Nach Insolvenzantrag

Renaissance der Emder Nordseewerke im Schiffbau nicht ausgeschlossen

Hannover - Für die Beschäftigten der Emder Nordseewerke setzt wieder einmal die Zeit des bangen Hoffens ein. Nach dem jüngsten Insolvenzantrag soll schleunigst ein neuer Investor her. Frühere Neustarts endeten in der Pleite - und bescherten dem Land Bürgschaften in Millionenhöhe.

Nach dem Insolvenzantrag der Emder Nordseewerke hat die Suche nach neuen Investoren eingesetzt. Im Anschluss an ein Treffen von Betriebsrat und Gewerkschaftsvertretern mit Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) in Hannover sagte dessen Sprecher mit Blick auf mögliche Interessenten: „Alles ist denkbar - auch der Schiffsbau könnte wieder eine Perspektive in Emden bekommen.“ Bei dem Treffen habe Einigkeit geherrscht, dass für den Offshore-Zulieferer ein externer Insolvenzverwalter gesucht werden soll. Das Land will eine Zerschlagung des Unternehmens verhindern und lehnt daher eine angestrebte Insolvenz in Eigenverwaltung ab.

Für das Land Niedersachsen stehen nach Informationen der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ Bürgschaften von mehr als 60 Millionen Euro auf dem Spiel. Insgesamt betrage die Höhe der Kredite, die die Nord/LB dem Unternehmen gewährt habe, 87 Millionen Euro, berichtete die Zeitung am Donnerstag. Die Bank und die zuständigen Ministerien des Landes wollten diese Angaben nicht bestätigen. Die Nordseewerke hatten Ende Mai einen Insolvenzantrag gestellt, am kommenden Montag steht in Emden die Gläubigerversammlung an. Betroffen von dem Insolvenzantrag sind fast 190 Mitarbeiter, von denen 80 Prozent bereits seit September 2014 in Kurzarbeit sind. „Wir wissen, was an dem Standort noch immer für Know-how vorhanden ist“, sagte Michael Hehemann von der IG Metall, der die Ernennung eines Insolvenzverwalters für Ende kommender Woche erwartet. Nach seinen Angaben hatten an dem Treffen in Hannover auch Vertreter der Stadt Emden und der Wirtschaft teilgenommen.

Die Investorensuche soll nun vom Wirtschaftsministerium unterstützt werden. Der niedersächsische CDU-Landtagsfraktionsvize Dirk Toepffer forderte Lies dazu auf, die Beschäftigten in Emden nicht erneut mit leeren Versprechungen zu vertrösten. Wegen der Bürgschaften, die das Land übernommen habe, hätte Lies sich schon in der Vergangenheit über die wirtschaftliche Situation der Nordseewerke laufend informieren müssen, kritisierte Toepffer. „Die Zeit der vollmundigen Versprechungen muss nach zweieinhalb Jahren vorbei sein. dpa

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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