40 Jahre kommunaler Zweckverband

Ems-Dollart-Region ist ein Europa im Kleinen

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Der damalige Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und sein niederländischer Amtskollege Bert Koenders beglückwünschen sich 2014 an Bord des Mehrzweckschiffes "Neuwerk" auf der Ems zwischen Emden (Niedersachsen) und dem niederländischen Delfzijl zu dem kurz zuvor unterzeichneten Vertrag, der Probleme im Grenzverlauf in der Ems-Dollart-Region regeln soll.

Papenburg - Die Niederlande sind nicht nur der größte Außenhandelspartner Niedersachsens, sondern auch ein enger Nachbar. Seit 40 Jahren bemüht sich der kommunale Zweckverband Ems-Dollart-Region (EDR), dass das Zusammenleben zwischen Deutschen und Niederländern in der gemeinsamen Grenzregion besser wird und Hürden abgebaut werden.

„Wir sind heute ein ganzes Stück weiter gekommen“, sagt Hermann Wessels, der als Geschäftsführer bei der EDR grenzüberschreitende Projekte betreut. In der Grenzregion zeige sich Europa im Kleinen: Es gebe viele Verbindungen zwischen den Ländern, aber auch noch viele Unterschiede. Am Mittwoch wird in Papenburg das 40-jährige Bestehen gefeiert. 

Wozu ist die Ems-Dollart-Region gegründet worden?
Die Ems-Dollart-Region ist 1977 gegründet worden. Die Geschäftsstelle ist im niederländischen Bad Nieuweschans. Ihr gehören 100 öffentlich-rechtliche Organe als Mitglieder an. Sie versteht sich als eine Institution, die in Ostfriesland, dem Emsland und dem Cloppenburger Raum auf niedersächsischer Seite und den Provinzen Groningen, Drenthe und Friesland auf niederländischer Seite Kontakte, Netzwerke und Kooperationen fördern will. 

Eine Tätigkeit ist zum Beispiel die Grenzpendlerberatung. Wie finanziert sie sich?
Neben Beiträgen der Mitglieder finanzieren die niederländischen Provinzen und das Land Niedersachsen den Zweckverband. Auch Gelder der Europäischen Union im Zuge der „Interreg“-Programme fließen in die Arbeit. Niedersachsen stellt in den Jahren 2014 bis 2023 Finanierungsmittel von mehr als 25 Millionen Euro bereit, um das Miteinander in der Grenzregion zu fördern. 

Vor welchen Herausforderungen steht die Grenzregion heute?
In den vergangenen Jahren herrschte auf deutscher Seite Fachkräftemangel, während in den Niederlanden die Arbeitslosigkeit relativ hoch war. Das sorgte dafür, dass deutsche Unternehmen versucht haben, niederländische Arbeitnehmer anzuwerben. In geringem Maße hat das auch geklappt, aber eine jüngst veröffentlichte Studie zeigte, dass der Arbeitsmarkt beider Länder noch sehr unterschiedlich ist. Nicht nur unterscheiden sich die Ausbildungen, auch Unterschiede im Steuer- und Sozialversicherungssystem stellen Hürden dar - und nicht zuletzt auch die unterschiedliche Sprache. 

Wird es irgendwann einen einheitlichen Arbeitsmarkt geben?
Davon sei nicht auszugehen, sagt Wessels. Es gehe aber auch nicht darum, alle Unterschiede zwischen den Ländern einzuebnen. „Es wird immer Unterschiede geben. Die sind über Jahrhunderte entstanden, und die kann man nicht in ganz Europa gleich machen“, sagt er. Dennoch biete die Grenzregion für Arbeitnehmer und Unternehmer viele Chancen, die sich mit den notwendigen Informationen auch nutzen ließen. 

Wie steht es mit der Sprache?
An vielen Schulen der Region gibt es schon sehr lange Unterricht der jeweiligen Nachbarsprache, aber nicht durchgehend. Eine niederländische Regierungskommission habe festgestellt, dass die Provinzen das Deutsch-Lernen fördern sollte. Daraufhin habe die EDR eine Projektinitiative gestartet, die in beiden Ländern Sprachlernangebote in den Grundschulen unterstützen soll. 

Reicht es nicht, wenn beide Seiten Englisch sprechen?
In großen Unternehmen und bei Kooperationen von Hochschulen kann das reichen. „Aber im Handwerk und auf der Straße reicht das nicht“, sagt Wessels. Auch die Einzelhändler hätten gesehen, dass es bei den Kunden gut ankomme, wenn sie im Nachbarland in ihrer Muttersprache begrüßt werden: „Dazu brauchen wir Sprachkurse.“ 

Geht es nur um Arbeit, Wirtschaft und Ausbildung?
Nein, ganz wichtig ist auch der kulturelle Austausch. „Sie müssen auch kulturell das Nachbarland erleben können“, sagt Wessels. Konzerte, Ausstellungen, andere Kulturveranstaltungen seien daher unverzichtbar, das Nachbarland besser verstehen zu können.

dpa

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