Gynäkologische Erkrankung

Endometriose: Beziehungen auf dem Prüfstand – „Tut mir weh, sie so zu sehen“

Endometriose gehört zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen bei Frauen. Für eine Partnerschaft kann die Krankheit nach der Diagnose zur Belastung werden.

„Ich leide mit ihr“, sagt Stephan Erkelenz. Auch, wenn er die Schmerzen seiner Partnerin nicht spürt, ist die Situation für ihn nicht einfach. Seine 44-jährige Partnerin Monika hat Endometriose, seit fünf Jahren sind die beiden ein Paar. Beide leben in München und haben den Wunsch, anonym zu bleiben.

„Wenn sie mit Krämpfen im Bett liegt und nicht aufstehen kann, kümmere ich mich um sie. Mittlerweile plane ich das auch in meinen Arbeitsalltag ein, nehme mir dann morgens zwei Stunden Zeit“, sagt der 44-Jährige. Weil die beiden getrennte Wohnungen haben, sei dies nicht immer einfach. „Zur Post, einkaufen - wenn es ihr schlecht geht, springe ich ein. Auf Zuruf ist das manchmal etwas herausfordernd“, sagt Stephan. „Ich mache das alles jedoch sehr gerne für sie.“

  • Endometriose ist eine weit verbreitete Krankheit, die mit starken Schmerzen einhergeht. In unserem Artikel sprechen wir bewusst nicht nur Frauen, die Endometriose haben. Denn nicht nur Cis-Frauen können darunter leiden, sondern auch Transpersonen.

Endometriose und Beziehung: Krankheit kann gemeinsames Leben stark verändern

Jede zehnte Frau leidet an Endometriose – was unbehandelt zu Unfruchtbarkeit führen kann. Anna Wilken* hat einen Weg gefunden, mit der Krankheit umzugehen – und will Betroffenen Mut machen.

Unternehmungen, gemeinsame sportliche Aktivitäten und Urlaube seien nur schwer planbar. „Die Lebensqualität in unserer gemeinsamen Freizeit ist dadurch definitiv beeinträchtigt“, sagt der 44-Jährige. Auch die Wochenenden seien schwer planbar, weil es immer sein könnte, dass sie sich seine Partnerin nicht gut fühlt.

Personen mit Endometriose leiden oft unter starken Periodenschmerzen.

Diagnose Endometriose: Ein Lernprozess für den Partner – „dachte so typisch Frau“

Für ihn als Partner sei es ein Lernprozess. „Zu Beginn habe ich richtig machomäßig reagiert und dachte so typisch Frau, überempfindlich. Ich konnte es nicht nachvollziehen und wusste auch gar nicht, was sie hat. Mir fehlte die Empathie. Auch die Stimmungsschwankungen nicht auf mich zu beziehen fiel mir schwer“, sagt er. Bei Ärztinnen wurden ihre Beschwerden zunächst abgetan. Wie etwa bei Susanne, die schon seit ihrer Jugend mit Endometriose kämpft*.

„Lange hat sie nicht darüber gesprochen, weil es ihr unangenehm war. Sie hat dann einfach Dates abgebrochen, ohne zu sagen, was los ist.“ Seine Reaktionen hätten die Beziehung auf den Prüfstand gestellt. „Erst als klar war, dass meine Partnerin Endometriose hat, haben wir es in den Griff bekommen. Hätte ich nicht die Reife, wäre ich bestimmt davon gelaufen“, sagt er. Kommunikation sei seitdem besonders wichtig.

Beziehung auf dem Prüfstand: „Es tut mir weh, sie so zu sehen“

Frauen mit Endometriose können oft keine Kinder bekommen. Doch das Thema war den beiden auch schon zu Beginn der Beziehung nicht wichtig. Für sie war klar, dass sie gemeinsam keine weiteren Kinder haben wollen. „Einer Freundin von uns hat schon Partner verloren, als sie geäußert hat, dass sie keine Kinder bekommen kann“, sagt Stephan.

Der 44-Jährige habe durch die Krankheit seiner Freundin mehr Feingefühl entwickelt. „Ich kann mich mehr einfühlen. Ich erlebe es mit und leide mit. Es tut mir weh, sie so zu sehen“, sagt er.

So können Angehörige und Freunde mit betroffenen Personen umgehen

  • 1. Die Person mit Endometriose ernst nehmen.
  • Vielen betroffenen Personen hilft es, wenn Angehörige Verständnis für das Ausmaß der Beschwerden haben.
  • 2. Negative Gefühle zulassen.
  • Die Beschwerden betreffen Partner zwar nicht direkt, doch die Auswirkungen auf das gemeinsame Leben tragen beide. Gefühle wie Zorn über die Situation, Verzweiflung und Hilflosigkeit gehören dazu. Es ist wichtig, den eigenen Gefühlen und Problem trotzdem genug Raum zu geben. Aus Sorge, ihre Frau noch mehr zu belasten, lassen Männer oft vieles unausgesprochen und ungeklärt. Vielen Partnerinnen und Partnern gelingt es mit der Zeit, mit der neuen Situation klarzukommen.
  • 3. Unterstützung im Alltag.
  • Auch eine Entlastung im Alltag und im Haushalt kann hilfreich sein. Ruhezeiten ermöglichen und eine Schulter zum Anlehnen zu bieten, ist viel wert. Auch Ablenkung kann helfen, durch Gespräche, gemeinsame Spaziergänge, gemeinsames Musik hören oder Fernsehen.
  • 4. Das Positive in den Fokus stellen.
  • Offenheit ist wichtig. Jedoch sollten nicht die Krankheit und ihre Folgen im Vordergrund stehen, sondern das Erfüllende des gemeinsamen Lebens.
  • 5. Wenn es nicht mehr geht: Hilfe holen und annehmen.
  • Wer mit der Erkrankung nur schlecht umgehen kann, sollte sich Unterstützung von außen holen – zum Beispiel durch eine psychologische Beratung oder eine Selbsthilfegruppe.

Quelle: Gesundheitsforum

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Rubriklistenbild: © Christin Klose/ dpa

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