Ende des Flugzeugbaus in Lemwerder in Sicht

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Die meisten der rund 300 Mitarbeiter Aircraft Services Lemwerder sollen in anderen Werken arbeiten.

Lemwerder - Im nächsten Jahr hätten die Flugzeugbauer in Lemwerder vor den Toren Bremens 75 Jahre Luftfahrtgeschichte feiern können. Doch der EADS-Konzern will seine Flugzeugwerft ASL Aircraft Services Lemwerder GmbH zum Jahresende stilllegen, Gebäude und Hallen verkaufen.

Die meisten der rund 300 betroffenen Mitarbeiter sollen von den Premium Aerotec Werken Varel (Kreis Friesland) und Nordenham (Kreis Wesermarsch) übernommen werden. So könnten die Beschäftigten weiterhin im Luftfahrtbereich arbeiten, sagte ein Sprecher von der EADS Defence & Security am Mittwoch. Doch die Stimmung in der Belegschaft ist gedrückt. „Sie sind enttäuscht. Man hat uns hier mal eine lange Zukunft versprochen“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Friedhelm Neumann.

„Das ist ein herber Verlust für die Region“, sagte der Bürgermeister von Lemwerder, Hans-Joachim Beckmann. „Für Lemwerder war der Flugzeugbau immer die Nummer eins.“ Beckmann selbst hat vor 30 Jahren dort gelernt. Letztlich werde aber jetzt das vollzogen, was in den 90er Jahren schon einmal geplant war, sagt der SPD-Politiker. 1994 verhinderte der damalige Niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder (SPD) das Aus. Das Land übernahm nach zehnmonatigem zähen Ringen die zur Deutschen Aerospace AG (München) gehörende Flugzeugwerft. Zehn Jahre später übernahm EADS dann die Mehrheit. Lemwerder sollte ein militärischer Standort unter anderem für den Eurofighter werden.

Gründe für die beabsichtigte Schließung sind nach Angaben von EADS der Rückgang des Geschäfts im Tornado- und Transallprogramm sowie steigender Druck zu mehr Effizienz bei der Komponentenproduktion für die den Militärtransporter Airbus A400M und den Eurofighter. „Wir sehen die langfristigen Aussichten für ASL problematisch“, sagte der EADS-Sprecher. Bürgermeister Beckmann versteht das ebenso wenig wie der Betriebsratschef. „Wenn man das Werk hätte loswerden wollen, hätte man es an Premium Aerotec angliedern und als Werkstatt behalten können“, meinte Beckmann. Und Neumann betonte: „Wir sehen keine Notwendigkeit zur Schließung. Vor sechs Jahren hat man uns was anderes erzählt.“

EADS plant, die Hallen, Gebäude und Infrastruktur an SGL Rotec zu verkaufen. Der zur SGL Carbon Group (Wiesbaden) gehörende Windkraftanlagenbauer hat seinen Betrieb direkt am ASL-Werksgelände und will expandieren. „Die Vertragsverhandlungen laufen“, sagte der EADS-Sprecher. SGL beabsichtige etwa 40 ASL-Mitarbeiter zu übernehmen.

Offen ist für EADS nur noch der Verbleib der etwa 40 Verwaltungskräfte. „Unser Ziel ist es, für alle Mitarbeiter eine annehmbare Lösung zu finden“, sagte der Sprecher. Das fordert auch der Betriebsrat. Demnächst beginnen die Verhandlungen über Sozialplan und Interessensausgleich. Die Konzernpläne sind nach Ansicht Neumanns „unfair“ gegenüber Belegschaft und Betriebsrat. „Das ist kein Zukunftskonzept. Die Mitarbeiter können gnädigerweise an anderen Standorten weiterarbeiten.“

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