einsatz. Niedersachsen hat bis 2050 ehrgeizige Ziele - und die Bürger können mitmachen.

Das Land Niedersachsen ist einer der Vorreiter in Sachen erneuerbarer Energien. Spitzenreiter ist Niedersachsen bei der Windenergie. Die Lage und die Küste (für Offshore-Anlagen) bieten optimale Standorte. Für private Haushalte lohnen sich Fotovoltaikanlagen. „Niedersachsen ist längst das Windenergie-Land Nr. 1 - aber wir wollen darüber hinaus auch zum Energieland Nr. 1 in Deutschland werden“, sagte Energieminister Olaf Lies. Eine Schlüsseltechnologie soll der Wasserstoff sein.

Bundesland:Niedersachsen
Hauptstadt:Hannover
Fläche:47.709 Quadratkilometer
Einwohner:7.993.608
Gründung:1. November 1946

Im Koalitionsvertrag von SPD und CDU bezeichnet die aktuelle Landesregierung in Niedersachsen die Fortführung der Energiewende als eine gesellschaftliche Aufgabe, die eine besondere Innovationsleistung erfordere. Explizit genannt werden die Bereiche Biomasseproduktion, Solarenergie, Windenergie sowie Geothermie (Erdwärme). Unter anderem sollen dezentrale Betreiber- und Investitionsmodelle gefördert werden, unter anderem Genossenschaftsmodelle.

Effizienz geht der Landesregierung in Niedersachsen vor neuer Infrastruktur, vor allem in Kooperation mit den Kommunen des Landes sollen dahingehend Potenziale ausgeschöpft werden. Erklärtes Ziel ist ein Zusammenspiel aus Bürgerbeteiligung, Umweltschutz, schneller Planung und bundesweit sinkenden Energiekosten für die Verbraucher. Auch die Entwicklung von Speichertechnologien spielt für SPD und CDU eine besondere Rolle.

Windkraft: In Niedersachsen stehen mehr als 6.000 Windräder

Zum tatsächlichen Bestand von Windrädern in Niedersachsen liegen unterschiedliche Daten vor. Aufgrund unterschiedlicher Definitions- und Zählsystematiken unterscheiden sich die Quellen. Das Marktstammdatenregister (MaStR), in dem Windrad-Betreiber ihre Anlagen registrieren müssen, ist noch im Aufbau und soll bis Ende Januar 2021 mit allen Bestandsanlagen befüllt werden. Bis um Stichtag 30.6.2020 gab es in Niedersachsen 6.342 Windräder mit einer Leistung von mindestens 6.700 Megawatt (MW).

Weitere Windräder sind in Niedersachsen geplant und sollen die Energiewende beflügeln.

Die Bundesregierung hatte Mitte August das sogenannte Investitionsbeschleunigungsgesetz verabschiedet. Im Kern geht es um Verfahrensbeschleunigungen beim Bau von Windrädern. So soll erreicht werden, dass nicht jede Genehmigung vor einem Gericht landet und darum Jahre dauert.

Solaranlagen auf den Dächern Niedersachsens bieten großes Potenzial

Solaranlagen gehört zu den billigsten Möglichkeiten für private Haushalte ihren Beitrag zur Energiewende zu leisten. Allgemein lassen sie sich in zwei Bereiche einteilen: Solarthermie und Fotovoltaik. Solarthermie erzeugt Wärme, beispielsweise für die Nutzung von Warmwasser. Fotovoltaik erzeugt Strom.

Solarzellen können auf vielen Dächern montiert werden.

In Niedersachsen wurden bis Ende des Jahres 2016 etwa 3.600 Megawatt Windkraft-Leistung installiert. Bei einer mittleren jährlichen Volllaststundenzahl von 1.000 Stunden erzeugen die Fotovoltaik-Anlagen in Niedersachsen ca. 3,6 Milliarden Kilowattstunden – ein Anteil von etwa sechs Prozent am gesamten niedersächsischen Stromverbrauch. Umweltminister Olaf Lies sagte im Jahr 2019: „Die Flächen auf Haus- und Gewerbedächern warten darauf, mit Fotovoltaik bestückt zu werden, rein rechnerisch könnten hier bis zu 57 Gigawatt an Leistung installiert werden.“ Dies würde einen Stromertrag von 51 Mrd. kWh im Jahr bringen, das entspricht rein rechnerisch fast dem derzeitigen Bruttostromverbrauch in Niedersachsen.

Bundesweit haben Bürger einen Anspruch auf die Einspeisevergütung für Solarstrom, der ins öffentliche Netz gespeist wird. Die Höhe ist einheitlich und verringert sich Monat um Monat. Im August 2020 lag sie bei 8,9 Cent pro Kilowattstunde und fällt voraussichtlich im April 2021 unter 8 Cent pro Kilowattstunde. Für den Kauf von Solarstrom-Anlagen gibt es günstige Kredite von der KfW-Bank.

Biogasanlagen sorgen in Niedersachsen für Wärme im Klassenzimmer

1689 Biogasanlagen gibt es in Niedersachsen. Die meisten werden mit Mais und Gülle „gefüttert“. Biogasanlagen erzeugen - im Gegensatz zum Windrad - Wärme (in Form von Gas) und Strom. Biogasanlagen sind teilweise in örtliche Wärmekonzepte eingebunden. So werden ganze Ortschaften mit Biogaswärme beheizt ebenso wie Schulen, Turnhallen oder Seniorenheime.

Wasserstoff ist der Antrieb der Zukunft - Niedersachsen hat große Ziele

Die Bundesländer Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern eine gemeinsame „Norddeutsche Wasserstoffstrategie“  auf den Weg gebracht. Diesem Energieträger fällt - gerade für die Industrie - eine entscheidende Rolle beim Ausstieg aus der Welt fossiler Brennstoffe zu. Fachleute sprechen von der „Dekarbonisierung der Industrie“.

Neben grünem, gibt es grauen und blauen Wasserstoff. Grauer Wasserstoff wird in der Regel durch sogenannte Dampfreformierung aus Erdgas oder in Raffinerieprozessen aus anderen Kohlenwasserstoffen gewonnen. Dabei wird CO2 erzeugt und in die Atmosphäre ausgestoßen. Blauer Wasserstoff wird nach demselben Prinzip produziert, allerdings wird Kohlenstoffdioxid aufgefangen und gespeichert. Blauer Wasserstoff ist demnach CO2-emissionsfrei. Aktuell laufen zahlreiche Forschungsprojekte rund um den Wasserstoff.

Erdgas sorgt für viel Streit zwischen Bürgern und Industrie

Erdgas gehört nicht direkt zur Energiewende, denn Erdgas gehört zu den fossilen Energieträgern. In Rehden (Landkreis Diepholz) gibt es einen der größten unterirdischen Erdgasspeicher Westeuropas. In 2.000 Metern Tiefe kann der Jahresverbrauch von rund zwei Millionen Einfamilienhäusern gelagert werden. Bei Bohrungen treten manchmal Erdbeben auf. Diese rufen regelmäßig Bürgerinitiativen auf den Plan.

Geothermie in Niederaschsen: Erdwärme für das Eigenheim

Unter Geothermie versteht man die im Erdmantel gespeicherte Erdwärme. Die mittels Geothermie-Bohrung angezapfte Erdwärme kann als regenerative Energie zum Heizen, zum Kühlen, zur Stromerzeugung und für Geothermie-Kraftwerke (Kraftwärme-Kopplung) genutzt werden.

Für den privaten Gebrauch kommen Erdwärmepumpen zum Einsatz. Meist sind es Flächenkollektoren, die unter z. B. Rasenfläche gelegt werden. Als Alternative gibt es die Erdwärmesonden die tief in die Erde (bis zu 100 Meter) eingelassen werden. Wer eine Wärmepumpe in seinen Neubau integriert oder gegen eine alte Heizung tauscht, bekommt steuerliche Vorteile.

Allgemeine Info: Energiewende Niedersachsen

Als Energiewende wird gemeinhin der Übergang von der nicht nachhaltigen Nutzung von fossilen Energieträgern sowie der Atomenergie zu einer nachhaltigen Energieversorgung mittels erneuerbarer Energien bezeichnet. Ziel der Energiewende ist es, die von der Energieversorgung verursachten ökologischen und gesellschaftlichen Probleme auf ein Mindestmaß zu verringern. Die Energiewende ist für Niedersachsen mit besonderen Entwicklungschancen verbunden, die die Landesregierung gestaltet und nutzt. Der Umbau der Energieversorgung in Niedersachsen auf nahezu 100 Prozent erneuerbare Energiequellen bis zum Jahr 2050 ist eine technische, soziale und wirtschaftliche Herausforderung.

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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