Corona-Lockerungen in Niedersachsen und Bremen

Corona-Lockerungen: Welche Clubs öffnen – und welche geschlossen bleiben

Weil die Corona-Inzidenz in vielen niedersächsischen Städten mittlerweile stabil unter 35 ist, dürfen Clubs wieder öffnen. Doch die wenigsten machen das auch.

Hannover - Endlich mal wieder feiern und tanzen gehen? Das könnte in Niedersachsen schon bald wieder möglich sein. Am Sonntag hat die niedersächsische Landesregierung eine neue Corona-Verordnung erlassen. Diese sieht unter anderem vor, dass Clubs, Diskotheken und Bars bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 35 öffnen dürfen.

Welche Diskotheken wollen öffnen?

Voraussetzung ist, dass die Inzidenz in dem Landkreis oder der Stadt stabil ist. Das heißt, dass diese mindestens fünf Werktage am Stück unter 35 liegt. Das ist in einigen niedersächsischen Städten und Landkreisen seit mehreren Tagen der Fall.

Für den Clubbesuch wird ein negativer Corona-Test verlangt. Anders als ursprünglich geplant, gilt eine Maskenpflicht auch beim Tanzen.

Laut der aktuellen Corona-Verordnung dürfen Betreiber von Clubs und Discos nur die Hälfte ihrer üblichen Kapazität nutzen. Doch nur wenige Clubs planen tatsächlich schon damit. Die Stimmung unter den Betreiberinnen ist gemischt.

Endlich wieder feiern gehen: Das sind die Pläne vom „Cubes“ in Oldenburg

Die Oldenburger Clubs „Cubes“, „Gesellig“ und der „Loft Club“ wollen erst Anfang August wieder öffnen, sagte Veranstaltungskaufmann Christian Kemper-Hildebrandt der Kreiszeitung. „In der Zwischenzeit werden wir neue Konzepte entwickeln und kleinere Umbaumaßnahmen durchführen.“

Der Schutz der Mitarbeiter und der Gäste steht an allerhöchster Stelle.

Geschäftsleitung vom „Cubes“ in Oldenburg

Die Geschäftsführung und die leitenden Angestellten hätten lange darüber nachgedacht, die Clubs zeitnah zu öffnen. Sie seien aber zu dem Entschluss gekommen, dass es zu früh wäre.

„Der Schutz der Mitarbeiter und der Gäste steht an allerhöchster Stelle. Die Inzidenzzahlen sind derzeitig sehr valide und es könnte immer zu kleineren Ausbrüchen kommen“, heißt es im Statement bei Instagram.

Clubs in Niedersachsen öffnen wieder: So sieht es im „Janssens Tanzpalast“ in Cuxhaven aus

Für Clubbetreiber Eric Janßen kam die neue niedersächsische Verordnung zu den Corona-Lockerungen überraschend. „Wir sind noch mit dem Landkreis im Dialog, um ein Hygiene-Konzept aufzubauen“, sagt der Betreiber von Janssens Tanzpalast in Cuxhaven. Geplant ist eine Teststraße vor dem Club.

Den Lockdown habe das Team genutzt, um Bauarbeiten umzusetzen. „Eine große Baustelle bremst uns aktuell noch aus. Sobald das alles abgearbeitet ist, geht es los“, sagt Janßen. In den nächsten acht Wochen, also frühestens im Juli könnte die Diskothek also wieder öffnen. Ein konkretes Datum steht noch nicht fest.

Wir wollen es sehr gewissenhaft angehen, denn wir haben eine große Verantwortung.

Eric Janßen, Betreiber von Janssens Tanzpalast in Cuxhaven

Nach dem Stufenplan 2.0 müssen Besucherinnen und Besucher einen negativen Test vorlegen. Eine Maske ist nicht verpflichtend, „drinnen kann getanzt und an der Bar getrunken werden“. Es gelte eine Kapazitätsgrenze von 50 Prozent, die genauer Personenzahl müsse er noch mit dem Landkreis absprechen. „Wir überlegen auch, einen kleinen Außenbereich aufzumachen“, sagt Janßen. Mit den Bestimmungen könne der Betreiber gut leben.

„Wir wollen es aber sehr gewissenhaft angehen, denn wir haben eine große Verantwortung.“ Deshalb müsse die Wiedereröffnung gut geplant werden. Das letzte Jahr sei für den Clubbetreiber und seine Mitarbeitenden den Umständen entsprechend ernüchternd gewesen. „Wir haben viel erneuert und die Zeit genutzt. Aber sonst war es einsam.“ 

Neue Corona-Lockerungen: Das plant das „Amadeus“ in Oldenburg

Das Amadeus in Oldenburg wird in nächster Zeit vorerst nicht seine Türen für Partygäste öffnen. „Bei uns trudeln gerade etliche Nachrichten ein. Alle wollen wissen, ob wir wieder öffnen. Aber so leicht ist das nicht“, sagt Jan Thie, Betriebsleiter des Amadeus. Öffnen würde er gerne, wenn dann aber strukturiert. Nicht übers Knie brechen, das kann nach hinten losgehen, meint er.

„Der Aufwand wird unterschätzt. Es ist nicht einfach Tür auf und alles geht ganz normal weiter.“ Auflagen wie eine intakte Lüftungsanlage müssten erfüllt und dafür auch Geld investiert werden. „Das ist nicht innerhalb von einer Woche erledigt.“ Aktuell dürften zudem nur etwa 150 Personen in den Club, normalerweise passen 350 bis 400 Menschen rein. „Wir müssen auch wirtschaftlich denken“, sagt er. Er rechnet nicht damit, dass er seinen Club nicht vor August öffnen wird, tendenziell eher im September.

Lockerungen in Niedersachsen: Das plant das „Sonnendeck“ in Osnabrück

„Gestern kam überraschend die Nachricht, dass wir wieder öffnen dürfen. Wir freuen uns mega, dass die Zahlen in der Stadt wieder heruntergegangen sind. Aber wir sehen es einfach nicht, dass wir die Clubs als totale Hauruck-Aktion wieder öffnen und damit alles wieder in Gefahr bringen“, heißt es in einem Video-Statement auf dem Instagram-Kanal vom Sonnendeck. Deshalb bleibt der Laden vorerst geschlossen.

Clubs öffnen wieder? So sieht es in Bremen aus

Die Regierung in Bremen hat den Clubbetreibern noch kein konkretes Signal gegeben, was bei einer Inzidenz unter 35 passiert. „Wir würden gerne wieder öffnen, noch gibt es keine aber seitens der Politik keine klare Aussage. Wir haben bisher auch keine Antwort auf das Hygienekonzept bekommen. Wir wissen auch nicht, wie viele Leute überhaupt rein dürfen oder wie das Lüftungskonzept aussehen soll“, sagt Sascha Lembke, der alsm Haustechniker im Modernes in Bremen arbeitet.

Für August habe das Modernes das erste Konzert geplant. Discoveranstaltungen seien aber noch nicht in Planung. „Das wird noch länger dauern. Ich persönlich glaube nicht dran, dass es in diesem Jahr noch etwas wird. Aber wer weiß, wir können nur abwarten“, sagt Lembke.

Feiern wie vor Corona? Die Politik in Niedersachsen lässt es zu. Einige Clubbetreiber können sich das noch nicht vorstellen.

Der Geschäftsführer der Lila Eule, Michael Pietsch, geht davon aus, dass sich die Verordnungen in Bremen ähnlich entwickeln wie in Niedersachsen. Eine konkrete Öffnung ist jedoch noch nicht geplant.

Für nur die Hälfte der Besucherinnen den Club zu öffnen, sei für den Club im Bremer Viertel „vollkommen unwirtschaftlich“. Eine Insolvenz könnte mangels Rücklagen dann innerhalb von wenigen Monaten anstehen, sagt der Geschäftsführer. „Weder die Mitarbeiter noch unsere Zielgruppe sind aktuell geimpft“, sagt der Clubbetreiber. Weil an der Tür keine Tests gemacht werden könnten, sei die Gefahr groß, dass sich die Partygäste auf dem Weg zum Club infizieren.

„Die Inzidenzen sind viel zu hoch angesetzt und könnten schnell wieder explodieren. Letztes Jahr lagen die Grenzwerte viel niedriger und trotzdem setzte die nächste Welle ein“, meint Pietsch. „Für uns macht nur eine vollständige Immunisierung oder eine sehr niedrige Inzidenz Sinn.“

Corona-Lockerungen in Niedersachsen: Das planen Clubs in Hannover

Das RP5 in Hannover ist da sicherer: „Hier werden wir Freitag und Sonnabend öffnen, wenn die Inzidenz das zulässt“, sagte Betreiber Martin Polomka der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ). Nach den aktuellen Bestimmungen seien 300 Gäste erlaubt. Zwar sei es so wirtschaftlich nicht rentabel. „Wir wollen aber einfach loslegen“, sagt Polomka.

Das Kulturzentrum Faust in Hannover wird dieses Wochenende geschlossen bleiben. Nach Meinung von Faust-Sprecher Jörg Smotlacha kam die Entscheidung des Landes, Bars und Clubs bei einer Inzidenz unter 35 wieder zu öffnen, unerwartet schnell.

Gerade die Planung von Konzerten bräuchte eine längere Vorlaufzeit. Hier wollten sich die Veranstalter bemühen, bereits geplante Veranstaltungen nicht weiter zu verschieben. „Wir freuen uns, dass Kultur wieder sichtbarer wird.“

Anders sieht es bei Konzerten und Festivals aus: Viele Veranstalter setzen auf Open-Air-Reihen im kleinen Format.

Aktualisiert am 8. Juni 2021 um 08:42 Uhr

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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