Atomausstieg in Deutschland

Ende einer Ära: Atomkraftwerk Grohnde geht an Silvester vom Netz

Am 31. Dezember wird das Atomkraftwerk Grohnde stillgelegt.
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Dampf steigt aus den Kühltürmen des Atomkraftwerks Grohnde auf. Nach rund 36 Jahren geht das Kernkraftwerk im Weserbergland bei Hameln am 31. Dezember 2021 endgültig vom Netz.

Nach fast 37 Jahren ist im Atomkraftwerk Grohnde Schluss: Der Meiler geht vom Netz. Doch mit der Abschaltung beginnt der lange Prozess des Rückbaus.

Grohnde – Es gab eine Zeit, in der Atomkraft als eine der großen Revolutionen im Energiesektor des 20. Jahrhunderts angesehen wurden. Durch eine kontrollierte Kernspaltung erzeugen Atomkraftwerke überall auf der Welt elektrische Energie, doch seit ihrer Inbetriebnahme lösen Kernkraftwerk Proteste und Widerstand aus. Während beispielsweise in Frankreich weitere Kernreaktoren gebaut werden, ist in Deutschland der Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen. Spätestens Ende 2022 soll der letzte Atommeiler vom Netz gehen. Im Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen ist es jetzt schon so weit: Pünktlich mit dem Jahreswechsel soll beim Atomkraftwerk Grohnde Schicht sein.

Deutsches Land:Niedersachsen
Fläche:47.614 km²
Bevölkerung:7,982 Millionen (2019)
Hauptstadt:Hannover

Nach fast 37 Jahren: Kraftwerk Grohnde wird vom Netz genommen

Seit fast 37 Jahren wurde im Kraftwerk Grohnde Strom produziert, der Reaktor am Weser-Ufer galt als einer der leistungsstärksten weltweit, teilte das Niedersächsische Umweltministerium mit. Nun also das Ende im Zuge des Atomausstiegs – und der Ausbau alternativer Energiequellen. Doch der Stecker kann nicht einfach gezogen werden: Wenn das Atomkraftwerk in der Silvesternacht vom Netz geht, beginnt der langwierige Prozess des Rückbaus der Einrichtung. Wie die Kraftwerkssprecherin Maya Kushewa sagte, soll bis Ende März 2022 der Reaktordruckbehälter frei von Brennelementen sein.

In weiteren Schritten sollen die kommenden Wochen und Monate genutzt werden, um den weiteren Rückbau vorzubereiten und bereits Bauteile zu reinigen. Hierfür werden noch 239 Mitarbeiter von zuletzt etwa 300 Beschäftigten von Kraftwerksbetreiber Preussenelektra bis Ende 2022 am Rückbau mitarbeiten. Der eigentliche Rückbau und Abriss soll Anfang des Jahres 2023 beginnen – sobald die entsprechende Genehmigung vorliegt. „Das erste Rückbau-Großprojekt wird die Demontage der Einbauten des Reaktordruckbehälters sein“, sagte Kushewa. Insgesamt wird der gesamte Rückbau mindestens 15 Jahre in Anspruch nehmen. Während sich Deutschland von der Atomkraft verabschiedet, sorgt das Gasprojekt Nord Stream 2 für weitere Probleme.

Ende von Atomkraftwerk Grohnde: Für Silvester Kundgebung von Atom-Gegnern geplant

Für die Angestellten gehe eine Ära zu Ende, sagte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) kürzlich bei einem Ortsbesuch. Auch wenn er den Abstieg Deutschlands aus der Atomenergie für richtig halte, dürfte man nicht vergessen, dass die Angestellten in Grohnde großartige Leistungen beim Betrieb des AKW erbracht hätten. Atomkraft-Gegner würden das wohl anders sehen: Am 31. Dezember wollen sie in der Nähe des AKW im Rahmen einer Kundgebung dabei zusehen, wie das Kraftwerk abgeschaltet wird. „Wir sind in erster Linie froh, dass Grohnde nun endlich vom Netz geht – auch wenn uns 15 Jahre Rückbau bevorstehen“, sagte Dieter Kölkebeck vom Anti-Atom-Plenum Weserbergland (AAPW).

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Zum Jahresende geht aber nur das AKW Grohnde vom Netz. Im Zuge des Atomausstiegs wird zum Jahresende auch je ein Meiler in Schleswig-Holstein sowie in Bayern abgeschaltet. Während dem langen Rückbauprozess im Landkreis Hameln-Pyrmont soll die Bevölkerung weiter eingebunden werden – pandemiebedingt allerdings nur online. Nach Einschätzung von Britta Kellermann (Grüne), Mitglied der „Regionalkonferenz AKW Grohnde abschalten“, ist das aber ungenügend. Die reine Onlineeinbindung, ohne die Möglichkeit einer persönlichen Erörterung wie etwa durch Videokonferenzen, berge viel Raum für Missverständnisse, sagte sie. Doch nicht nur der Atomaustieg in beschlossene Sache: Die neue Bundesregierung will auch den Kohleausstieg beschleunigen.

Atomausstieg in Deutschland: Noch ist die Atomkraft wichtiger Energieträger für Stromproduktion

Wenn die Meiler in Grohnde sowie in Schleswig-Holstein (Brokdorf) und Bayern (Gundremmingen C) vom Netz gehen, bleiben nur noch drei Reaktoren in Deutschland übrig – und auch dort gehen Ende 2022 die Lichter aus. Noch ist die Atomkraft aber ein wichtiger Energieträger für die Stromproduktion – und hat damit einen maßgeblichen Einfluss auf die Strompreise. Durch die planmäßigen Abschaltungen an Silvester rechtet Energiemarktexperte Johannes Wagner nicht damit, dass in Deutschland zum Jahresende zu wenig Strom vorhanden ist. „Die Abschaltung steht schon lange fest, sodass die Märkte grundsätzlich darauf vorbereitet sind“, sagte Wagner vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln (EWI) der Deutschen Presse-Agentur.

Die Stromerzeugung, die nun wegfalle, könne seiner Einschätzung nach über andere Kraftwerke in Deutschland oder über den Außenhandel ausgeglichen werden. „Ein Teil wird deshalb bei weiterem Ausbau der Wind- und Fotovoltaik-Kapazitäten über erneuerbare Energien ausgeglichen werden.“ Zusätzlich würden mehr Kohle- und Gasverstromung sowie mehr Stromimporte beziehungsweise weniger Stromexporte die Differenz ausgleichen, so Wagner weiter. Wie die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen mitteilte, kamen 11,8 Prozent des 2021 in Deutschland erzeugten Stroms aus Kernkraft. Zuletzt sind die Verbraucherpreise für Gas und Strom in Deutschland deutlich gestiegen. (Mit Material der dpa) *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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