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Energiepreise explodieren in Deutschland: Das macht Frankreich besser

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Von: Johannes Nuß

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Aufgrund der Ukraine-Krise sind die Energiepreise so hoch wie noch nie. Da werden Rufe nach einer staatlichen Regulierung lauter. Frankreich macht dies bereits.

Hannover/Berlin/Paris – Der Energiepreis kennt derzeit nur eine Richtung und die heißt steil nach oben. Die Spritpreise liegen aktuell jenseits der Zwei-Euro-Marke und auch die Heizölpreise explodieren mitten im Winter. Hauptgrund ist der Krieg in der Ukraine, der mittlerweile seit fast zwei Wochen tobt. Bereits im September war durch Branchenexperten vor enorm steigenden Energiepreisen gewarnt worden. Die Devise heißt inzwischen: richtig Stromsparen im Haushalt.

Energiepreise explodieren in Deutschland: Megawattstunde rund fünfzehnmal teurer als im März 2021

Aber auch ein in Erwägung gezogenes Ölembargo der USA gegen Russland treibt die Preise an den Energiebörsen besonders in Europa nach oben. Aktuell droht Russland gegenüber Europa mit einem Lieferstopp der Versorgung über die Pipeline Nord Stream 1. Aber schon zuvor hatte der Preis auf dem Energiemarkt mehr als heftig angezogen. Das Coronavirus hat die Situation alles andere als entschärft, eher das Gegenteil ist der Fall. Mit den Nebenkostenabrechnungen, die Ende des Jahres auf die Verbraucher zukommen, wird es mitunter zu heftigen Nachzahlungen kommen. Da sind sich die Experten einig.

Und die Preise sind derzeit wirklich enorm – die Energiepreise explodieren: So kostete am Montag, 7. März 2022, eine Megawattstunde rund fünfzehnmal mehr als noch vor einem Jahr. Auf bis zu 350 Euro stieg der Preis an der niederländischen Börse TTF, berichtet das Handelsblatt. Zum Vergleich: Im März 2021 hatte der Wert die 20 Euro-Marke nicht einmal überschritten. Das ist aktuell der weltweit höchste Preis. Energie war noch nie so teuer.

Energiepreise und Gaspreise in Deutschland: Preise ziehen nicht weltweit gleichzeitig mit an

Das Problem: Die Preise für Energie und Gas ziehen nicht an allen Energiebörsen weltweit gleichzeitig mit an. Die Folge: Unternehmen können die Preissteigerungen im Energiesektor nicht uneingeschränkt an den Verbraucher weiterreichen und bleiben auf den Kosten sitzen.

Da werden die Rufe nach einer stärkeren Regulierung des Energiemarktes lauter. Doch, ist der automatische Ruf nach mehr Staat und damit mehr Regulierung die optimale Lösung? Ein Eingriff in den Markt könnte ungewollte Effekte nach sich ziehen. Die extremen Preise aber erst gar nicht anzufassen ebenfalls.

Die Dax-Kurve der Frankfurter Wertpapierbörse zeigt fallende Kurse an.
Die Energiepreise an den Börsen in Europa explodieren zurzeit. (Archivbild) ©  Arne Dedert/dpa

Angesichts der drastisch gestiegenen Energiepreise fordert auch Niedersachsens Energieminister Olaf Lies (SPD) weitergehende Entlastungen der Bürgerinnen und Bürger. Alle derzeit diskutierten Maßnahmen für eine Bremse der Energiepreissteigerungen, wie etwa die Senkung der EEG-Umlage auf null, eine Diversifizierung der Beschaffungsquellen sowie der Ausbau der Erneuerbaren reichten nicht aus. „Wir sollten kurzfristig über einen Energiepreis-Schutzschirm für die Verbraucherinnen und Verbraucher und die Wirtschaft nachdenken“, sagte Lies dem „Handelsblatt“.

Hohe Energiepreise und Heizölpreise in Deutschland: Versorgungsprobleme kommen noch hinzu

Derzeit kämen zwei Probleme zusammen, erläuterte der Minister. Zu den ohnehin stark steigenden Preisen der vergangenen Monate komme nun auch ein mögliches Versorgungsproblem hinzu. Das treibe die Preise weiter. Daher müsse der Schutzschirm kurzfristig greifen. Die Ukraine-Krise bringe noch einmal „eine ganz neue, negative Dynamik“. Nach Lies‘ Vorstellung muss ein Energie-Schutzschirm dafür sorgen, dass die aktuellen Preissteigerungen zumindest gedämpft werden. „Dafür müssen wir einen entsprechenden Mechanismus entwickeln, mit einem gestaffelten Ausgleichssystem“, sagte der SPD-Politiker.

Das sieht in weiten Teilen auch die Wirtschaft so. Das Wort Produktionsausfälle wird zwar noch vermieden, aber reduziert wird bereits in einigen Bereichen. Und das nicht erst seit Beginn des Krieges in der Ukraine. „Je weiter die Preise steigen, desto größer wird der Kreis der Unternehmen, die ihre Produktion herunterfahren müssen“, zitiert das Handelsblatt den Branchenexperten Fabian Huneke von der Energiemarktforschung Energy Brainpool.

Steigende Energiepreise und Gaspreise in Deutschland: Das macht Nachbarland Frankreich besser

Was Deutschland noch fordert, hat das Nachbarland Frankreich schon umgesetzt. Bereits im vergangenen Oktober, als die erste Preiswelle auf dem Energiemarkt die Bürgerinnen und Bürger schockte, setzte man einen Deckel auf die Preise für den Endverbraucher. Die Preise wurden kurzfristig noch einmal um 12,6 Prozent erhöht und dann eingefroren.

Man befürchtete ein erneutes Erstarken der Gelb-Westen und damit neue gewaltvolle Proteste auf den Straßen. Besonders mit Blick auf die anstehenden Präsidentschaftswahlen würde dies Bilder produzieren, die einer erneuten Präsidentschaft von Emmanuel Macron im Wege stehen könnten. Der erste Wahlgang um den Chefposten im Élysée-Palast findet in gut viereinhalb Wochen am 10. April 2022 statt.

Die Strompreise in Frankreich werden nach dem Beschluss von Oktober zwischen Februar 2022 und Februar 2023 um nicht mehr als 4 Prozent erhöht. Würde man diesen Deckel nicht draufsetzen – und da sind sich die Branchenexperten einig – wäre ein Anstieg um 20 Prozent durchaus möglich. * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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