Fantasiestaat im Grenzgebiet beschäftigt Behörden

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Im Grenzgebiet zwischen den Niederlanden und Deutschland im Europark bei Coevorden/Niederlande schauen sich Besucher am 26.11.2015 das Camp "Wonderland" auf einem Landstrich zwischen beiden Staaten an.

Coevorden/Emlichheim - Als Niemandsland bezeichnen zwei Besetzer einen Landstreifen an der deutsch-niederländischen Grenze und haben den Fantasiestaat „Wunderland“ ausgerufen. Eine diplomatische Anerkennung nach dem Völkerrecht erscheint jedoch unwahrscheinlich.

Zwei Wohnwagen, zwei Männer und ein Hund mitten in einem Gewerbegebiet: Ist das illegales Camping oder eine neue Staatsgründung? Zwei Niederländer haben einen kleinen Landstreifen mit Fähnchen abgesteckt und den Fantasiestaat „Wunderland“ ausgerufen. Dort solle ein Gegenmodell zu bisherigen Lebensformen entstehen, haben die beiden einzigen Bewohner in einer Art Verfassung niedergeschrieben. Das 3000 Quadratmeter große Gebiet liege genau zwischen den beiden Staatsgrenzen, sagten sie am Donnerstag. Die kuriose Staatengründung stößt jedoch bei den angrenzenden Gemeinden Coevorden (Niederlande) und Emlichheim (Deutschland) auf Ablehnung.

„Was würden Sie tun, wenn Sie die Möglichkeit haben, in einem Stück Niemandsland ihr eigenes Land zu schaffen?“, werben die Aktivisten von „Wunderland“ für ihre kuriose Aktion. Die Bewohner könnten ihre eigenen Regeln erfinden und ihr eigenes Geld verdienen, ohne nur an den Profit zu denken. „Wir wollen mit ganz wenigen Gesetzen auskommen“, erklärte Yoshi Livo die Idee, „im Zusammenleben stellen wir Teile des gesellschaftlichen Systems infrage und finden Wege für ein neues Miteinander“. Viele Menschen wollten einen gesellschaftlichen Wandel, wüssten aber keinen Weg dorthin.

So ähnlich sieht es auch René van Reenen, der seit vier Wochen mit seinem Hund „Luna“ neben Yoshi Livo auf der kleinen Wiese campiert. Ursprünglich habe das Gebiet einem niederländischen Bauern gehört, der das Land aufgegeben habe. Die genaue Grenzziehung hätten beide Staaten später jeweils unterschiedlich definiert. Im Ergebnis gebe es einen 485 mal sechs Meter breiten Streifen ohne klaren Besitzer - darauf haben die Besetzer nun Ansprüche erhoben. „Das geht so nicht, denn die Rechtslage ist klar“, widersprach dagegen Samtgemeindebürgermeisterin Daniela Kösters im benachbarten Emlichheim.

Die niederländische Nachbargemeinde Coevorden habe das Gelände gekauft. Dort solle das länderübergreifende Gewerbegebiet „Europark“ erweitert werden. Ein Unternehmen stehe auch schon als Investor bereit. Wie das Ganze ausgeht, ist derzeit unklar. Besetzer und die Gemeinde Coevorden wollten noch einmal Gespräche über die Lage führen. Die beiden Bewohner von „Wunderland“ schließen nicht aus, dass sie mit einem Polizeieinsatz aus ihrem Fantasiestaat vertrieben werden.
dpa

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